Viele Arbeitgeber informieren sich im Internet über Bewerber. Kandidaten, deren Profile in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ, StudiVZ oder Facebook aus Sicht der Personaler unseriös wirken, haben schlechte Chancen. Auch angehende Azubis und Berufseinsteiger werden "durchleuchtet".

Laura ist 19, hat gerade Abi gemacht und möchte Bankkauffrau werden. Ihre Bewerbung ist top: Sie hat gute Noten in Mathe und Deutsch und führt im Lebenslauf Nebenjobs, Praktika und sogar ein halbes Schuljahr in den USA auf. Auf ihrem Bewerbungsfoto ist sie dezent geschminkt und trägt eine helle Bluse zum dunklen Blazer. So präsentiert sie sich als intelligent und engagiert – der Traum eines jeden Personalers in der Banken-Branche.
Es gibt aber auch noch eine andere Laura. Die, die gerne Bob Marley hört und im letzten Sommer ihre Haare noch zu Dreadlocks gedreht hatte. Die, die sich gerne am Strand im knappen Bikini fotografieren lässt – oder auf einer Party, mit gleich zwei Jungs in den Armen.

Diese zweite Laura lernen Personaler kennen, wenn sie den Namen der ersten Laura googlen oder nach ihr in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ, StudiVZ, Facebook oder Wer-kennt-Wen suchen.
Und das machen gar nicht so wenige: In einer Umfrage, die das Bundesministerium für Verbraucherschutz in Auftrag gegeben hatte, gaben gerade 28 Prozent der befragten Unternehmen an, bei der Auswahl von Bewerbern Informationen aus dem Internet zu nutzen. Am häufigsten spüren Personaler potentiellen einfachen und mittleren Angestellten oder Managern nach. Aber von denen, die das Internet bei der Bewerberauswahl nutzen, machen 43 Prozent auch bei Bewerbern um Ausbildungsplätze nicht halt. Auch Laura kann es also passieren, dass ihre Party- oder Urlaubsbilder ungewollt Teil ihrer Bewerbung werden - für sie ist das ein unangenehmer Gedanke.
Allerdings bergen die Online-Recherchen der Personaler für Bewerber nicht nur Risiken, sondern auch Möglichkeiten. Wer im Internet unseriös wirkt, verschlechtert zwar seine Chancen, in die engere Auswahl zu kommen (25 Prozent der das Internet nutzenden Personaler gaben an, dass sie bereits Bewerber aus diesem Grund abgelehnt haben).
Aber auch der umgekehrte Fall ist möglich: 56 Prozent der das Internet nutzenden Personaler sagten, dass einige Bewerber durch zusätzliche Informationen aus dem Internet für das Unternehmen sogar noch interessanter wurden.

Für Bewerber heißt das: Man sollte sich mit der Frage auseinander setzen, wie man sich zum einen im Internet und zum anderen in einer Bewerbung präsentiert. Ist es mir Recht, dass Fremde, zum Beispiel Personaler, so viel Privates über mich erfahren? Kann ich über das Netz vielleicht sogar in meinem Sinn nutzen und in meinem Sinn Einfluss darauf nehmen, wie andere mich wahrnehmen? Oder verursacht die Vorstellung, dass der Personalleiter der Kreissparkasse, bei der ich mich bewerbe, sich seinen ersten oder zweiten Eindruck über mich anhand meines StudiVZ-Profils, einen faden Beigeschmack? In diesem Fall hilft es, die Selbstdarstellung im Netz einzuschränken oder zu überarbeiten:


Mögliche Maßnahmen:

• Das eigene Profil in Internet-Netzwerken nur für Freunde/Kontakte sichtbar machen
• Keine unseriösen oder sehr privaten Einträge ins eigene Profil oder in fremde Gästebücher schreiben
• Keine unseriösen oder sehr privaten Fotos ins eigene Profil laden
• Foto-Verknüpfungen aufs eigene Profil deaktivieren
• Soziales Engagement oder postive Hobbies im Internet hervorheben
• Keine Hobbies und Interessen hervorheben, die im Widerspruch zu denen in der Bewerbung stehen
• Keine negativen Äußerungen über Berufe, Branchen, Arbeitgeber oder Arbeit an sich im Internet hinterlassen

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