Wie erkennt man mangelnde Motivation bei Azubis?

Beim Begriff Motivation unterscheidet man zwischen intrinsisch und extrinsisch. Die intrinsische Motivation bezeichnet ein Verhalten, das vom Inneren eines Menschen angetrieben wird (z. B. Spaß). Die extrinsische Motivation wird hingegen durch eine externe Kraft von außen animiert (z. B. Belohnungen).

Sie können eine fehlende intrinsische Motivation Ihrer Azubis an folgenden Faktoren erkennen:

Die Auszubildende bzw. der Auszubildende

  • bekundet, keine Lust auf bestimmte Aufgaben zu haben,
  • kommt häufig zu spät oder gar nicht in den Betrieb,
  • erledigt seine Aufgaben nachlässig und unzuverlässig,
  • führt sein Berichtsheft unvollständig oder gar nicht oder
  • ist unfreundlich gegenüber Kolleginnen und Kollegen.

Wichtig: Jeder hat mal einen schlechten Tag oder einen Durchhänger. Wenn die oben genannten Verhaltensweisen jedoch regelmäßig auftreten, besteht Handlungsbedarf. Werden die Anzeichen ignoriert, kann sogar ein Abbruch der Ausbildung drohen.

Was sind die Gründe für fehlende Motivation?

Mangelnde Motivation bei Auszubildenden kann viele Ursachen haben: Wenige Erfolgserlebnisse, Unzufriedenheit mit den Aufgaben bzw. Über- oder Unterforderung, schlechtes Betriebsklima, kein Feedback oder seltenes Lob, Gefühl der falschen Berufswahl oder Zukunftsangst bzw. fehlende Perspektiven.

Sie sollten jeden Fall individuell prüfen, indem Sie das Gespräch mit der betroffenen Person suchen: Was sind die Gründe des Motivationstiefs und wie können Sie als Ausbildungsbetrieb die Situation verbessern?

Achtung: Manchmal steckt hinter dem vermeintlichen „Durchhänger“ etwas ganz anderes, wie z. B. eine belastende Situation im privaten Bereich oder eine psychische Erkrankung. Auch dies gilt es im persönlichen Gespräch mit viel Fingerspitzengefühl herauszufinden.

Wie kann Motivation gefördert werden?

Aufgaben und Ziele definieren

Im Begriff „Motivation“ steckt das Wort „Motiv“. Um langfristig motiviert zu bleiben, braucht man also ein Motiv, eine Absicht. Schon ab Tag eins sollten Sie deshalb die Aufgaben der Auszubildenden mit ihnen durchsprechen und die nächsten Tage und Wochen zusammen planen. Die Aufgaben sind im besten Fall sowohl tagesaktuell erforderlich, aber auch längerfristig und nicht zeitkritisch sein. Außerdem müssen sie in der verfügbaren Zeit machbar sein und dem aktuellen Kenntnisstand der Nachwuchskraft entsprechen, damit keine Frustration entsteht. Trotzdem sollten sie selbstverständlich einen Lernfortschritt ermöglichen. Durch regelmäßige Gespräche finden Sie heraus, ob eine Über- oder Unterforderung besteht: Beides kann Stress und Demotivation auslösen. 

Wertschätzung zeigen

Gehen Sie auf die Bedürfnisse der Azubis so gut es geht ein und erkennen Sie ihre Leistungen an, damit sie sich wertgeschätzt und gut behandelt fühlen. Lob und Anerkennung für gute Arbeit steigert das Selbstwertgefühl, fördert die Leistungsbereitschaft und motiviert. Zeigen Sie Ihre Wertschätzung außerdem, indem sie die Azubis mit zu wichtigen Terminen nehmen und Ihren Kunden vorstellen. Ein wertschätzender Umgang und eine Begegnung auf Augenhöhe wird Ihre Auszubildenden langfristig motivieren!

Angemessenen bezahlen

Auch eine angemessene Ausbildungsvergütung ist eine Form der Wertschätzung. Wenn Azubis in der Berufsschule mit ihren Mitschülern sprechen und erfahren, dass in anderen Firmen ein deutlich höheres Gehalt gezahlt wird, kann das schnell eine Motivationsblockade auslösen.  

Entwicklungswege aufzeigen

Wertschätzung und eine gute Bezahlung sind zwar wichtig, aber insbesondere die Generation Z wünscht sich Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Sie wollen die Chance sehen, in Ihrem Unternehmen Karriere machen und sich weiterentwickeln zu können. Wenn Sie diese von Anfang an in Aussicht stellen und kommunizieren, bleiben Ihre Auszubildenden motiviert! Da falsche Versprechungen schnell zu Enttäuschungen führen können, sollten Sie natürlich nur das versprechen, was Sie auch wirklich halten können.

Regelmäßige Feedbacks geben

Ein häufiger Grund für mangelnde Motivation ist unzureichendes Feedback von den Ausbilderinnen und Ausbildern. Hin und wieder Lob und Anerkennung zu ernten, ist ein wahrer Motivations-Booster! Das stärkt nicht nur das Selbstwertgefühl der Auszubildenden, sondern wirkt sich auch auf die Motivation aus. Sparen Sie deshalb nicht mit Anerkennung: Hier verbirgt sich ein riesigen Motivationspotenzial! Aber Achtung: Übermäßiges Lob sollte vermieden werden, sonst verliert es an Glaubwürdigkeit. Selbstverständlich sollte es nur Anerkennung für Leistungen geben, die auch wirklich zufriedenstellend erbracht wurden.

Verantwortung übertragen

Binden Sie Auszubildende schnell ins Tagesgeschäft ein - am besten dort, wo sie auch Fehler machen können. Wer keine Fehler macht und sich nicht beweisen kann, wird sich nicht sichtbar entwickeln. Wenn sich die Azubis nicht unterschätzt fühlen, tritt ein stärkerer Bindungseffekt an das Unternehmen und ihre Aufgaben ein. Sie sollen spüren, dass ihre Mitarbeit und ihr Handeln etwas bewirkt. Kaum etwas motiviert mehr!

Mehr zum Thema erfahren: Verantwortungsübernahme von Anfang an fördern


Hilfstätigkeiten richtig kommunizieren

Es lässt sich kaum vermeiden: Zu den typischen Aufgaben von Auszubildenden gehört auch sowas wie Ablage sortieren, Schränke aufräumen oder Akten vernichten. Für die Selbstwahrnehmung der jungen Menschen macht es einen riesigen Unterschied, ob die Aufgaben wahllos von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erteilt werden, oder sie von Anfang an als wichtiger Bestandteil der Ausbildung kommuniziert wurden. Auch die Art und Weise, wie solche Anweisungen erteilt und kommuniziert werden, ist für die Motivation der Auszubildenden wichtig. Anstatt zu sagen „Räum bitte die Ablage auf“ ist ein Satz wie „Eine gute Organisation und klare Ablagestruktur sind unsere Daueraufgabe. Nimm dir bitte zwischendurch Zeit, uns dabei zu unterstützen.“ besser, um das Ausbildungsziel nicht aus den Augen zu verlieren. Idealerweise sollte jeder im Unternehmen ein Vorbild sein und solche Aufgaben ebenfalls hin und wieder übernehmen.

Sicherheit geben

Junge Menschen sollten keine Angst haben müssen, dass der befristete Ausbildungsvertrag vorzeitig gekündigt wird oder eine Übernahme nach der Ausbildung ausgeschlossen ist. Angst ist immer lähmend – auch für die Motivation. Geben Sie Ihren Auszubildenden Sicherheit in Form der bereits erwähnten Feedbackgespräche!

Interne Kommunikation nutzen

Sprechen Sie intern viel über Ihre Ausbildung und Ihre Azubis – wenn Sie über besondere Erfolge oder gelungene Azubi-Projekte berichten, stärkt das die Motivation. Eine Zertifizierung als BEST PLACE TO LEARN ist ebenfalls ein echter Motivations-Booster: Wer stolz auf seinen Arbeitgeber und auf seine Ausbildung ist, der ist automatisch motiviert!

Anreize verschaffen

Auch wenn intrinsische Motivation häufig stärker und langanhaltender ist, gibt es ein paar Möglichkeiten, die Motivation von außen zu erwecken. Sie könnten zum Beispiel Belohnungen für gute Leistungen in der Berufsschule anbieten (Tankgutschein etc.) oder die Auszubildenden als Botschafter auf Jobmessen oder anderen Veranstaltungen einsetzen. Auch ein Auftritt im Firmenvideo oder als Interviewpartner in einem Podcast ist eine große Wertschätzung, mit der Sie Ihre Azubis belohnen können! 

Fazit

Junge Menschen brauchen eine Rückmeldung zu ihrer Leistung. Regelmäßige Gespräche mit den Auszubildenden sind ein wahrer Erfolgsfaktor bezüglich der Eigenmotivation. Vor allem eine Über- oder Unterforderung lässt sich mithilfe der Feedbackgespräche aufdecken. Nachdem Sie ein erstes Gespräch geführt haben, ist es sinnvoll, bis zum nächsten Termin einen konkreten Aufgabenplan für beide Seiten zu erstellen. Im zweiten Gespräch haben sich dann im besten Fall bereits erste Verbesserungen gezeigt!

Wichtig: Achten Sie bewusst auf die Stimmung der Azubis, um zu erkennen, wenn die Leistung aufgrund mangelnder Motivation nachlässt, damit Sie schneller handeln können.  

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