AUBI-plus: Was kann man sich unter den Praxisphasen im Lehramtsstudium vorstellen?

Katie: Die Praxisphasen sind verschiedene Praktika, die man in der Regel an Schulen absolviert. Während des Bachelors macht man zwei bis drei Praktika, je nach Studienordnung. Ich habe gerade das sogenannte (Eignungs- und) Orientierungspraktikum absolviert, d. h. ich habe fünf Wochen als Praktikantin an einer Schule meiner Wahl verbracht.

Das heißt, du konntest dir die Schule selbst aussuchen? Oder wie bist du an den Praktikumsplatz gekommen?

Ja, ich konnte mir die Schule selber aussuchen. Natürlich kann man sich auch an seine Uni wenden, um Hilfe zu bekommen, doch in der Regel kümmern sich Studenten selbst um ihren Praktikumsplatz. Ich habe Schulen in der Umgebung angerufen und nachgefragt, ob sie zu dem geplanten Zeitpunkt Praktikanten annehmen. Daraufhin bekam ich die Kontaktdaten der zuständigen Lehrperson, schrieb eine Mail an meine präferierte Schule und bekam als Antwort direkt eine Zusage. Es war unkompliziert und ging schnell, ganz ohne das klassische Bewerbungsschreiben und den Lebenslauf. Lehrer sind da meist entspannt. Aber ich hatte zugegebenermaßen auch Glück, da ich mir einen Praktikumsplatz in meiner Heimatstadt gesucht habe. Direkt in einer Universitätsstadt wie Münster ist es deutlich schwieriger, überhaupt einen Platz zu bekommen – es gibt viele Studenten, jedoch nur eine begrenzte Anzahl an Schulen und Praktikumsplätzen.

Wie ist das Praktikum abgelaufen?

Zunächst haben die zuständigen Betreuer mir die Schule gezeigt und dabei geholfen, einen „Stundenplan“ zu erstellen. Ich habe mir aus einer Übersicht die Lehrer herausgesucht, die meine Fächer unterrichten und mir meinen Stundenplan so zusammengebastelt, dass ich möglichst durchgängig die ersten sechs Stunden Unterricht habe. Die Betreuer haben mich mit den Lehrern bekannt gemacht und ich bin direkt am ersten Tag mit in den Unterricht gegangen und habe dort hospitiert.

Was kann man sich unter hospitieren in diesem Kontext vorstellen?

Im Praktikum begleitet man die Lehrer in ihren Unterricht und beobachtet das Unterrichtsgeschehen. Ich habe beispielsweise entweder vorne am Pult oder ganz hinten im Klassenraum gesessen und mir Notizen zu allem gemacht, was mir aufgefallen ist, z. B. zu Unterrichtsstörungen, dem Einsatz von Medien, Arbeitsmethoden und so weiter. Wenn der Lehrer einen lässt, darf man auch bei Still- oder Gruppenarbeit durch die Klasse gehen und den Schülern bei den Aufgaben helfen und ihre Fragen beantworten.

Und wie sieht es mit unterrichten aus? 

Von der Uni aus ist es meist erwünscht, dass man selbst mal unterrichtet. Ob man das im Praktikum darf, entscheidet jedoch die Schule bzw. jeder einzelne Lehrer für sich. Ich hatte Glück und meine Lehrer haben mich sowohl Teile vom Unterricht übernehmen lassen, als auch ganze Doppelstunden eigenständig unterrichten lassen – das war klasse!

Also hat dir das Praktikum Spaß gemacht?

Und wie! Zu Beginn war es natürlich noch ungewohnt, man kennt die Lehrer noch nicht und sitzt einfach viel mit dabei, ohne wirklich was machen zu können. Doch je weiter das Praktikum voranschreitet, desto mehr darf man mithelfen. Man lernt die Lehrer besser kennen und bekommt durch Gespräche und Feedback einige hilfreiche Tipps für die Zukunft. Mein Highlight waren die eigenen Unterrichtsstunden, in denen ich mich einfach ausprobieren konnte. Ich hab das grobe Stundenthema vorgegeben bekommen und durfte die Stunden eigenständig planen und halten, um wirklich ausprobieren und herausfinden zu können, ob mir der Lehrerberuf liegt.

Lief alles reibungslos ab oder bist du auf Herausforderungen gestoßen?

Der Ablauf des Praktikums an sich war reibungslos, ich bin fünf Wochen lang zur Schule gegangen, habe dort hospitiert, teilweise unterrichtet und anschließend meine Praktikumsbescheinigung bekommen. Die Lehrer waren alle nett und hilfsbereit und ich hab mich schnell eingelebt. Die Unterrichtsvorbereitungen waren allerdings nicht so leicht, wie man glauben mag. „Mal eben“ eine Stunde planen gibt es nicht, denn das kostet viel Zeit und Energie. Da sollte man zu Beginn doch ein bisschen mehr Zeit für einplanen. Aber sobald man dann vor der Klasse steht und das Konzept aufgeht, oder zumindest halbwegs aufgeht, zahlt sich die Vorarbeit aus.

Was kannst du Interessenten für den Lehrerberuf mit auf den Weg geben?

Macht das Beste aus euren Praxisphasen! Die Erfahrungen, die man in den Praktika sammelt, sind Gold wert. Äußert von Anfang an euer Interesse daran, eigenständig Unterricht zu halten, dann sind auch viele Lehrer gewillt, euch unterrichten zu lassen. Lasst den Kopf nicht hängen, wenn der Unterricht nicht direkt perfekt ist, sondern lernt aus den Fehlern und hört auf die Tipps der erfahrenen Kollegen. Mich persönlich bestärken die Praxisphasen immer wieder in meiner Berufsentscheidung. Wenn man vor den Schülern steht und merkt, dass sie einen als Lehrperson akzeptieren, etwas aus der Stunde mitnehmen und der ein oder andere sogar Spaß dabei hat, ist das ein tolles Gefühl! Wenn euch die Arbeit mit den Schülern gefällt und ihr euch wohl fühlt, wenn ihr vor einer Klasse steht, seid ihr auf dem richtigen Weg! Behaltet euch dieses Gefühl bei und denkt daran zurück, wenn es mal wieder stressig in der Uni wird.

AUBI-plus: Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für dich!

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