Ausbildung in Teilzeit: Varianten der Teilzeitausbildung im Überblick

Bei der Teilzeitausbildung, genauer gesagt der Teilzeitberufsausbildung, lassen sich zwei Varianten unterscheiden: Mit Verlängerung der Ausbildungsdauer und ohne Verlängerung der Ausbildungsdauer. Welches Modell auf dich zutrifft, hängt davon ab, wie viele Stunden in der Woche du deiner Ausbildung nachgehst. Wichtig zu wissen: Um die Wochenstunden zu ermitteln, werden die Zeiten in der Berufsschule und auf der Arbeit addiert.

Ohne Verlängerung der Ausbildungsdauer:

Bei mindestens 25 Wochenstunden (Ausbildung im Betrieb plus Berufsschulunterricht) findet die Teilzeitausbildung ohne Verlängerung der Ausbildungsdauer statt. Das heißt im Klartext: Du absolvierst deine Ausbildung in der regulären Dauer, die für deine Berufsausbildung angesetzt ist.

Mit Verlängerung der Ausbildungsdauer:

Bei 20 Wochenstunden (Ausbildung im Betrieb plus Berufsschulunterricht) verlängert sich deine Ausbildungsdauer um bis zu einem Jahr. Modelle mit weniger als 20 Wochenstunden sind nicht möglich.

Achtung: Teilzeitausbildung heißt nicht, dass du (stundenweise) vom Berufsschulunterricht befreit wirst. Vielmehr bezieht sich die Reduzierung der Wochenstunden auf die praktische Ausbildung im Unternehmen, mit zwei Möglichkeiten:

  • Verkürzung deiner täglichen Arbeitszeit:
    Du reduzierst deine tägliche Arbeitszeit, beispielsweise von 8 auf 6 Stunden.
  • Verkürzung deiner wöchentlichen Arbeitszeit:
    Du reduzierst deine wöchentliche Arbeitszeit, beispielsweise von 5 auf 4 Tage.

Voraussetzungen für eine Teilzeitausbildung

Rechtliche Grundlage für eine Teilzeitberufsausbildung ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG), genauer gesagt § 8 Abkürzung und Verlängerung der Ausbildungszeit. Darin steht: „(1) Auf gemeinsamen Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden hat die zuständige Stelle die Ausbildungszeit zu kürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird. Bei berechtigtem Interesse kann sich der Antrag auch auf die Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit richten (Teilzeitberufsausbildung).“

Ein berechtigtes Interesse liegt beispielsweise in folgenden Fällen vor:

  • Du hast ein eigenes Kind
  • Du übernimmst die Betreuung von einem pflegebedürftigen Familienangehörigen
  • Du hast gesundheitliche Probleme oder bist behindert
  • Du treibst Leistungssport und musst jeden Tag trainieren

Warum es dir nicht möglich ist, eine Ausbildung in Vollzeit zu absolvieren, kann also verschiedene sog. schwerwiegende Gründe haben. Gut zu wissen: Für die Berufsausbildung in Teilzeit spielt es keine Rolle, ob der Grund schon zu Beginn der Ausbildung bzw. zum Abschluss des Ausbildungsvertrags vorlag, oder ob der Grund erst während der Ausbildung eintritt. So können junge Frauen, die während ihrer Vollzeitausbildung schwanger werden und ein Kind bekommen, ihre Vollzeitausbildung in eine Teilzeitausbildung umwandeln. Mit der Teilzeitausbildung wird jungen Eltern also ermöglicht, Familie und duale Ausbildung miteinander zu vereinbaren.

Teilzeitausbildung beantragen: Das musst du wissen

Antrag

Sollte einer der genannten Gründe auf dich zutreffen, kannst du dich mit deinem Ausbildungsbetrieb zusammensetzen und über eine Reduzierung deiner Wochenarbeitszeit sprechen. Hierfür müsst ihr gemeinsam einen Antrag zur Verringerung der Arbeitszeit an die zuständige Kammer, d. h. IHK oder HWK, stellen. Wichtigste Voraussetzung, damit der Antrag angenommen wird: Es ist abzusehen, dass du das Ausbildungsziel, sprich den Abschluss in deinem Ausbildungsberuf, erreichen wirst.

Vertrag

Achte darauf, dass die Vereinbarung der Teilzeitausbildung in deinem Ausbildungsvertrag festgehalten wird. Tritt der Grund für die Teilzeitberufsausbildung erst während der Ausbildung ein, z. B. Schwangerschaft und Geburt eines Kindes, erfolgt die schriftliche Vereinbarung per Vertragszusatz. Neben der vereinbarten Ausbildungszeit werden auch Urlaubsanspruch, Ausbildungsvergütung und sonstige Vereinbarungen festgehalten.

Urlaub

Wie viele Tage Urlaub dir als Teilzeit-Azubi zustehen, ist davon abhängig, ob du deine Arbeitszeit täglich oder wöchentlich reduzierst. Nehmen wir einmal an, die Mitarbeiter in deinem Ausbildungsbetrieb haben eine 5-Tage-Woche (montags bis freitags) und 30 Tage Urlaub im Jahr. Dann hast du bei einer täglichen Reduzierung deiner Arbeitszeit (beispielsweise 5 Tage à 6 Stunden) den gleichen Urlaubsanspruch auf 30 Tage. Hast du jedoch eine wöchentliche Reduzierung auf beispielsweise 4 Tage, so hast du einen anteiligen Urlaubsanspruch auf 24 Urlaubstage (Berechnung: 30 : 5 x 4).

Vergütung

Im Hinblick auf deine Ausbildungsvergütung ist es den Betrieben freigestellt, ob sie dir das volle Gehalt oder einen Betrag entsprechend der reduzierten Arbeitszeit auszahlen. Beträgt deine Ausbildungszeit 30 Stunden statt 40, kann es also sein, dass du nur 75 % der regulären Ausbildungsvergütung erhältst, was wiederum zu einer finanziellen Belastung führen kann. Tipp: Informiere dich bei deinem zuständigen Ausbildungsberater, welche finanzielle Unterstützung dir für deinen Lebensunterhalt in der Ausbildung zur Verfügung steht, beispielsweise Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), Kindergeld, Wohngeld, Mehrbedarf für Alleinerziehende, Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld.

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Teilzeitausbildung finden: Argumente für deine Bewerbung

Ehrlich gesagt ist das Thema Teilzeitausbildung noch nicht überall angekommen. Trotz Förderprogrammen wie Teilzeitberufsausbildung - Einstieg begleiten - Perspektiven öffnen (TEP) waren zuletzt nur 0,4 % aller Ausbildungsverträge Teilzeitverträge. Vor diesem Hintergrund wirst du bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wahrscheinlich so gut wie keine Lehrstelle finden, die explizit in Teilzeit ausgeschrieben ist. Unsere Empfehlung: Bewirb dich einfach auf die „normalen“ Ausbildungsstellen und überzeuge den Personaler mit deinen Bewerbungsunterlagen. Im Vorstellungsgespräch kannst du dann deine persönliche Situation erklären und nachfragen, ob dir das Unternehmen die Ausbildung nicht auch in Teilzeit ermöglichen kann. Insbesondere in kaufmännischen Berufen ist Teilzeit in der Regel unproblematisch möglich. Gute Argumente, die für dich als Azubi sprechen, sind

  • du bist sehr gut organisiert (trotz deiner familiären Verpflichtungen hast du den Schulabschluss gemacht)
  • du bist belastbar (sich um ein Baby oder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern, kostet viel Kraft)
  • du hast ein hohes Verantwortungsbewusstsein (als junge Mutter bzw. junger Vater bist du für dein Kind verantwortlich)
  • du hast einen starken Willen und bist motiviert, die berufliche Ausbildung durchzuziehen (du willst am Erwerbsleben teilnehmen und selbst für deinen Lebensunterhalt sorgen)

Übrigens: Auch Unternehmen haben Vorteile, wenn sie junge Menschen in Teilzeit ausbilden:

Auszubildende gewinnen

Insbesondere junge Mütter, für die eine Ausbildung in vollem Umfang nicht in Frage kommt, können mit der Teilzeitausbildung angesprochen werden; Ausbildungsstellen, die sonst frei bleiben würden, können besetzt werden.

Gut fürs Image

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vielen Arbeitnehmern wichtig. Unternehmen, die eine Ausbildung in Teilzeit anbieten, präsentieren sich als familienfreundliche Arbeitgeber, was wiederum gut für ihr Image ist.

Soziale Verantwortung zeigen

Wer Personengruppen beschäftigt, die sonst nur schwer Zugang zum Ausbildungsmarkt bzw. Arbeitsmarkt finden (beispielsweise haben 40 % der jungen Mütter keinen Berufsabschluss), zeigt damit gesellschaftliches Engagement und verhindert, dass diese Personengruppen dauerhaft auf Hilfe angewiesen sind.

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