Ein Studienabbruch mit anschließender Ausbildung ist ein sehr häufiger Schritt. Doch auch wenn du dein Studium erfolgreich abgeschlossen hast, muss es für dich nicht zwangsläufig direkt auf den Arbeitsmarkt gehen. Auch Praktika, ein duales Studium oder eine Ausbildung sind Wege, die du nach deinem Studium wählen kannst.
Im Folgenden erzählt uns Meike, wieso sie sich nach ihrem Studium für eine Ausbildung zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement entschieden hat und wie es ihr damit ergangen ist.

AUBI-plus: Hallo Meike, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Erzähl uns doch mal kurz, wie es für dich nach dem Abitur weiterging.  

Meike: Nach dem Abitur habe ich mich direkt an mehreren Universitäten um einen Studienplatz beworben. Hauptsächlich für die Fächer Kunstgeschichte, Geschichte und Literatur. Bei den meisten wurde ich auch angenommen. Entschieden habe ich mich schlussendlich für eine Universität in meiner Nähe, da ich gemerkt habe, dass ich nicht weit von zu Hause wegziehen wollte. Dort habe ich die Fächer Geschichte und Literatur belegt und 2017 den „Bachelor of Arts“ erhalten.

AUBI-plus: War dir denn bereits während der Schulzeit klar, dass du später einmal studieren wirst oder war damals schon eine Ausbildung eine Option für dich?

Meike: Nein, eine Ausbildung war während der Schulzeit noch keine Option für mich, da ich einfach nicht genau wusste, was ich später machen wollte. Das Studium habe ich einerseits aus Interesse an den Fächern begonnen und zum anderen, weil ich ein wenig Zeit überbrücken wollte, um herauszufinden, was ich wirklich machen möchte.

AUBI-plus: Wie und wann kam es zu der Entscheidung, noch eine Ausbildung zu absolvieren?

Meike: Zu Beginn des Studiums konnte ich mir durchaus vorstellen, in einem Beruf zu arbeiten, der etwas mit meinen belegten Fächern zu tun hat. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass z. B. der Beruf der Bibliothekarin, Archivarin oder Museumsmitarbeiterin doch nichts für mich ist., zumal Arbeitsplätze in dieser Hinsicht in meiner Heimat eher rar gesät sind. Gegen Ende meines Studiums habe ich meinen jetzigen Ehemann kennengelernt, der mich dann auch dabei unterstützt hat, mich ein wenig in den Ausbildungsberufen umzusehen. Noch ein Studium kam für mich nicht in Frage, da ich nun gerne auch ein wenig Geld verdienen wollte.

AUBI-plus: Trotzdem hast du dich entschieden, dein Studium nicht abzubrechen. Warum?

Meike: Wie schon erwähnt, habe ich erst während des Studiums gemerkt, dass ich später beruflich nichts auf dem Gebiet machen möchte. Leider war das jedoch erst im späteren Verlauf der Fall, sodass bereits ein wenig Zeit verstrichen war. Die Monate bzw. Jahre des Studiums wären mir ohne Abschluss einfach wie eine Verschwendung meiner Zeit vorgekommen. Ich wollte also das Studium unbedingt durchziehen, um „etwas in der Hand zu haben“. Und wer weiß, vielleicht habe ich später ja doch nochmal Lust, in der Richtung etwas zu machen.

AUBI-plus: Der nächste große Schritt waren dann sicherlich die Bewerbungen und die Vorstellungsgespräche. Wurde dein Studium in den Gesprächen thematisiert?

Meike: Ja, mein Studium kam jedes Mal zur Sprache. Ich hatte jedoch nicht das Gefühl, dass es von den Arbeitgebern negativ angesehen wurde. Besonders, dass ich darin auch den Bachelor gemacht habe, wurde von den meisten positiv zur Kenntnis genommen. Vermutlich wurde das auf ein gewisses „Durchhaltevermögen“ zurückgeführt, was ja auch in vielen Jobs nicht schaden kann.

AUBI-plus: Kommen wir zur Ausbildung selbst. Würdest du sagen, dass dir das Lernen im Betrieb und in der Berufsschule aufgrund deines Studiums einfacher fiel als den anderen Auszubildenden?

Meike: Meine Erfahrungen bezüglich des Lernens haben mir während der Ausbildungszeit auf jeden Fall sehr geholfen. Da ist man dazu gezwungen, selbstständig und kontinuierlich zu lernen, was vermutlich viele, die direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen, zumindest zunächst noch nicht können.

AUBI-plus: Konntest du denn sonst noch etwas aus deinem Studium während deiner Ausbildung anwenden? Wenn ja, was?

Meike: Inhaltlich hat mein Studium nichts mit dem Ausbildungsberuf der Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement zu tun. Ich habe dahingehend also bei 0 angefangen. Am meisten gebrauchen konnte ich meine Selbstständigkeit und Offenheit, die ich gezwungenermaßen während des Studiums erlernen musste.

AUBI-plus: Du hast dich für die Ausbildung zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement entschieden und arbeitest inzwischen auch schon eine Weile in dem Beruf. Was gefällt dir am besten?

Meike: Man lernt viele Abteilungen eines Unternehmens kennen und sieht, wie diese zusammenarbeiten und wo es Schnittstellen gibt. Wenn man zum Beispiel in eine neue Abteilung kommt, ist es interessant zu sehen, was die Kollegen für Aufgaben haben und wie zum Beispiel der nächste Schritt bei einer Bestellabwicklung aussieht, wenn man den Vorherigen schon kennt.

AUBI-plus: Und nach der Ausbildung muss auch nicht Schluss sein, oder?

Meike: Genau, das dachte ich mir auch. Seit letztem Jahr mache ich meinen Betriebswirt und bin bisher ganz zufrieden. Die Fächer sind interessant und haben auch etwas mit meinem Beruf zu tun. Einige aus meiner Klasse machen den Betriebswirt zeitgleich zu ihrer Ausbildung, was, so wie ich es bisher mitbekommen habe, jedoch sehr anstrengend ist. Durch den Abschluss als Betriebswirt/Betriebswirtin bieten sich  jedoch auch ganz neue Aufstiegschancen, worauf ich mich bereits sehr freue!

AUBI-plus: Viele Menschen würden leider trotzdem behaupten, eine Ausbildung nach einem Studium wäre ein Rückschritt. Wie siehst du das?  

Meike: In meinen Augen trifft das nicht zu. Sicherlich kann man mit bestimmten Studienabschlüssen sehr viel Geld verdienen, weshalb viele auch denken werden, dass eine Ausbildung nicht so „gut“ ist wie ein Studium. Wenn es einem nur darauf ankommt, stellt eine Ausbildung nach dem Studium vermutlich einen Rückschritt dar. Es gibt aber auch viele Berufe, für die man eine Ausbildung braucht und für die derzeit händeringend Auszubildende gesucht werden (besonders im handwerklichen Bereich). Gerade dort kann man derzeit auch viel Geld verdienen und dafür braucht man nicht unbedingt ein Studium. Für mich persönlich ist Geldverdienen zwar auch wichtig, steht jedoch nicht an erster Stelle. Zunächst sollte man glücklich sein, mit dem was man tut und auch gern zur Arbeit gehen. Wenn das der Fall ist, hat man meiner Meinung nach alles richtig und sogar einen Schritt „nach vorn“ gemacht.

AUBI-plus: Vielen Dank für das Interview!

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