Hintergrund

Im Studienjahr 2020/2021 haben 488.585 Personen in Deutschland ein Studium begonnen. Bei einer derzeitigen Abbruchquote von 27 Prozent sind es also gute 130.000 junge Menschen, die sich auf den Weg zu einem Neustart machen. Was diese Aussteigerinnen und Aussteiger so interessant für Azubi-Recruiter macht? Sie sind älter und verfügen über mehr Lebenserfahrung als andere junge Menschen, die frisch von der Schule kommen. Im Studium lernten sie, eigenständig zu sein und sich selbst zu organisieren, weshalb sie als reifer gelten. Weiterhin haben sie mit der Fachhochschulreife oder dem Abitur im Vergleich zu anderen Schulabgängern einen hohen Schulabschluss; dazu kommen noch die Vorkenntnisse aus dem Studium. Auch mussten sie bereits mit einem Bruch im Leben fertig werden und sich damit auseinandersetzen, was sie eigentlich wollen. Motiviert und in Aufbruchstimmung suchen sie nun eine neue Chance, bei der sie sich beweisen können. 


Veranstaltungstipp: Studienabbrecher als Azubis gewinnen

Recruiter, die mehr darüber erfahren möchten, wie sie die interessante Zielgruppe der Studienabbrecher erreichen und als Azubis für ihr Unternehmen gewinnen, sind herzlich zu dem Webinar „Studienabbrecher als Azubis gewinnen“ am 6. Mai 2021 eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Info und Anmeldung unter aubi-plus.de/veranstaltungen/webinar-studienabbrecher/


Studienabbrecher anziehen: Ausbildungsangebote attraktiv formulieren

Zunächst sollten Sie sich als Recruiter vor Augen führen, aus welchen Gründen junge Menschen ihr Studium überhaupt abbrechen: Überforderung, nicht bestandene Prüfungen, fehlende Motivation, Wunsch nach praktischer Arbeit, finanzielle Probleme bei der Studienfinanzierung u.v.m. An diese Motive können Sie anknüpfen und in Ihren Stellenanzeigen für freie Ausbildungsplätze die Vorteile einer betrieblichen Berufsausbildung herausarbeiten:

  • Praktische Arbeit: Welche Tätigkeiten und Aufgaben übernimmt man? Wie ist die Ausbildung organisiert?
  • Ausbildungsvergütung und weitere Leistungen: Welches Azubi-Gehalt zahlen Sie? Was bieten Sie sonst noch, z. B. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, vermögenswirksame Leistungen?
  • Vorteile für Azubis: Welche (nicht-monetären) Benefits gibt es, z. B. Begleitung durch Mentoren oder Paten, Prüfungsvorbereitung, Azubi-Projekte?
  • Verkürzung: Welche Möglichkeiten gibt es, die Ausbildung zu verkürzen, z. B. aufgrund von Vorkenntnissen und/oder einem hohen Schulabschluss?
  • Perspektiven: Wie stehen die Chancen auf Übernahme? Welche Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bieten Sie?

Lesetipp zum Thema: Die perfekte Stellenausschreibung in 11 Schritten. Kostenfreier Download unter aubi-plus.de/perfekte-stellenausschreibung/

Touchpoints im Ausbildungsmarketing: „Studienabbrecher willkommen!“

Für Ihr Ausbildungsmarketing sollten Sie verschiedene Online- und Offline-Kanäle nutzen, wie Unternehmenswebseite, Karrierewebseite, Online-Jobbörsen wie das Ausbildungsportal von AUBI-plus, soziale Netzwerke, Business-Plattformen, Werbung in studentischen Medien und im öffentlichen Raum sowie Aktionstage und Veranstaltungen, sobald diese pandemiebedingt wieder möglich sind. Kommunizieren Sie, dass Studienabbrecher bei Ihnen willkommen sind. Wertvolle Botschafter sind dabei Ihre eigenen Azubis bzw. frisch ausgelernten Fachkräfte. Vielleicht gibt es in Ihren Reihen ja sogar einen ehemaligen Studienabbrecher, der seine persönliche Erfolgsgeschichte erzählt? Eine gute Bühne für solche Erfolgsgeschichten sind die sozialen Medien.

Zu diesen vorgestellten eher externen Marketingmaßnahmen kommt noch das Word-of-Mouth-Marketing durch Ihre eigenen Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner. Bei dem anhaltenden Trend der Akademisierung kennt fast jeder einen jungen Menschen, der an seiner getroffenen Studienentscheidung zweifelt. Wenn Ihr Betrieb bekannt dafür ist, dass Studienabbrecher bei Ihnen willkommen sind, spricht sich das herum.

Machen Sie Beruf und Betrieb erlebbar: Online mit Hilfe von Bildern, Videos, Interviews, Erfahrungsberichten und Podcasts, im echten Leben mit Schnuppertagen, Praktika und/oder Probearbeiten. Dies gibt dem Studienabbrecher die Sicherheit, mit seiner Entscheidung für eine Ausbildung in Ihrem Unternehmen die richtige Wahl zu treffen.

Anlaufstellen, die dabei helfen können, mit Studienabbrechern in Kontakt zu kommen, sind die Studienberatung, der AStA und die Sozialbetreuung an Hochschulen sowie die zuständige Kammer, die Agentur für Arbeit und das BMBF.


Flexibilität: Es muss nicht der 1. August oder September sein

Wann genau jemand sein Studium abbricht, lässt sich nicht vorhersagen. Um Studienabbrecher für sich zu gewinnen, sollten Sie daher schauen, welche Alternativen Sie zum „offiziellen“ Ausbildungsstart bieten können, z. B. in Form einer Übergangsbeschäftigung, oder ob Sie, nach Rücksprache mit der Berufsschule, einen Einstieg im laufenden Ausbildungsjahr ermöglichen können.

Ausbildungsbetriebe, die die passenden Angebote für Studienabbrecher machen und sie in ihrer Bewerberkommunikation gezielt ansprechen, erhöhen ihre Chance, mehr Bewerbungen von motivierten und gut qualifizierten Aussteigern zu erhalten und mit Abschluss der Ausbildung loyale Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen.

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