Viele Arbeitgeber sind zunächst skeptisch und haben Angst, den Anforderungen eines Auszubildenden mit Handicap nicht gewachsen zu sein. Doch diese Unsicherheiten entstehen meist aufgrund des fehlenden Kontakts zu der Zielgruppe. Ausbildungsbetriebe haben verschiedene Möglichkeiten, einem jungen Menschen mit einer Behinderung die Chance auf eine berufliche Zukunft zu geben. Dabei profitieren sie durch Zuschüsse und weitere Vorteile sogar selbst davon.

Vorteile für Arbeitgeber

Gerade in der heutigen Zeit, in der es zunehmend schwieriger wird, freie Ausbildungsplätze zu besetzen, sollten Ausbilder die Augen vor dieser unterschätzten Zielgruppe nicht verschließen! Sich einer neuen Bewerbergruppe zu öffnen, bietet Ausbildungsbetrieben die Möglichkeit, passende Kandidaten für ihre freien Lehrstellen zu finden. Dabei sollten Personalverantwortliche gar nicht zu sehr auf die Schwächen achten, denn diese können betroffene Personen oft durch andere Fähigkeiten wettmachen. Viele Meschen mit Behinderung haben besondere Stärken: So können sich Blinde oder Gehörlose zum Beispiel sehr gut konzentrieren – oftmals sogar besser als gesunde Arbeitnehmer. Auszubildende mit einer Behinderung sind motiviert und leistungsbereit, da sie dankbar sind, eine Chance bekommen zu haben - und entwickeln sich somit zu loyalen Mitarbeiten für das Unternehmen.

Kein Grund zur Unsicherheit

Es muss nicht sofort ein Ausbildungsvertrag sein: Mit einer vorgelagerten Einstiegsqualifizierung geben Betriebe benachteiligten Auszubildenden die Chance, von sich zu überzeugen. Schnell werden alle Beteiligten merken, dass Menschen mit Behinderung ein großes Fachkräftepotential mitbringen und nur darauf warten, sich zu beweisen. Ob der angestrebte Beruf auch mit Handicap ausgeübt werden kann und um letzte Zweifel auszuräumen, ist die Berufsvorbereitung im Betrieb nicht nur für Arbeitgeber, sondern auch für die Bewerber ideal geeignet.

Bei Fragen steht allen Beteiligten das zuständige Integrationsamt sowie die kommunalen Integrationsdienste zur Verfügung. Dort gibt es auch Informationen zu Maßnahmen, barrierefreien Arbeitsplätzen sowie Hilfe beim Beantragen von Zuschüssen. Weitere Anlaufstellen sind die Agentur für Arbeit sowie die Bildungswerke.

Hilfsangebote

Es gibt viele verschiedene Arten von Behinderungen, die alle eine unterschiedliche Förderung benötigen. Wenn Unternehmen ihr Ausbildungsprogramm wie sonst durchführen wollen und nur vereinzelt Hilfestellungen für ihre Lehrlinge wünschen, sind die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) eine gute Möglichkeit: Die Auszubildenden erhalten (je nach Bedarf) eine Unterstützung von drei bis acht Stunden pro Woche, bei der sie beispielsweise Nachhilfe oder Sprachförderung bekommen.

Bilden Betriebe zum ersten Mal einen gehandicapten Jugendlichen aus, bietet sich die Zusammenarbeit mit einem externen Partner an. Bei der sog. Assistierten Ausbildung (AsA) erhalten Personaler Hilfe während der gesamten Ausbildung, zum Beispiel in den Bereichen Verwaltung, Organisation oder Durchführung der Ausbildung. Die Auszubildenden werden fachlich sowie pädagogisch betreut. Die Zeit, die diese Betreuung in Anspruch nimmt, ist ganz individuell - je nachdem, wie viel Unterstützung der Auszubildende benötigt.

Beide Hilfsangebote sind für ausbildende Unternehmen kostenlos und können jederzeit beantragt werden. Dabei haben Ausbilder die gleichen Rechte und Pflichten wie bei einer herkömmlichen Ausbildung.

Doch nicht mit jeder Art von Behinderung können Jugendliche eine Ausbildung absolvieren. Weitere Möglichkeiten, wie Unternehmen den jungen Menschen trotzdem helfen können, sind beispielweise eine Fachpraktikerausbildung, bei der die Inhalte angepasst werden, oder eine Qualifizierung zu bestimmten Tätigkeiten.

Finanzielle Unterstützung

In der Regel werden 60 % der Ausbildungsvergütung (teilweise sogar bis zu 100 %) von der Agentur für Arbeit übernommen. Auch für Prüfungsgebühren oder andere Kosten bekommen Ausbildungsbetriebe Zuschüsse von der Agentur für Arbeit.

Wenn das erste Mal ein Mensch mit Behinderung eingestellt wird und die Räumlichkeiten dementsprechend umgebaut werden müssen, gibt es ebenfalls Unterstützung. Wie hoch diese ausfällt, wird im Einzelfall entschieden. Teilweise werden sogar die gesamten Umbaukosten übernommen.

Durch die Einstellung von einem behinderten Menschen wird die Ausgleichsabgabe geringer oder fällt sogar ganz weg.

Wie gewinnen Betriebe behinderte Bewerber für sich?

Hat sich ein Unternehmen dazu entschieden, einem Jugendlichen mit Handicap die Chance auf eine Ausbildung zu geben, gibt es beim Recruiting einige Punkte zu beachten:

  • Damit sich die Zielgruppe angesprochen fühlt, sollten Stellenanzeigen einen Hinweis enthalten, dass Bewerbungen von Menschen mit Behinderung (ausdrücklich) erwünscht sind.
  • Eine weitere Möglichkeit ist, die Stellen in Jobportalen speziell für Arbeitnehmer mit Behinderung auszuschreiben.
  • Auch die Agentur für Arbeit kann Bewerber vermitteln.
  • Vorträge auf Schulveranstaltungen oder die Einladung zu Betriebsbesichtigungen sind gute Gelegenheiten, junge Menschen aus der näheren Umgebung anzusprechen.

Ganz nebenbei ist die soziale Verantwortung auch gut fürs Image: Unternehmen, die behinderte Jugendliche ausbilden und dies bekannt machen, erhöhen ihre Arbeitgeberattraktivität - in der Öffentlichkeit, bei Kunden und bei Mitarbeitern.


Lesen Sie in unseren Artikel auch hier: https://www.lr-online.de/ratgeber/beruf-bildung/ausbildung-junge-menschen-mit-behinderung-einstellen-34245728.html

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