Wie wird man eigentlich Politiker? 

Man kann nur Arzt werden, wenn man Medizin studiert hat, das ist klar. Aber wie landet man eigentlich im Bundestag und wird vielleicht sogar Bundeskanzlerin bzw. Bundeskanzler? Eins vorweg: Den einen Weg, der in den Bundestag führt, gibt es nicht. Vielmehr haben die Abgeordneten alle unterschiedliche Ausbildungen absolviert bzw. Fächer studiert, die wir dir weiter unten vorstellen.

So wirst du Politiker: Wenn du Politiker werden willst, engagierst du dich in der Regel ehrenamtlich neben deinem eigentlichen Beruf. Zunächst bist du in Orts- und Kreisverbänden tätig und arbeitest dich dann von kleineren Orten bis zur Landes- oder Bundesebene hoch. Dieser Karriereweg vom Einsteiger bis zum Spitzenpolitiker wird häufig als „Ochsentour“ bezeichnet.

Welche Eigenschaften braucht man als Politiker? 

Wie gesagt gibt es keine spezielle Ausbildung bzw. Studium, um Politiker zu werden. Vielmehr kommt es auf bestimmte Fähigkeiten an, die du unbedingt haben sollest, wenn du in die Politik gehen möchtest:

  • Allgemeinbildung
  • Gute Ausdrucksweise
  • Charismatische Ausstrahlung
  • Entscheidungsfreude
  • Durchsetzungsfähigkeit

Typische Aufgaben als Politiker

Egal ob auf Kommunal-, Landes- oder Bundesebene – diese Aufgaben kommen auf dich zu, wenn du in die Politik gehst:

  • An Sitzungen, Gremien, Besprechungen und Arbeitsgruppen teilnehmen
  • Reden vorbereiten und halten
  • Repräsentative Auftritte wahrnehmen
  • In Dialog mit Wählern treten
  • Interviews vorbereiten und halten

Wichtig: Berufspolitiker stehen ständig in der Öffentlichkeit und damit auch unter Beobachtung der Medien – das musst du aushalten können. Außerdem erwarten dich teils sehr lange Arbeitstage und du bist viel unterwegs, weshalb Reisebereitschaft eine weitere Voraussetzung ist, die du mitbringen solltest, wenn du Politiker werden möchtest.

Und wie wird man Kanzlerkandidatin / Kanzlerkandidat? 

Die Frage, mit welcher Ausbildung du die besten Chancen auf den Job als Bundeskanzlerin bzw. Bundeskanzler hast, können wir dir zwar nicht beantworten, aber dir zumindest den Weg der aktuellen Kandidaten darlegen.

Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, studierte Politikwissenschaft mit Nebenfach Öffentliches Recht/Europarecht. Ihren Masterabschluss hat sie in London im Studiengang Public International Law gemacht. Während des Studiums arbeitete sie bei einer Zeitung und absolvierte ein Praktikum bei einer Europaabgeordneten. Im Jahr 2013, mit 33 Jahren, zog sie in den Bundestag.

Der Kandidat der CDU, Armin Laschet, trat bereits mit 18 Jahren in die CDU ein und schloss ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften ab. Anschließend arbeitete er als journalistischer Volontär, freier Journalist und Redenschreiber des ehemaligen Bundestagspräsidenten Philipp Jenniger. Auch eine Lehrtätigkeit an einer Hochschule ist Teil seines Lebenslaufs. Mit 33 Jahren wurde er in den Bundestag gewählt.

Olaf Scholz, Kandidat der SPD, ist mit 15 Jahren zum Schülersprecher seiner Schule gewählt worden und mit 17 Jahren in die SPD eingetreten, wo er sich fortan in der Jugendorganisation engagierte. Nach seinem Abitur hat er Rechtswissenschaften studiert und arbeitete einige Jahre als Fachanwalt für Arbeitsrecht, bis er mit 40 Jahren Mitglied des Bundestags wurde. 

Ausbildungsberufe und Studiengänge der Politiker 

Im Folgenden stellen wir dir ein paar namhafte Politikerinnen und Politiker und ihren Weg in die Politik bzw. in den Bundestag vor. Aber Achtung: Einige von ihnen sind kein aktuelles Mitglied des Bundestags (mehr).  

Vor der Bundestagswahl 2021 befinden sich 709 Politiker im Bundestag. 99 von ihnen haben eine Ausbildung absolviert, die anderen an einer Universität bzw. Fachhochschule studiert. Viele haben einen Abschluss in einem juristischen Beruf und auch Wirtschafts- sowie Politikwissenschaft sind häufig absolvierte Studiengänge der Bundestagsabgeordneten. Neben insgesamt 43 Lehrerinnen und Lehrern sind systemrelevante Berufsgruppen aus der Medizin (13), Kranken- (4) und Altenpflege (2) eher weniger im Bundestag vertreten. 

Top 5 Studiengänge der Bundestagsabgeordneten

  • Rechtswissenschaften (187)
  • Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Betriebswirtschaft (109)
  • Politikwissenschaften (96)
  • Volkswirtschaft (44)
  • Geschichte (38)

Rechtswissenschaften

Die meisten Politikerinnen und Politiker haben Rechtswissenschaften studiert. Dazu gehört z. B. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die während ihres Studiums bereits Mitglied im Stadtrat war.

Außenminister Heiko Maas legte ebenfalls beide Staatsexamen der Rechtswissenschaften ab und wurde im Anschluss Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr im Saarland.

Auch Markus Söder studierte Rechtswissenschaften und promovierte sogar. Anschließend absolvierte er ein Volontariat beim Bayerischen Rundfunk und arbeitete als Redakteur. Einen ähnlichen Werdegang hat Wolfgang Schäuble hinter sich: Er entschied sich für ein Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften und promovierte ebenfalls.

Philipp Amthor und Friedrich Merz gehören ebenfalls zu den Absolventen dieses Studiengangs. Ersterer war bereits während seines Studiums Mitarbeiter verschiedener Abgeordneter und letzterer engagierte sich schon zu Schulzeiten in der Jungen Union.

Renate Künast arbeitete zunächst als Sozialarbeiterin in einer Strafvollzugsanstalt und betreute dort drogenabhängige Jugendliche. Anschließend studierte sie Jura und ist bereits seit 2002 Mitglied des deutschen Bundestags. 

Politikwissenschaften 

Nur knapp jeder siebte Politiker im Bundestag hat auch Politikwissenschaften studiert. Unter ihnen sind nur wenige prominente Namen, z. B. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, die zwar aus einer Winzer-Familie stammt, sich aber für ein Studium der Politikwissenschaft, katholischen Theologie und Pädagogik entschieden hat. Nach ihrem Studium arbeitete sie zunächst als Journalistin für Wein-Magazine und blieb damit ihren Wurzeln treu.

Einer der häufigsten Einstiege in den Bundestag ist eine frühe Mitgliedschaft bei der Jugendorganisation einer Partei. FDP-Politiker Christian Lindner ist beispielsweise schon mit 18 Jahren in die Partei eingetreten und wurde schnell Vorstandsmitglied der Jungen Liberalen NRW. Nach seinem Zivildienst studierte er Politikwissenschaften, Staatsrecht und Philosophie.

Andere Studiengänge 

Weißt du, welchen beruflichen Hintergrund Angela Merkel hat? Sie studierte Physik und machte sogar ihren Doktortitel! Um sich das Studium zu finanzieren, arbeitete sie nebenbei als Barkeeperin. Mit 36 Jahren trat sie der CDU bei und wurde noch im gleichen Jahr Abgeordnete im Bundestag. Im Jahr 2005, zehn Jahre später, ist sie zur ersten Bundeskanzlerin Deutschlands gewählt worden. 16 Jahre später endet ihre Ära nach der Wahl 2021.  

Karl Lauterbach hat gleich mehrere Studiengänge abgeschlossen, denn er studierte Medizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie unter anderem an der Harvard Universität in Boston, USA. Seit 16 Jahren ist er Abgeordneter im Bundestag. 

Horst Seehofer legte die Verwaltungsprüfung für den gehobenen Dienst ab und ist damit Diplom-Verwaltungswirt. Bereits ein Jahr später trat er in die CSU ein und wurde nach kurzer Zeit Mitglied des Bundestags.

Ausbildungsberufe von Politikern 

Muss man als Politiker im Bundestag studiert haben? Nein! Die drei häufigsten Ausbildungsberufe der Politiker im Bundestag sind Bankkauffrau/Bankkaufmann (29), Industriekauffrau/Industriekaufmann (11) und Landwirtin/Landwirt (8).

Martin Schulz, der 2017 als Kanzlerkandidat für die SPD antrat, hat nach seinem Realschulabschluss eine kaufmännische Ausbildung zum Buchhändler erfolgreich abgeschlossen.

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, hat nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Bankkauffrau und anschließend eine Ausbildung zur Hotel-Kauffrau erfolgreich abgeschlossen. 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und studierte parallel zu seiner politischen Laufbahn Politikwissenschaften.

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder absolvierte erst eine Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel, bevor er ein Jura-Studium anschloss.

Quereinstiege 

Auch wenn sich viele Politiker schon früh in einer Partei engagierten, ist das kein Muss. Auch späte Quereinstiege sind möglich. Ein Paradebeispiel dafür ist der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck. Er arbeitete sein Leben lang als Pfarrer und ist erst mit 50 Jahren politisch aktiv geworden. Mit seinen 72 Jahren war er im Jahr 2012 sogar der erste parteilose Bundespräsident Deutschlands!

Kevin Kühnert ist einer der wenigen Abgeordneten im Bundestag, der keinen Abschluss in der Tasche hat. Er hat nach seinem Abitur ein Studium begonnen, dieses aber abgebrochen. Auch Claudia Roth hat keinen beruflichen Abschluss und trotzdem eine politische Karriere von Parteivorsitz bis Vizepräsidentin des Bundestags hingelegt.

Fazit 

Die vielen Beispiele zeigen, dass du keinen konkreten Bildungsweg absolvieren musst, um als Politikerin bzw. Politiker Mitglied des Bundestags zu werden. Deine wichtigsten Eigenschaften sollten Interesse an Politik und Gesetzen sowie Kommunikationsstärke sein: Im Bundestag wird schließlich viel diskutiert. Die besten Chancen hast du, wenn du so früh wie möglich einer Partei beitrittst und dich in deiner Heimatstadt politisch engagierst. Auch als Klassen- oder Schülersprecher bekommst du einen ersten Einblick in die Verantwortung eines politischen Amtes.

Möchtest du gerne mit Politik arbeiten, aber gar nicht unbedingt Politiker werden und im Bundestag sitzen? Dann schau mal in unserer Themenwelt Berufe mit Politik vorbei!

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