Die Bewerbung 4.0

Seit einigen Jahren hat sich die digitale, also die Online-Bewerbung, gegenüber der Bewerbung per Post durchgesetzt. Das heißt: In der Regel schickst du die Bewerbungsunterlagen per Mail an den Personaler, bzw. den Ansprechpartner im Unternehmen oder füllst ein Online-Formular aus. Und auch per WhatsApp wird sich sogar teilweise schon beworben.

Bewerbermanagementsysteme sind heutzutage sogar in der Lage, mittels Algorithmen geeignete Klienten herauszufiltern. Durch mobilfähige Clouds kannst du deine Bewerbung und deinen Lebenslauf sogar hinterlegen und mit einem Klick auf einen entsprechenden Button bei der Stellenanzeige des Unternehmens auch vom Smartphone aus abschicken. Sprich: Deine Bewerbung im Handumdrehen professionell in die Datenbank des Wunschunternehmens übertragen.

Auch soziale Netzwerke verändern das Bewerbungsverfahren in Richtung „Bewerbung 4.0“. Über Facebook wurden in der Vergangenheit oftmals erste Kontakte mit einem Unternehmen hergestellt, gerade in Deutschland wird aber immer häufiger von sinkender Relevanz Facebooks gesprochen. Die weltweiten sowie die europäischen Nutzerzahlen allerdings sprechen für sich: Facebook scheint weiterhin zu wachsen und damit auch die aktiven Nutzer. Doch Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn sind für Bewerber aus mehreren Gründen attraktiver und deshalb zu bevorzugen. Einerseits kannst du hier ein gezieltes Bewerberprofil hinterlegen, um deine Stärken und Qualifikationen zu präsentieren. Zum anderen wirst du hier schneller gefunden. Denn Personaler nutzen Business-Netzwerke immer häufiger („Active Recruiting“), um geeignete Auszubildende sowie Fach- und Führungskräfte für ihr Unternehmen gezielt zu suchen.

Damit, dass du dich für die Bewerbung 4.0 rüstest und digital auf der Höhe bist, ist es aber natürlich nicht getan. Du musst auch sonst davon überzeugen, dass du für den entsprechenden Ausbildungsplatz der passende Bewerber bist – daran hat sich nichts geändert. Aber welche Maßnahmen funktionieren heute?

Kreativität ist gefragt – aber bitte in Maßen!

Für Personaler kann es ganz schön anstrengend werden, wenn sie etliche monotone und ähnliche Bewerbungen durchgehen müssen. Mit einer klassischen Bewerbung machst du zwar nichts falsch, hervorstechen kannst du damit aber auch nicht. Stattdessen darfst du bei einer Bewerbung heute durchaus einfach mal ein bisschen kreativer werden. Natürlich aber auch nur in Maßen. Immer wieder hört man absurde Geschichten von Bewerbern, die mit ihrer Bewerbung Geschenke mitschicken, nach denen niemand gefragt hat. Oder die beim Bewerbungsgespräch mit einem Salto den Raum betreten. Von all solchen verrückten Ideen ist besser abzusehen.

Es geht vielmehr darum, etwas Individualität und „Farbe“ in die Bewerbung zu bekommen. Und Letzteres ist hier durchaus wörtlich zu verstehen. Bewerbungsunterlagen müssen nicht mehr so streng förmlich aussehen, wie das vielleicht einmal der Fall war. Stattdessen kannst du in vielen Branchen gestalterisch aktiv werden und von der klassischen Bewerbung abweichen, um Eigenständigkeit, Motivation und eben Kreativität zu beweisen:

  1. Bei Anschreiben und Lebenslauf – den herkömmlichen Mindest-Bestandteilen jeder Bewerbung – kann das klassische Design schon mit ganz wenigen Modifikationen aufgehübscht und modernisiert werden. Es reicht schon, eine dezente Farbe (z. B. die Farbe des Unternehmens) zu wählen, die neben Schwarz und Weiß zum Einsatz kommt und mit der bestimmte Elemente hervorgehoben werden. Um dein Bewerbungsfoto in Szene zu setzen eignet sich sehr gut ein Deckblatt. Wenn du schon etwas Berufserfahrung vorweisen kannst, kannst du die üblichen Unterlagen um ein Kurzprofil ergänzen. Mit diesem sieht der Personaler auf einen Blick, wer du bist und was dich auszeichnet.
  2. Lässt die Branche es zu und passt die Idee für eine Bewerbung zu dieser Branche (hier musst du ganz einfach realistisch sein), darfst du durchaus auch etwas mehr wagen. Bewirbst du dich auf einen Ausbildung in der Online-Spielebranche, kannst du deinen Lebenslauf wie die Charakterbeschreibung einer Spielfigur konzipieren. Bei Zeitungen bewirbst du dich vielleicht mit einer Bewerbung im grafischen Stil einer Tageszeitung. Lass deiner Fantasie freien Lauf und spiele mit verschiedenen Designs.
  3. Im Bewerbungsgespräch wiederum kannst du kreative Vorschläge machen, um ebenfalls den typischen Ablauf dieser Gespräche positiv zu unterbrechen und im Gedächtnis zu bleiben.
  4. Traue dich außerdem, auf spontane Ereignisse beim Vorstellungsgespräch einzugehen. Möchte der Personaler etwas drucken und der Drucker funktioniert nicht, solltest du nicht hilflos und schüchtern rumsitzen und warten, dass es weitergeht. Stehe stattdessen selbstbewusst auf und biete deine Hilfe an.

Mit eigenen Ideen und kleinen Projekten punkten

In der Regel bevorzugen Unternehmen Bewerber, die schon ein wenig Erfahrung mitbringen, z. B. durch Praktika, Nebenjobs oder Ehrenämter. Auch wenn du deine bisherigen Erfahrungen nicht in der Branche gesammelt hast, in der du dich bewirbst, kannst du mit bestimmten Ideen und Projekten punkten. Wenn du dich für eine bestimmte Sache stark machst und freiwillig in einer Organisation hilfst, zeigst du damit, dass du bestimmte Werte vertrittst und nicht einfach nur zu Hause abhängst und nichts tust, bis du eine Lehrstelle gefunden hast.

Am meisten punktest du natürlich mit einem kleinen Projekt, das du vielleicht schon während deiner Schulzeit startest. Das kann eine Website, ein Blog oder eine andere Geschäftsidee sein. Bestenfalls hat das Projekt natürlich in irgendeiner Weise mit dem Ausbildungsplatz zu tun, auf den du dich bewirbst. Besonders professionell wirkt es, wenn du dem Personaler eine Broschüre oder Visitenkarte dalässt, die dazu dient, sich über dein Projekt weiter zu informieren. Du kannst zum Beispiel eine Visitenkarte passend zu deinen Bewerbungsunterlagen kreativ gestalten und etwa mittels beliebter Papiersorten aufwerten. „Verkaufst“ du das Ganze mit einem Augenzwinkern, wirkt es noch sympathischer, weil du dich dann nicht zu ernst nimmst und dennoch zu dem stehst, was du tust.

Eine Homepage als Visitenkarte

Um beim Thema Visitenkarte zu bleiben – es spricht nichts dagegen, heutzutage über eine Website zu verfügen, die einfach nur der Vorstellung der eigenen Person dient. Sie stellt sozusagen eine individuelle Bewerbungshomepage dar und sollte somit enthalten:

  • Die Kontaktdaten
  • Einen Lebenslauf
  • Ein Foto (kein Selfie!)
  • Die Praktika, Nebenjobs und Ehrenämter
  • Den schulischen Werdegang
  • Einen Fließtext, ähnlich einem Motivationsschreiben, der die eigene Person, Interessen, berufliche Vorstellungen und Wünsche, Visionen und Fähigkeiten und Ähnliches beinhaltet und in dem die eigene Persönlichkeit herausgearbeitet wird.

Mittels dieser Homepage kannst du einfach und professionell Informationen über dich vermitteln und mitunter auch Fragen vorab beantworten, die dann im Bewerbungsgespräch nicht mehr gestellt werden. Denn du hast hier natürlich mehr Möglichkeiten, eigene Beiträge und längere Texte zu veröffentlichen, als dies bei der eigentlichen Bewerbung in Anschreiben und Lebenslauf eventuell der Fall ist.

Bewerbungsvideos: Im Gedächtnis bleiben

Teil der eigenen Homepage kann auch ein Vorstellungsvideo sein. Dieses kannst du am besten in Form eines auf eine entsprechende Stelle maßgeschneiderten Bewerbungsvideos aufnehmen. Solchen Bewerbungsvideos gegenüber sind, einer Umfrage zufolge, ganze 86 % der Unternehmen offen. 93 % der Befragten allerdings gaben an, keine solche Videos zu erhalten. Eine gute Chance also, sich als Bewerber von der Masse abzuheben.

In jedem Fall solltest du bei einem Video vor allem auf fünf Punkte achten:

  1. Authenzität: Sei authentisch, vor allem dann, wenn du von deinen Stärken und Schwächen sprichst. Einen sympathischen Mitarbeiter mit Macken hat man lieber, als einen geleckten, der nur scheinbar perfekt ist.
  2. Struktur: Du darfst ruhig ein wenig mehr reden, als vielleicht eigentlich nötig wäre. Ein Video gibt dir die Möglichkeit, in recht kurzer Zeit viele Informationen unterzubringen. Und offen und kommunikativ zu wirken, ist besser, als das Gegenteil zu vermitteln. Allerdings ist es wichtig, dass du einen roten Faden verfolgst und beim Thema bleibst. Berücksichtige immer die Branche, das Unternehmen und den Ausbildungsplatz, für den du entsprechende Qualifikationen mitbringen musst.
  3. Vorbereitung: Einfach die Webcam anzuschmeißen und drauf los zu filmen ist vielleicht nicht der beste Plan. Stattdessen sollte das Video doch ansatzweise ein Konzept aufweisen und durchdacht sein. Suche dir einen neutralen Hintergrund und zieh dir etwas Schlichtes oder eher Schickeres an. Und versuche insgesamt, dann doch nicht allzu lange zu filmen. Neunzig Sekunden sind ein guter Richtwert.
  4. Körpersprache: Wer lächelt, wirkt attraktiver und sympathischer. Dazu braucht es keine Studien. Verwechsle also Professionalität beim Videodreh nicht mit Kälte oder Strenge. Auch lächelnd lassen sich trockene Daten professionell, aber dennoch nicht zu distanziert, vermitteln. Trau dich auch zu gestikulieren: Wenn du mit den Händen und dem Körper sprichst, wirkst du noch einmal natürlicher.
  5. Rahmenbedingungen: Nutze letztlich auch die Möglichkeiten, die dir gegeben sind, um die Qualität deines Videos maximal zu steigern. Du hast ein großes Fenster im Zimmer? Dann lass so viel Licht, wie möglich rein und sorge für eine gute Ausleuchtung vor allem deines Gesichts. Steht ein großer Raum zur Verfügung, setze oder stelle dich in die Mitte – das lässt dich kompetenter wirken. Derlei kleine Tricks geben dem Video den letzten, mitunter entscheidenden Schliff!

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