Wie auch die Führungskräfte, deren Teams ganz oder teilweise im Homeoffice arbeiten, müssen auch Ausbilderinnen und Ausbilder ihre Arbeit umstellen, wenn sie ihre Azubis zu Hause betreuen. Die Ausbildung vollständig außerhalb des Betriebes durchzuführen, ist allerdings sicherlich keine Alternative. Da sich aber mehr und mehr die flexible Arbeit, also einige Tage in der Woche zu Hause, den Rest im Betrieb, durchsetzt, sollte das auch für die Auszubildenden gelten, soweit dies organisatorisch sinnvoll ist und die Azubis das auch möchten. Hier kann nur – abgesehen natürlich von eventuellen behördlichen Anordnungen bei einem Wiederaufflammen der Pandemie – das Freiwilligkeitsprinzip gelten. 

Da Homeoffice und mobiles Arbeiten zumindest in Teilen die Zukunft darstellen, ist es nicht schlecht, die Azubis schon früh mit dieser Form der Arbeit vertraut zu machen. Natürlich ohne dass darunter die Qualität der Ausbildung leidet. Deshalb sollten Sie einige Voraussetzungen bei der Umsetzung beachten: 

Persönliche und häusliche Voraussetzungen

Nicht jeder Azubi (und auch nicht jeder Mitarbeiter) ist von seiner Persönlichkeit her geeignet, längere Zeit im Homeoffice zu arbeiten. Viele Auszubildende müssen erst an ein selbstständiges Arbeiten herangeführt werden, das geschieht besser vor Ort im Betrieb. Im ersten Ausbildungsjahr sollte das Homeoffice ohnehin nur die Ausnahme sein. Schon, um richtig im Betrieb „anzukommen“, die notwendigen Kontakte zu knüpfen und letztlich auch für die Ausbilderinnen und Ausbilder. So haben diese bessere Möglichkeiten, ihre Schützlinge kennenzulernen und deren Fähigkeiten einzuschätzen. 

Noch eines ist wichtig: Am heimischen Arbeitsplatz muss die Möglichkeit zum ruhigen Arbeiten gegeben sein. Wenn der Azubi aus einer größeren Familie mit verhältnismäßig kleiner Wohnung kommt, wenn kleinere Geschwister stören oder andere Faktoren ein konzentriertes Arbeiten verhindern, verbietet sich die Verlagerung der Ausbildung in den privaten Bereich. 

Technische Voraussetzungen

Neben dem möglichst ruhigen Arbeitsplatz muss auch die technische Ausstattung stimmen. Notwendige Geräte muss der Arbeitgeber als Ausbildungsmittel zur Verfügung stellen, also PC oder Notebook, Bildschirm, Drucker usw. Die beste technische Ausstattung nützt aber nichts, wenn keine ausreichende Internetleitung zur Verfügung steht. Hier sollten Sie nach der Ursache fragen: Liegt es daran, dass die Eltern diese nicht bezahlen können oder wollen, kann dem schnell abgeholfen werden. Oder steht einfach keine schnelle Verbindung zur Verfügung, was gerade im ländlichen Bereich ja leider immer noch vorkommt? Alternativen wie Sattelitenübertragung kommen in der Regel aus Kostengründen nicht infrage. Mitunter besteht aber die Möglichkeit, auf eine schnelle Handyverbindung auszuweichen. Alternativ gibt es vielleicht in der Nähe der Wohnung einen sog. Coworking Space, in dem zumindest zeitweise ein Arbeitsplatz angemietet werden könnte. 

Neben der vorhandenen Technik ist natürlich eine weitere Voraussetzung, dass die bzw. der Auszubildende damit auch angemessen umgehen kann. Selbstverständlich muss bei Fragen und Problemen ein Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Das muss nicht zwingend die Ausbilderin bzw. der Ausbilder sein. Wenn die Firma über einen technischen Support verfügt, reicht das natürlich auch aus. Dieser muss aber gut erreichbar und zuverlässig sein. 

Zudem sollten mit den Auszubildenden Absprachen getroffen werden, was sie tun sollen, wenn es mit der Technik (trotz Unterstützung) vielleicht einmal nicht funktioniert. Welche alternativen Aufgaben können sie dann bearbeiten (ohne PC)? Oder ist dann die Fahrt in die Firma erforderlich? 

Kommunikation und regelmäßiger Kontakt

Eines darf auf keinen Fall passieren: Dass sich die bzw. der Auszubildende allein gelassen fühlt. Die ständige Erreichbarkeit und Ansprechbarkeit des Ausbilders (oder eines anderen festen Ansprechpartners) ist zwingende Voraussetzung. Viele Führungskräfte haben in der durch die Pandemie verordneten Homeoffice-Phase festgestellt, dass Führung auf die Entfernung anders funktioniert (funktionieren muss!) als im Büro. An erster Stelle gehört Vertrauen in die Mitarbeiter bzw. Auszubildenden dazu. 

Azubis müssen aber auf jeden Fall enger geführt und begleitet werden, als das bei erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erforderlich ist. So hat sich ein „Morning-Call“ bewährt, bei dem sich Azubi und Ausbilder per Videokonferenz treffen und den Tag besprechen. So kann der Ausbilder zudem sicher sein, dass sein Azubi nicht verschlafen hat und den Tag „ordentlich“ beginnt. Dann werden nach etwas Smalltalk die Aufgaben des Tages besprochen. Gleiches – wenn immer möglich – am Ende des Arbeitstages. Hier stellt der Auszubildende seine Arbeitsergebnisse vor, erhält ein sofortiges Feedback und je nach Bedarf Unterstützung für die weitere Bearbeitung der Aufgabe. 

Neben dem eher fachlich geprägten Kontakt darf auch der menschliche Aspekt nicht vergessen werden. Nehmen Sie sich Zeit, sprechen Sie auch über private Dinge, über die Hobbys, die Wochenendplanung usw. Genau so, wie Sie das auch bei einem persönlichen Miteinander tun würden. 

Soziale Aspekte

Der Mensch ist ein soziales „Herdentier“. Er braucht Kontakte und das Gespräch mit anderen. Das muss auch bei der Arbeit im Homeoffice beachtet werden. Nun wird die Ausbildung normalerweise nicht vollständig außerhalb durchgeführt werden, aber auch dann sind die sozialen Kontakte mit anderen Auszubildenden und Mitarbeitern wichtig. Geben Sie ihnen die Möglichkeit, ihre Arbeit und ihre Ergebnisse vorzustellen und mit anderen zu diskutieren. Solche Präsentationen schulen und machen fit für künftige Aufgaben. 

Planen Sie zudem ausreichend Zeit für soziale Kontakte ein. Regelmäßige Videokonferenzen mit allen Azubis sollten Standard sein. Und dazu gehört auch eine Zeit für den privaten Austausch (am Beginn oder am Ende). Sie können in diesem Rahmen auch kleine Wettbewerbe wie z. B. ein fachbezogenes Quiz einbauen oder mal einen kurzen Film zeigen. Lassen Sie Ihrer Fantasie freien Lauf – Ihre Azubis werden es Ihnen danken. 

Aufgabengestaltung

Wer allein arbeiten soll oder muss, benötigt in jedem Fall eine klare Aufgabenstellung. Bei Auszubildenden ist das noch wichtiger als bei erfahrenen Kräften. Deshalb sollten Sie sich die Aufgabenstellung genau überlegen und möglichst konkret formulieren, natürlich ohne den Spielraum für die Lösung der Aufgabe zu sehr einzuschränken. Denn: Entscheidend ist, was hinten dabei herauskommt! Die Wege dahin sind gerade der Lerneffekt. Geben Sie Raum, die Aufgabe zu verstehen und bei Bedarf Nachfragen zu stellen. Und bieten Sie in jedem Fall an, auch zwischendurch Kontakt mit Ihnen aufzunehmen und Hilfe anzufordern. Sonst kann ein Ausbildungstag schnell ein verlorener Tag sein. 

Feedback

Feedback ist immer wichtig – nicht nur für Azubis, da aber ganz besonders. Und noch viel wichtiger, wenn die bzw. der Auszubildende allein zu Hause arbeitet. Nur durch ein regelmäßiges, im Idealfall tägliches, direktes Feedback kann sie bzw. er feststellen, ob der eingeschlagene Weg richtig war. Feedback muss immer wertschätzend sein. Gerade junge Menschen neigen sonst schnell dazu, ihr Selbstvertrauen zu verlieren. Kritik muss sein, aber bitte immer positiv formuliert mit dem Blick nach vorne gerichtet.


Lesen Sie auch: Praktika digital gestalten: Ideen und Tools

Für Schülerinnen und Schüler waren die letzten beiden Corona-Jahre mit vielen Einschränkungen verbunden – auch bei der Berufsorientierung. Viele Unternehmen haben Praktika ganz ausgesetzt, manche Schulen verzichteten auf das sonst obligatorische Schülerpraktikum. Das muss aber nicht sein. Mit den richtigen technischen Voraussetzungen ist eine Menge möglich, Praktika in digitaler Form durchzuführen. Der Artikel gibt Anregungen. Einige dieser Anregungen lassen sich gut für die Ausbildung im Homeoffice nutzen. 


Folgendes könnte Sie auch interessieren


BIBB veröffentlicht Jahresbericht 2021

BIBB veröffentlicht Jahresbericht 2021

Pressemitteilung des BIBB vom 11.08.2022. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat seinen Jahresbericht 2021 veröffentlicht. Er informiert über die wichtigsten Entwicklungen in der beruflichen Aus- und Weiterbildung sowie über die Höhepunkte der Arbeit des BIBB im vergangenen Jahr. Bei der Veröffentlichung griff BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser u. a. das Thema Ausbildung vs. Studium auf. "Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung kommt immer noch zu kurz", so sein Statement.

Vier junge Menschen starten bei AUBI-plus in den Beruf

Vier junge Menschen starten bei AUBI-plus in den Beruf

Hüllhorst, 5. August 2022. Ausbildungsbeginn für vier Nachwuchskräfte bei AUBI-plus: Ben Schnepel und Tim Luca Ahrens werden als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung ausgebildet, Sören Niemann und Mike Siemonsmeier als Kaufmann für Büromanagement mit den Schwerpunkten Kundenberatung und Marketing. Das Familienunternehmen aus Hüllhorst versteht Ausbildung als Existenzsicherung.

Ausbildungsstart am 1. August mit neuen und geänderten Berufsbildern

Ausbildungsstart am 1. August mit neuen und geänderten Berufsbildern

Pressemitteilung des BIBB vom 28.07.2022. Am 1. August startet das neue Ausbildungsjahr 2022/2023. 14 neue beziehungsweise modernisierte duale Ausbildungsberufe gehen an den Start. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bleibt weiter angespannt. Noch immer sind zahlreiche Ausbildungsplätze unbesetzt. Dabei werden - ganz besonders im Handwerk - Fachkräfte händeringend gesucht.