Wie ist es zu deinem Berufswunsch gekommen?
Die Arbeit mit Kindern hat mir immer schon sehr viel Spaß gemacht, sei es als Teamer im Jugendzentrum oder als Babysitter. Seit der Realschule stand für mich fest, dass ich Erzieherin werden wollte.

Wie ist die Ausbildung dann abgelaufen?
Bei der praxisintegrierten Ausbildung zur Erzieherin hat man Theorie und Praxis parallel, d. h. an 2,5 Tagen in der Woche habe ich die Berufsschule besucht und an den restlichen 2,5 Tagen im Kindergarten gearbeitet. Der Vorteil gegenüber der schulischen Erzieherausbildung besteht darin, dass ich das Gelernte aus der Schule gleich in der Arbeit mit den Kindern anwenden konnte. Insgesamt ging meine Ausbildung über drei Jahre; nach dem ersten Jahr ist es üblich, die Einrichtung zu wechseln. Was viele nicht wissen: Außer in Kindergärten bzw. Kindertageseinrichtungen kann man als Erzieher auch in der OGS an Grundschulen arbeiten und dort AGs leiten oder die Hausaufgaben betreuen. Für mich war aber immer klar, dass ich lieber mit Kindergarten- und nicht mit Schulkindern arbeiten wollte.

Welche Fächer hattest du an der Berufsschule?
Wichtige Unterrichtsfächer waren Pädagogik, Sport und Bewegung, Ernährung, Kunst und Religion – und auch Englisch. Familien mit Migrationshintergrund können manchmal (noch) nicht so gut Deutsch sprechen, da muss man sich dann auf Englisch verständigen.

Welche Voraussetzungen musstest du für die Ausbildung mitbringen?
Ich brauchte Fachabitur und ein 12-wöchiges Praktikum. Nach der Realschule bin ich daher ans Berufskolleg gegangen und habe dort mein Fachabi im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen gemacht. Und mein Praktikum habe ich in einer Kindertageseinrichtung für Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren absolviert – genau die Altersgruppe, die ich jetzt auch betreue. Dass man als Interessent für den Erzieherberuf sozial engagiert sein sollte, viel Geduld haben muss, gute Nerven braucht und über ein gutes Einfühlungsvermögen verfügen sollte, versteht sich glaube ich von selbst.

Was gefällt dir an deinem Beruf als Erzieherin besonders gut?
Es ist einfach toll, den Kindern beim Aufwachsen zuzusehen, zu ihrer Entwicklung beitragen zu können und zu beobachten, was sie Neues dazu lernen. Natürlich gibt es auch Tage, an denen die Kinder einfach nicht hören wollen – dann wird es schon mal anstrengend. Einen wirklich schlechten Tag hatte ich aber bislang noch nicht.

Besonders gut finde ich die Arbeit im Team und den gegenseitigen Austausch, nicht nur mit meinen Kolleginnen aus der Gruppe, sondern auch mit den Erziehrinnen aus den anderen Gruppen. All unsere Ideen kommen dabei in einen großen Topf. Darüber hinaus ist es auch ein schönes Gefühl, eine Stütze für die Eltern zu sein und ihr Vertrauen geschenkt zu bekommen. Die Eltern können ihre Kinder morgens mit einem guten Gewissen zum Kindergarten bringen und in Ruhe arbeiten gehen.

Was war bislang deine größte Herausforderung?
Manchmal ist es mir während der Ausbildung schon schwer gefallen, alles auf einmal zu bewältigen, d. h. Schule, Lernen und Arbeiten. Besonders viel lernen musste ich für meine Abschlussprüfung; ich hatte drei Klausuren, in denen jeweils zwei Fächer abgefragt worden sind. Dann noch einen Nebenjob auszuüben, wäre mir persönlich zuviel gewesen. Manche Azubis machen das aber, um sich zur Ausbildungsvergütung noch etwas dazu zu verdienen. 

Und wie geht es für dich jetzt weiter?
Nach der Ausbildung ist es üblich, dass man erst einmal einen befristeten Arbeitsvertrag bekommt. Meiner war auf ein Jahr befristet und ist danach um ein weiteres Jahr verlängert worden. Wie es weitergeht, wenn dieser Vertrag ausläuft, und ob ich in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen werde, weiß ich derzeit noch nicht. Auf jeden Fall möchte ich mich gerne noch weiterbilden, im Bereich soziale Arbeit oder Kinderpsychologie. 

Was ist dein Rat für Jugendliche, die sich für einen Beruf mit Kindern interessieren?
Erzieher ist auf jeden Fall ein Beruf mit Zukunft. Überall werden neue Kitas gebaut und Erzieher werden einfach gebraucht. Für sozial engagierte Jugendliche, die Lust und Spaß haben, mit Kindern zu arbeiten, ist es ein guter Beruf. Allerdings rate ich Interessenten, vorher auszuprobieren, ob die Arbeit einem auch wirklich liegt, z. B. durch ein Praktikum oder andere Tätigkeiten. Für den späteren Bewerbungsprozess ist es außerdem gut, wenn man über seine Praxiserfahrungen auch Bescheinigungen vorweisen kann. Ich hatte beispielsweise mein Babysitter-Diplom und eine Praktikumsbescheinigung über ein Sozialpraktikum, das ich während meiner Schulzeit an der OGS gemacht habe.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute!

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