Mobbing ist menschenverachtend und gesundheitsgefährdend. Das Problembewusstsein ist allerdings nicht besonders ausgeprägt. Spricht man mit Unternehmensleitenden, Führungskräften oder Ausbildungsverantwortlichen, hört man in der Regel ein empörtes: „Mobbing? So was gibt es bei uns doch nicht!“ Die Realität sieht leider oft anders aus.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA) hat in einer groß angelegten Untersuchung, dem Mobbingreport, festgestellt, dass über 11 Prozent der Beschäftigten im Laufe ihres Erwerbslebens mindestens einmal von Mobbing betroffen waren. Diese bisher umfassendste Untersuchung stammt aus dem Jahr 2002. Neuere Zahlen (2018) liefert eine Studie der ARAG. Danach waren fast ein Drittel der Befragten im Laufe ihres Erwerbslebens Mobbingopfer. 

Dass sich die Zahlen in der Zwischenzeit gesteigert haben, dürfte unstrittig sein. Ob sie aber tatsächlich so stark gestiegen sind, ist nicht klar. Die unterschiedlichen Werte ergeben sich zum Teil aus verschiedenen Fragestellungen und aus dem Studiendesign. Die Befragten dürften teilweise unterschiedliche Auffassungen davon haben, was tatsächlich Mobbing ist und was (noch) nicht. 

Ein ganz besonderes Thema ist das noch recht „junge“ Cybermobbing, welches sich zwar nur selten im Unternehmen abspielt, von dem aber insbesondere junge Menschen bzw. Auszubildende stark betroffen sind. Dazu aber später mehr.

Was ist Mobbing?

Mobbing ist…

eine konfliktbelastete Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, bei der die angegriffene Person unterlegen ist und von einem oder mehreren anderen Personen systematisch und während längerer Zeit direkt oder indirekt angegriffen wird mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes und die angegriffene Person dieses als Diskriminierung erlebt.

Das ist die bisher wohl bekannteste Definition von Mobbing. Sie stammt aus dem Jahr 1993 von dem deutsch-schwedischen Forscher Heinz Leymann (verstorben 1999). Auf diese Definition greifen auch die meisten deutschen Gerichte bei ihren Entscheidungen zurück, da es eine gesetzliche Definition in Deutschland nicht gibt. 

Es müssen also mehrere Faktoren zusammenkommen, damit man von Mobbing sprechen kann. Persönliche Unverträglichkeiten oder Animositäten gehören normalerweise nicht dazu – allerdings kann sich daraus im Einzelfall Mobbing entwickeln. Ist der Vorgesetzte die treibende Kraft, so spricht man von „Bossing“.

Warum mobben Menschen andere?

Es gibt viele – vordergründige – Ursachen für Mobbing. Persönliche Abneigung ist nur in wenigen Fällen der Auslöser. Sehr viel häufiger sind es Ängste, die dazu führen, dass einzelne Menschen ausgegrenzt und attackiert werden. Solche Ängste müssen nicht immer rational sein, es können auch ganz unspezifische Befürchtungen sein.

Ein klassisches Beispiel ist die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Werden in einem Unternehmen Stellenkürzungen und Entlassungen angekündigt, gilt oft die Devise: „Rette sich, wer kann!“ Das kann dazu führen, dass einzelne, vermeintlich schwächere Kolleginnen und Kollegen gemobbt werden, mit dem Ziel, dass diese von sich aus gehen. Mit jeder Person, die „freiwillig“ das Unternehmen verlässt, wird die Chance für den oder die Täter größer, bleiben zu können. 

Beim Bossing spielt oft die Angst vor den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Rolle. Zeigt sich bei einer bzw. einem Untergebenen eine hohe Qualifikation und besondere Fähigkeiten, entsteht die Angst, dass sofort „am Stuhl des Chefs“ gesägt wird. Das kann man am besten verhindern, indem man den guten Mitarbeiter klein macht oder klein hält oder ihn durch entsprechende Maßnahmen zu einem Wechsel oder zur Kündigung treibt. „Wegloben“ funktioniert manchmal auch und ist deutlich weniger belastend für alle Beteiligten. 

In dieselbe Richtung zielen Versagensängste, also die Befürchtung, den kommenden Anforderungen nicht mehr gerecht werden zu können, überfordert zu sein, den Anschluss zu verlieren oder einen hierarchischen Abstieg erleben zu müssen. Beispiel hierfür wäre eine ältere Führungskraft, wenig IT-affin, die Angst vor einem Mitarbeiter hat, der als „Digital Native“ den Durchblick hat.

Die tatsächlichen Gründe für Mobbing sind nicht immer einfach zu erkennen. Gerade wenn es mehrere Täter gibt, kann es auch eine Gemengelage verschiedener Motive sein. Für die bzw. den Betroffenen sind die Gründe, warum sie bzw. er gemobbt wird, aber völlig unerheblich.

Welche Folgen hat Mobbing für die Betroffenen?

Mobbing ist Körperverletzung – das haben verschiedene Gerichte schon festgestellt. Denn Mobbing „macht etwas mit einem“. Die Reaktionen auf die Aktivitäten der Täter sind typbedingt sehr unterschiedlich. Gerade junge oder besonders sensible Menschen leiden stärker und schneller unter den Angriffen. Aber man sollte sich nicht täuschen: Auch bei älteren „gestandenen“ Frauen oder Männern zeigt Mobbing Auswirkungen, es dauert nur manchmal etwas länger.

Mobbing löst bei den Betroffenen Stress aus. Die klassischen Stresssymptome treten oft als erstes auf, beispielsweise Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Weiter können sich psychosomatische Erkrankungen wie Magen-/Darmbeschwerden oder Herzrasen entwickeln. Psychische Folgen können Angstzustände, Einsamkeitsgefühle oder der Verlust des Selbstwertgefühls sein. Das geht bis zu ausgeprägten Depressionen und Suizidgedanken oder -versuchen. Häufige und/oder längere Arbeitsunfähigkeiten sind die Folge. Zudem lässt die Arbeitsleistung nach, Fehler häufen sich. Was dann leider oft dazu führt, dass das Opfer abgemahnt oder sogar entlassen wird – womit das Ziel der Mobber erreicht wäre. 

Übrigens: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, für die gesundheitliche Unversehrtheit seiner Beschäftigten zu sorgen – dazu gehört auch, gegen Mobbing vorzugehen.

Lesetipp für Auszubildende: Mit Bauchschmerzen zur Arbeit gehen, Angst vor dem nächsten Tag der Ausbildung haben, nur noch an die Kündigung denken - all das sind typische Folgen von Mobbing in der Ausbildung. Du wirst auch gemobbt oder fühlst dich bei deinem Unternehmen in die Opferrolle gedrängt? Wir geben dir Tipps, wie du als betroffener Azubi mit dem Thema Mobbing umgehen solltest und was du tun kannst, um dich aus der Situation zu befreien. >> Artikel lesen


Wie können Sie Mobbing erkennen?

Mobbing verändert einen Menschen. Aus offenen, fröhlichen Mitarbeitern und Auszubildenden werden schnell scheue, ja ängstliche Typen, die sich nicht mehr an gemeinsamen Aktivitäten beteiligen. Bisher zuverlässige Mitarbeitende werden nachlässig, Fehler und Fehlzeiten häufen sich. Das alles muss nicht unbedingt an Mobbing liegen, es kann aber. Ohnehin sollte jede gute Führungskraft – und natürlich auch jeder Ausbilder – solchen Veränderungen bei Mitarbeitern und Auszubildenden auf den Grund gehen und die Ursachen ermitteln. Ein Gespräch mit der bzw. dem Betroffenen hilft in der Regel schon weiter.

Wie können Sie gegen Mobbing vorgehen?

Der frühe Vogel fängt den Wurm - diese Redensart hilft auch bei der Bewältigung von Mobbing. Je früher Sie als Führungskraft bzw. Ausbildungsverantwortlicher reagieren, desto einfacher lassen sich die Konflikte lösen. Läuft ein Mobbing schon über längere Zeit, sind die Fronten oft so verhärtet, dass eine gütliche Einigung nicht mehr möglich ist. 

An erster Stelle steht das Gespräch. Zunächst mit dem Mobbingopfer, um mehr über die Hintergründe, die Täter, die Dauer der Aktion und das Befinden zu erfahren. Dann schließt sich ein Gespräch mit dem Täter oder den Tätern an. Dabei sollten Sie sehr deutlich machen, dass ein solches Verhalten im Unternehmen nicht geduldet wird und arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Reagieren Sie nicht so schnell wie möglich, kann das Opfer unter Umständen sogar Schadenersatzansprüche gegenüber dem Unternehmen verlangen.

Die Beweislage

Mobbing zu beweisen ist für die bzw. den Betroffenen – und auch für den Arbeitgeber – nicht immer ganz einfach. Das ist aber erforderlich, um ggf. in einem Arbeitsgerichtsverfahren Recht zu bekommen. Bewährt hat sich in der Praxis ein sogenanntes Mobbing-Tagebuch. Darin notiert der Betroffene möglichst minutiös und detailgenau, wann von wem welche Handlungen ausgeführt wurden. Dabei sollte gleichzeitig notiert werden, welche – möglichst unbeteiligte – Personen Zeugen des Vorfalls gewesen sind. Solche Dokumentationen können vor Gericht den Nachweis von Mobbing erleichtern. Vorsicht vor unbemerkten Videoaufzeichnungen! Diese verstoßen meist gegen das Persönlichkeitsrecht und können vor Gericht nicht als Beweismittel dienen.

Die arbeitsrechtlichen Maßnahmen sind vielfältig. Diese können von einer Abmahnung über eine Versetzung bis hin zur fristlosen Kündigung reichen. Je nach Schwere des Falles und der Einsicht des Täters. Ganz wichtig ist es, dem Mobbingopfer zu zeigen, dass es nicht allein ist. Sie sollten Unterstützung in jeder möglichen Form anbieten. Am allerwichtigsten sind die Gesprächsbereitschaft und die Bereitschaft zuzuhören, denn das Opfer steht unter einem unglaublichen Druck und muss über seine Gefühle sprechen können. Manche haben eine solche Möglichkeit in ihrem privaten Umfeld aber nicht und sind dann umso mehr auf die Unterstützung der Führungskraft bzw. des Ausbildungsverantwortlichen angewiesen.

Hilfe suchen ist keine Schande

Das gilt sowohl für das Mobbingopfer als auch für Sie als Führungskraft bzw. Ausbildungsverantwortlicher. Solche Gespräche mit dem Opfer und den Tätern sind nicht einfach. Nur wenige haben es gelernt, mit solchen Situationen umzugehen, noch weniger können es einfach, weil es in ihrer Natur liegt. Also nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie Bedenken haben. Das können entsprechend qualifizierte Kolleginnen und Kollegen aus der Personalabteilung sein (dort sitzen öfter Psychologen) oder externe Berater. Den externen Sachverstand benötigen Sie insbesondere dann, wenn Sie arbeitsrechtlich gegen die Mobbingtäter vorgehen wollen. Fehler in diesem Bereich sind schnell gemacht und können entweder teuer werden oder nicht zum Ziel führen.

Wie können Sie Mobbing verhindern?

Eigentlich ganz einfach: Gute Arbeit, ein gutes Betriebsklima und eine offene Unternehmenskultur können dafür sorgen, dass Mobbing im Unternehmen wirklich ein Fremdwort bleibt. Wer zufrieden ist und Spaß an der Arbeit hat, der hat keinen Grund zum Mobben. 

Liest sich einfacher, als es in der Praxis oftmals ist. So lassen sich beispielsweise Stellenstreichungen und Entlassungen nicht immer verhindern. Entscheidend ist aber, wie man damit umgeht. Am schlimmsten sind Gerüchte. Diese sorgen für große Verunsicherung und Ängste – der optimale Nährboden für Mobbing. Werden die Veränderungen frühzeitig und offen kommuniziert und Alternativen angeboten (in dem Fallbeispiel wären dies z. B. Altersteilzeit, Abfindungen und Auffanggesellschaften), lassen sich die Ängste zwar nicht ganz vermeiden, aber minimieren.

Und wie ist das mit Cyber-Mobbing?

Zum Cybermobbing in Unternehmen gibt es bisher kaum nützliche Studien. Die Definition weicht eigentlich nicht vom klassischen Mobbing ab, der eigentliche Unterschied liegt darin, dass sich Cybermobbing eben nicht im realen Leben, sondern in der virtuellen Welt abspielt und - als weiterer wesentlicher Unterschied - eher in der (vermeintlichen) Anonymität stattfindet. 

Die Verbreitung innerhalb der Unternehmen ist (noch) eher gering. Das liegt vermutlich daran, dass Cyberattacken innerhalb des Unternehmensnetzwerks meist recht schnell auf den Angreifer zurückgeführt werden können. Im öffentlichen Bereich sieht das anders aus. Wer da geschickt agiert (was aber nur die wenigsten können und tun), kann die Herkunft des Angriffes dadurch verschleiern, dass die Daten über unterschiedliche – meist ausländische – Server geleitet und so die Spuren verwischt werden. 

Gerade Azubis sind aber oft von Cybermobbing betroffen, da sie sich überwiegend in den sozialen Netzwerken und Medien bewegen. Häufig laufen solche Cyberattacken über Netzwerkgruppen beispielsweise in der Berufsschule. 

Cybermobbing ist von einigen Besonderheiten geprägt. So sorgen die technischen Möglichkeiten für eine außerordentlich schnelle Verbreitung. Ein beleidigendes Foto ist schnell über Verteilerlisten gestreut. Jeder der Empfänger kann – wieder per Mausklick oder Tastendruck – das Foto an seine Verteilerlisten weiterschicken. Einmal in der Welt, lassen sich solche Bilder nicht wieder aus dem Netz entfernen. Auch wenn Google, Facebook und andere Anbieter solche Bilder auf Antrag löschen – sie sind an so vielen Stellen im Netz zu finden, dass es schier unmöglich ist, sie wirklich sicher und endgültig zu entfernen. 

Um den Verursacher von beleidigenden Inhalten im Netz zu finden, bedarf es in der Regel der Hilfe der Polizei. Diese hat in einigen Bundesländern spezielle Ermittlungsgruppen für Hass im Netz eingerichtet, die bei entsprechenden Strafanzeigen tätig werden können. Aufgrund der großen Zahl von Delikten ist eine Nachverfolgung aber in der Praxis nicht immer möglich. Trotzdem sollte die Möglichkeit einer Strafanzeige überdacht werden. 

Natürlich wäre es am einfachsten, sich aus den sozialen Netzwerken zurückzuziehen und den eigenen Account zu löschen - dann hätte man seine Ruhe. Das ist aber für junge Menschen keine Alternative, da deren gesamte Kommunikation über diesen Weg stattfindet. Wer bei Instagram, TikTok und Co. nicht vorhanden ist, der existiert eigentlich gar nicht. Helfen kann allerdings eine zumindest vorübergehende Abstinenz, neudeutsch auch "Digital Detox" genannt. Das Sperren von Angreifern ist in der Regel möglich, aber oft nicht von Dauer, weil diese sich dann unter einem anderen anonymen Account wieder zu Wort melden. 

Eine einfache Lösung gibt es also leider nicht. Was zu tun ist, hängt immer von der Schwere der Angriffe und von der seelischen Konstitution des Betroffenen ab. Wer über ein gutes Selbstbewusstsein verfügt, kann eher eine solche Situation aushalten als ein sensibler Mensch. Wobei bei den jungen Azubis das Selbstbewusstsein oft noch nicht so ausgeprägt sein dürfte.

Wo finden Sie weitere Informationen und Hilfen?

Es gibt im Internet zahlreiche Informationen, speziell für junge Leute, aber auch für Lehrer und Eltern. Diese sind in aller Regel auch für Ausbilderinnen und Ausbilder geeignet und können – insbesondere zur vorsorglichen Thematisierung von Cybermobbing – von diesen genutzt werden. Hier einige empfohlene Seiten für Ihre Information:

Interessante Filme finden Sie unter anderem bei YouTube. Geben Sie dort den Suchbegriff „Cybermobbing“ oder – etwas spezieller – „Cybermobbing Azubis“ ein.

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