Wie werde ich Orthopädieschuhmacher?

Du möchtest eine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher machen und bringst diese Fähigkeiten mit:

  • handwerkliches Geschick?
  • technisches Verständnis?
  • Beobachtungsgenauigkeit?
  • eine sorgfältige Arbeitsweise?
  • Empathiefähigkeit?
  • freundliche und höfliche Umgangsformen?
  • Spaß am Beraten und Verkaufen?

Dann solltest du nicht lange zögern und dich bewerben! Wenn du wissen möchtest, welche Berufe noch zu dir passen, mach doch mal den Test.

Schulische Voraussetzung
Viele Betriebe stellen Azubis mit mittlerem Schulabschluss ein. Du kannst dich aber auch mit anderen Schulabschlüssen bewerben. 

Bildungsweg

Duale Ausbildung

Empfohlener Schulabschluss

Realschulabschluss / Mittlere Reife

Ausbildungsdauer

3,5 Jahr(e)

Azubi-Gehalt

Ø 670 EUR

Was macht ein Orthopädieschuhmacher?

Mit dem linken Fuß zuerst aufstehen, jemandem die Schuld in die Schuhe schieben, fit wie ein Turnschuh sein, zäh wie Schuhsohle und „Umgekehrt wird ein Schuh draus!“ – es gibt massenhaft Redewendungen mit Schuhen. Das Schuhmacherhandwerk gehört zu den alten, traditionellen Handwerksberufen – das Orthopädieschuhmacherhandwerk hingegen kombiniert alte Handwerkskunst mit innovativen Ideen und Techniken! 

Stützung und Entlastung kranker und fehlgebildeter Füße

Das Wort Orthopädie entstammt einem altgriechischen Wort, das „aufrecht“, „gerade“ oder „richtig“ bedeutet. Mit orthopädischen Hilfsmitteln wie Einlagen, Korrekturschienen, Orthesen, Prothesen oder maßgefertigten Schuhen bringst du kranke und fehlgebildete Füße wieder in Form oder entlastest sie, sodass die Patienten keine Schmerzen mehr empfinden und sich fit wie ein Turnschuh fühlen. Zu dir kommen Menschen aller Altersstufen – von Kindern bis Senioren. Viele Sportler sind darunter, deren Füße durch Fehlhaltungen oder Überbelastung in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nachdem sich die Patienten zunächst bei einem Facharzt für Orthopädie vorgestellt haben, der ihnen gesagt hat, wo der Schuh drückt, kommen sie zu dir, zum Beispiel in ein orthopädisches Fachgeschäft, und werden deine Kunden. Sie teilen dir die Diagnose des Arztes mit, doch auch du hast Ahnung von Anatomie und Physiologie und machst dir selbst auch nochmal ein Bild. Schließlich vermisst du Füße und Beine mittels digitaler Messverfahren oder, indem du eine sogenannte Trittspur auf Trittschaum oder mit Gips anfertigst. Bei Beobachtung des Ganges deiner Kunden erkennst du genau, inwiefern Funktionen eingeschränkt sind und welche Fußfehlform vorliegt. Deine Freundlichkeit und Sensibilität spielt im Umgang mit den Kunden, die häufig unter Schmerzen und einem verminderten Selbstwertgefühl leiden, eine sehr große Rolle.

Altes Handwerk mit neuen Techniken

Wenn du die Fußmaße erfasst und eine Profilzeichnung angefertigt hast, geht es weiter in die Werkstatt. Während du für den einen Kunden ein Innenschuhwerk baust, über dem ein normaler Schuh getragen werden kann, benötigt ein anderer eine Einlage, für einen weiteren Kunden musst du vorgefertigte orthopädische Teile nur noch individuell anpassen und für einen anderen stellst du den ganzen Schuh her. Das erfordert sicherlich die meiste Arbeit, aber dafür ist der Schuh dann maßgefertigt und individuell und du kannst sagen, dass du für jeden Arbeitsschritt verantwortlich bist. Zunächst erstellst du aus der Trittspur eine sogenannte Leiste, das ist eine Abbildung des Fußes, die dann zum Schuh weiterverarbeitet werden soll. Über die Leiste ziehst du das Leder. Anschließend wird die Sohle, ein Absatz und eine Einlage mit feinen Nägeln daran befestigt. Den Sohlenrand schleifst du an einer Maschine zurecht, mit der Schuhmachernähmaschine vernähst du die Schaftteile und mit der Handpresse presst du den Boden an. An dem automatischen Schuhspanner weitest du den Schuh, sodass der Fuß genügend Platz darin hat. Es kann auch vorkommen, dass du aus Silikon und Weichschäumen Fußprothesen, zum Beispiel Zehen,- Vorfuß- oder Rückfußprothesen herstellst. Prothesen ersetzen fehlende Körperteile, während Orthesen kranke oder fehlgestellte Körperteile unterstützen. Schon bevor du den Schuh fertiggestellt hast, überprüfst du die Passform an einem Probeschuh, um sicherzugehen, dass das Endprodukt auch wirklich passen wird. Anschließend berätst du deinen Kunden zur Handhabung seines neuen Hilfsmittels und gibst Tipps für den alltäglichen Umgang. 

Inhalte der Ausbildung

Die Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher gliedert sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Beide sind wichtig, um dich auf das Orthopädieschuhmacherhandwerk vorzubereiten.

Schulische Ausbildungsinhalte

In der Schule wirst du zu den verschiedenen Handlungsfeldern des Orthopädieschuhmachers ausgebildet. Das sind: Reparieren, Umarbeiten, Beraten und Verkaufen sowie medizinische Fußpflege.  Ein wichtiger Bereich, ohne den du die Funktionen der orthopädischen Hilfsmittel nicht verstehen könntest, ist die Anatomie und Physiologie von Fuß und Bein. Du wirst außerdem die biomechanischen Vorgänge des Fußes, wie Schrittabwicklung, Lotaufbau und die Neutral-Null-Methode kennenlernen. In der Pathologie, das ist die Lehre von krankhaften Zuständen und Vorgängen im Körper, lernst du verschiedene Fehlstellungen kennen. Dass pes equinus, pes quinovarous, pes planus, pes calcaneous und pes escavatus keine Zaubersprüche, sondern die lateinischen Bezeichnungen verschiedener Fußfehlformen sind, lernst du im zweiten Ausbildungsjahr. Aber nicht nur auf die medizinische, auch auf die handwerkliche Seite deines Berufs wirst du in der Berufsschule vorbereitet. Du wirst dich mit den unterschiedlichen Werkstoffen wie Leder und Kunststoff, mit den Bearbeitungsverfahren Schneiden, Schleifen, Schärfen, Glasen und Zwicken auseinandersetzen. Du lernst verschiedene Schuhtypen und die Schuheinzelteile kennen, sodass du im Betrieb schon weißt, was du da vor dir hast. Weitere Ausbildungsinhalte sind: Hygiene, Marketing, kosmetische und medizinische Fußpflege sowie Kundenkommunikation.

Betriebliche Ausbildungsinhalte

Wo lässt sich die Kundenberatung am besten üben, wenn nicht in deinem Ausbildungsbetrieb? Dort wirst du so schnell es geht in das alltägliche Geschehen eingebunden – natürlich zunächst unter Anleitung. Vielleicht darfst du schon bald einem Kunden die Funktion und den Gebrauch seiner neuen Einlage erklären und eine Anprobe des Probeschuhs durchführen. Wie du Füße und Beine ausmisst, lernst du bereits am Anfang deiner Ausbildung und darfst diese Aufgabe eigenständig übernehmen. Auch in der Werkstatt übernimmst du nach und nach mehr Arbeitsschritte. Du lernst dort, wie neben handgeführten Werkzeugen moderne Fertigungstechniken zum Einsatz kommen. Du erfährst, wie du aus Textilien, Kunststoffen, Leder und Kork das jeweils richtige Material auswählst und dabei auch Allergien deiner Kunden beachtest. Auf der Verkaufsfläche lernst du den Verkauf und die Präsentation von Waren wie Kompressionsstrümpfen, Therapieschuhen, Bandagen und Salben. Du wirst ein besonderes Auge dafür entwickeln, welche Bedürfnisse unterschiedliche Zielgruppen wie Kinder, Sportler und Senioren haben und wie du am besten auf sie zugehst. 

Ablauf der Ausbildung

Die duale Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher wird im Handwerk absolviert. Die Besonderheit dieses Berufs ist, dass er handwerkliche Tätigkeiten mit medizinischen Kenntnissen und Kundenorientierung kombiniert.

Ein verwandter Ausbildungsberuf ist der Orthopädietechnik-Mechaniker.

Italien (Südtirol)

In Italien dauert die Ausbildung vier Jahre, statt dreieinhalb, wie in Deutschland.

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