AUBI-plus GmbH Donnerstag, 13. September 2018 4 Minuten Lesezeit

Mobbing in der Ausbildung - Das kannst du tun

Mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen, Angst vor dem nächsten Tag der Ausbildung haben, nur noch an die Kündigung denken - all das sind typische Folgen von Mobbing in der Ausbildung. Du wirst auch gemobbt oder fühlst dich bei deinem Arbeitgeber in die Opferrolle gedrängt? Wir geben dir Tipps, wie du als betroffener Azubi an das Thema Mobbing rangehen kannst und was du tun kannst, um dich aus der Situation zu befreien.

In der Ausbildung gemobbt zu werden, kann schlimme Folgen für den betroffenen Azubi haben
In der Ausbildung gemobbt zu werden, kann schlimme Folgen für den betroffenen Azubi haben© Anemone123 | Pixabay Public Domain

Was ist Mobbing eigentlich?

Das Wort Mobbing stammt von dem englischen Verb "to mob" ab, was so viel wie "schikanieren" oder "anpöbeln" bedeutet. Unter Mobbing ist somit die systematische Anfeindung und Schikane gegenüber einer bestimmten Person zu verstehen. Diese Anfeindungen können sowohl von Kollegen, als auch von Vorgesetzten, anderen Auszubildenden oder Mitschülern aus der beruflichen Schule kommen. Ziel der "Mobber" ist es meistens, sich selbst als mächtig darzustellen und die betroffene Person niederzumachen oder sie gar aus dem Ausbildungsbetrieb hinauszuekeln.

Die Ursache für dieses Verhalten liegt oft in einem unausgesprochenen Konflikt, der sich dann in Sticheleien, ständiger Kritik, Abwertung, allgemein schlechter Behandlung, übler Nachrede oder gar Verweigerung von Hilfestellung ausdrückt. Häufig zielen diese Beleidigungen auf persönliche Schwächen, die ethnische Herkunft oder auch das Privatleben ab. Im Extremfall kann es sogar zu körperlicher Gewalt kommen - dies ist beim Mobbing in der Ausbildung oder am Arbeitsplatz jedoch glücklicherweise eher selten der Fall.


Welche Auswirkungen hat Mobbing für das Opfer?

Gemobbt zu werden hat für den betroffenen Azubi schwere Auswirkungen, welche sich sowohl psychisch als auch physisch zeigen können. Mit Bauchschmerzen an die Arbeit denken oder Unwohlsein am Arbeitsplatz sind hier noch die harmlosesten Beschwerden von Mobbing-Opfern. Ständige Angst auf der Arbeit oder auch Magenbeschwerden können weitere Folgen der dauerhaften psychischen Belastung sein. Der Psycho-Terror der Kollegen oder Vorgesetzten kann sogar soweit gehen, dass schwere psychische Erkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen die Folge sein können. Dass Azubis bei diesem psychischen Druck oft nur noch an die Kündigung denken, ist wohl kein Wunder. Solltest du dich in der Situation befinden und bereits ernsthafte Folgen davongetragen haben, ist es wichtig, dass du dir Hilfe suchst! Längere Krankschreibungen und therapeutische Behandlungen, um das Erlebte zu verarbeiten, sind beispielsweise Möglichkeiten.


Was tun bei Mobbing in der Ausbildung?

Du bist betroffen vom Mobbing am Ausbildungsplatz und weißt nicht, wie du dich aus dieser Situation befreien kannst? Generell ist es natürlich eine schwierige Lage, in der du dich befindest. Du weißt nicht, ob du das Thema im Unternehmen bei deinem Ausbilder oder Chef ansprechen sollst oder wie du dich verhalten kannst, um dich nicht mehr als "schwaches Opfer" zu fühlen. 

Mit Vertrauenspersonen sprechen

Zunächst ist es wichtig, über deine Situation zu sprechen. Das muss gar nicht direkt am Arbeitsplatz mit deinem Ausbilder sein, sondern es bringt schon viel, wenn du dich zunächst einmal mit deinen Eltern oder Freunden zusammensetzt - Menschen, denen du vertraust. Außenstehende haben häufig noch einmal einen anderen Blick auf deine Lage und können dir vielleicht schon erste Tipps oder Hinweise geben, wie du etwas ändern kannst.

In die Offensive gehen

Falls es sich um eine einzige Person handelt, die dich immer wieder angreift, gilt außerdem: Vergiss die Opferhaltung und tritt deinem Peiniger offen und stark entgegen. Da häufig ein unausgesprochener Konflikt hinter den Schikanen steckt, ist es sinnvoll, diesen anzusprechen. Sicherlich kostet das erst einmal Mut, doch in einem Vier-Augen-Gespräch können Probleme und Sichtweisen offen angesprochen und vielleicht sogar aus der Welt geschaffen werden. Wichtig dabei ist, sachlich zu bleiben und nicht durch Beleidigungen deinerseits persönlich zu werden. So machst du das Ganze nämlich nur noch schlimmer.

Das Mobbing-Tagebuch

Hattest du mit dem Vier-Augen-Gespräch keinen Erfolg oder handelt es sich um eine größere Gruppe von Personen, die es auf dich abgesehen hat, macht es tatsächlich Sinn, ein Mobbing-Tagebuch zu schreiben. Das hört sich erst einmal komisch an, ist aber sinnvoll, denn so kannst du alle Angriffe auf dich genau festhalten und hast bei einem späteren Gespräch mit deinem Ausbilder, dem Betriebsrat oder der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) einen dokumentierten Beleg. In das Tagebuch trägst du ein, wer der Täter war, was dieser gesagt oder getan hat, wann, wo und wie die Mobbing-Handlung stattgefunden hat, was der Auslöser war und welche Zeugen dies mitbekommen haben. Falls es um mündliche Beleidigungen und Diskriminierungen ging, solltest du diese möglichst wortwörtlich notieren. Auch falls du feindselige E-Mails oder Briefe bekommen hast, kannst du diese als Beweis nutzen. Erkennst du bereits erste Folgen durch das Mobbing, egal ob psychisch oder körperlich? Dann solltest du auch diese in deinem Tagebuch festhalten.

Mit dem Tagebuch kannst du dann zunächst einmal zu deinem Vorgesetzten, Ausbilder, Chef oder auch Berufsschullehrer gehen und ihm deine Situation genau erklären. Sollten dich jedoch nicht nur deine Kollegen, sondern auch deine Vorgesetzten mobben oder bringt das Gespräch mit ihnen keine Besserung, kannst du dich auch an einen Anwalt wenden. Denn Mobbing am Arbeitsplatz muss man sich auch rechtlich nicht gefallen lassen - auch nicht in der Ausbildung! Der Anwalt kann dir mithilfe deines ausgefüllten Mobbing-Tagebuchs dabei helfen, den Ausbildungsbetrieb zu wechseln und sogar Schadensersatz zu fordern.