AUBI-plus GmbH Donnerstag, 28. September 2017 3 Minuten Lesezeit

Wie wird man eigentlich Richter?

Einmal in Richterrobe auf dem Richterstuhl sitzen, den Hammer schwingen und ein Urteil „im Namen des Volkes“ verkünden – davon träumen viele Jurastudenten. Wie der Weg zum Richteramt aussieht, welche Eigenschaften du für den Beruf mitbringen solltest und welche Perspektiven du nach dem richterlichen Probedienst hast, stellen wir dir heute vor.

Richter haben einen verantwortungsvollen Beruf
Richter haben einen verantwortungsvollen Beruf© BRuM309 | Pixabay Public Domain

Das Jura-Studium: Staatsexamen statt Master

Wie wird man eigentlich Richter? Für viele lautet die Antwort: Einfach Jura studieren. Doch diese Aussage stimmt nur zum Teil. Und ganz so „einfach“ ist es dann auch nicht. Natürlich ist ein Abschluss in Jura bzw. in Rechtswissenschaften Grundvoraussetzung, um ein späteres Richteramt zu bekleiden. Allerdings gibt es bereits beim Studium verschiedene Wege, die du einschlagen kannst: Studierst du beispielsweise im Bachelor-Master-System und erlangst den Abschluss des Master of Laws (LL.M.), hast du zwar ein juristisches Diplom in der Tasche, allerdings kannst du mit diesem nicht Richter werden. Hierzu bedarf es immer noch des klassischen Abschlusses, der Staatsprüfung. Eigentlich logisch, denn schließlich vertrittst du die Rechtssprechung in einem Staat - und somit will der Staat auch seine angehenden Richter selber prüfen. Möchtest du nicht Richter, sondern Staats- bzw. Rechtsanwalt werden, musst du ebenfalls deine erste juristische Prüfung an einer Universität ablegen, gefolgt vom zweiten Staatsexamen. Als Master of Laws (Master der Rechtswissenschaften) kannst du bei Unternehmen, Organisationen oder auch in der Politik eine Stelle finden.

Nach dem Studium: Richter auf Probe

Hast du das zweite Staatsexamen überdurchschnittlich gut bestanden, kannst du dich beim zuständigen Oberlandesgericht bewerben. Wirst du angenommen, kommst du zunächst in den richterlichen Probedienst. Der Einstieg in den Beruf ist je nach Bundesland unterschiedlich organisiert, zumeist ist ein Wechsel zwischen Staatsanwaltschaft und richterlicher Tätigkeit vorgesehen.

Um Bestechungsversuchen vorzubeugen, werden Richter gut bezahlt. Grundlage ist die Bundesbesoldungsordnung R mit den Gruppen R1 bis R10. Jedoch können die einzelnen Bundesländer ihr eigenes Landesbesoldungsgesetz erlassen. Als Richter auf Probe beginnst du auf der kleinsten Stufe R1. Laut Bundesbesoldungsordnung liegt das Gehalt in dieser Klasse bei ca. 4.100 €; beispielhafte Richter-Gehälter laut Landesbesoldungsgesetze sind ca. 3.300 € im Saarland und ca. 4.200 € in Bayern und Hamburg.

Perspektiven für Richter

Der richterliche Probedienst dauert drei bis maximal fünf Jahre, danach wirst du vom Justizministerium deines Bundeslandes zum Richter auf Lebenszeit ernannt. Höhere Positionen für Richter, in die du später aufsteigen kannst, sind beispielsweise

  • Direkter Richter am Amtsgericht oder Verwaltungsgericht
  • Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht
  • Präsident des Oberlandesgerichts
  • Vorsitzender Richter des Bundesarbeitsgerichts
  • Präsident des Bundesarbeitsgerichts

Persönliche Eigenschaften von Richtern

    Als Richter musst du neutral sein, d. h. bei der Urteilsfindung darfst du dich nur auf Gesetze, Beweise, Zeugenaussagen und Sachverhalte stützen und dich nicht von externen Einflüssen wie aktuellen Medienberichten, Lobbys oder sogar Schmiergeldern beeinflussen lassen. Außerdem brauchst du ein gutes Organisationstalent und Zeitmanagement, denn hinter den einzelnen Fällen steht immer eine Frist, die es einzuhalten gilt.

    Weiterhin solltest du gut mit Konflikten umgehen können und dir die Fälle nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Bei den Entscheidungen, die du triffst, wird es in der Regel immer einen Verlierer geben. Und mit den Konsequenzen deiner Entscheidungen musst du umgehen können - wenn z. B. jemand für lange Zeit hinter Gitter wandert, Eltern das Sorgerecht entzogen wird und das Kind in eine Pflegefamilie kommt, oder wenn jemand soviel zahlen muss, dass er danach gezwungen ist, Privatinsolvenz anzumelden. Die Verantwortung für diese Entscheidungen trägst allein du und niemand anderes sonst - mit dieser Verantwortung musst du klar kommen, sonst ist der Richterberuf nichts für dich. 

    Du möchtest einen juristischen Beruf ergreifen, hast aber keine Lust auf ein Studium der Rechtswissenschaften? Dann informiere dich in unserer Themenwelt über Ausbildungsberufe und duale Studiengänge in der Justiz.