Was versteht man unter einer Teilzeitausbildung

Arbeiten in Teilzeit ist bekannt und wird auch in vielen Unternehmen praktiziert. Doch wusstest du, dass du deine Ausbildung ebenfalls in Teilzeit absolvieren kannst? Bei diesem Ausbildungsmodell wird deine tägliche bzw. wöchentliche Ausbildungszeit reduziert – maximal bis zur Hälfte. Beispiele:

  • Verkürzung deiner täglichen Ausbildungszeit:
    Du reduzierst deine tägliche Arbeitszeit, z. B. von 8 auf 6 Stunden.
  • Verkürzung deiner wöchentlichen Ausbildungszeit:
    Du reduzierst deine wöchentliche Arbeitszeit, z. B. von 5 auf 4 Tage.

Achtung: Die Reduzierung bezieht sich nur auf deine praktische Ausbildung im Betrieb, nicht auf den Berufsschulunterricht. Daran nimmst du in der Regel ganz regulär teil, es sei denn, deine Berufsschule hat eine spezielle Klasse für Teilzeit-Azubis eingerichtet.

Wer kann eine Teilzeitausbildung machen?

Seit dem 01.01.2020 steht die Teilzeitberufsausbildung allen Auszubildenden offen. Das heißt für dich: Ein „berechtigtes Interesse“, welches du zuvor vorweisen musstest, ist nun nicht mehr relevant, wenn du Teilzeit beantragen möchtest.

Trotz dieser Änderung kommt die Ausbildung in Teilzeit für bestimmte Personengruppen natürlich mehr infrage als für andere, zum Beispiel für junge Eltern und Personen, die einen Angehörigen pflegen. Die Doppelbelastung, die diese Menschen im Betrieb und im privaten Umfeld haben, wird durch die Teilzeitausbildung reduziert. Auch für Auszubildende, die eine Behinderung, gesundheitliche Einschränkungen oder Lernbeeinträchtigungen haben, kann eine Ausbildung in Vollzeit zu belastend sein.

Jugendliche, die aus ihrem Heimatland geflüchtet sind, müssen häufig erst noch ihre Deutschkenntnisse verbessern und nehmen daher an Sprachkursen teil, was sie zeitlich einschränkt. Leistungssportlerinnen und -sportler, die täglich intensiv trainieren, haben ebenfalls zu wenig Zeit für eine Vollzeitausbildung. Und zu guter Letzt gibt es auch Menschen, die bereits als Ungelernte arbeiten, um sich und ihre Familie zu versorgen. Auch diese verfügen nicht über die zeitlichen Ressourcen für eine Ausbildung in Vollzeit.

Kurzum: Wenn du durch deine persönlichen Umstände keine Vollzeitausbildung absolvieren kannst, aber trotzdem einen qualifizierten Berufsabschluss erwerben möchtest, ist die Ausbildung in Teilzeit das optimale Modell für dich!

In welchen Berufen kann ich eine Teilzeitausbildung beginnen?

Grundsätzlich kannst du in allen anerkannten dualen Ausbildungsberufen eine Teilzeitberufsausbildung beginnen. Doch bei deiner Suche nach einem freien Ausbildungsplatz wirst du in den wenigsten Fällen eine Stellenausschreibung finden, die explizit als Teilzeitausbildung veröffentlicht ist. Hier ist es hilfreich, wenn du dich mit dem Betrieb austauschst und nachfragst, ob das Unternehmen die Ausbildung auch in Teilzeit anbietet. Manche Branchen und Berufe bieten dir in diesem Punkt höhere Chancen, eine Teilzeitausbildung zu beginnen, als andere. In den folgenden Berufsgruppen gibt es gute Möglichkeiten:

Berufe im Gesundheitsbereich

Informiere dich über Berufe, die in der Pflege oder im Gesundheitswesen angeboten werden.

Kaufmännische Berufe

Ein breites Angebot an kaufmännischen Berufen, die nicht nur in der Industrie und im Handel angeboten werden.

Freie Berufe

Erzieher, Hebammen und Dolmetscher sind nur einige der Freien Berufe. Finde weitere Berufe, die du in Teilzeit im medizinischen Bereich absolvieren kannst.

Handwerkliche Berufe

Mehr als 130 Ausbildungsberufe im Handwerk stehen dir zur Auswahl, die du als Teilzeitausbildung starten kannst.

Öffentlicher Dienst

Informiere dich über Berufe in der Verwaltung, Justiz oder in öffentlichen Einrichtungen.

Landwirtschaft

Berufe in der Natur und etwas für die Umwelt tun. Viele Tätigkeitsbereiche stehen dir in diesem Bereich offen.

Was verdient man bei einer Ausbildung in Teilzeit?

Im Hinblick auf deine Ausbildungsvergütung ist es leider so, dass dein Ausbildungsbetrieb dein Azubi-Gehalt entsprechend deiner reduzierten Arbeitszeit kürzen darf – im ungünstigsten Fall bekommst du also nur die Hälfte. Die gute Nachricht: Es gibt verschiedene Unterstützungsleistungen, die dir dabei helfen, über die Runden zu kommen.

Gehalt in der Ausbildung

Wieviel wirst du in deinem Traumberuf während der Ausbildung verdienen? Was ist der Unterschied zwischen Brutto und Netto? Hier erfährst du mehr über dein Azubi-Gehalt.

Finanzielle Unterstützung

Informiere dich, welche finanzielle Unterstützung dir für deinen Lebensunterhalt in der Ausbildung zur Verfügung steht.

Wieviel Urlaub hat man bei einer Teilzeitausbildung?

Bei deinem Urlaubsanspruch kommt es darauf an, ob du deine Ausbildungszeit täglich oder wöchentlich reduzierst.

  • Verkürzung deiner täglichen Ausbildungszeit:
    Du reduzierst deine tägliche Arbeitszeit, z. B. von 8 auf 6 Stunden. Du bist also an gleich vielen Tagen wie deine Mitauszubilden in Vollzeit im Betrieb und hast dementsprechend den gleichen Urlaubsanspruch.
  • Verkürzung deiner wöchentlichen Ausbildungszeit:
    Du reduzierst deine wöchentliche Arbeitszeit, z. B. von 5 auf 4 Tage. Du bist also an weniger Tagen als deine Mitauszubilden im Betrieb. Dementsprechend verringert sich die Zahl deiner Urlaubstage. Wenn deine Mitauszubildenden bei einer 5-Tage-Woche 30 Urlaubstage haben, hast du bei einer 4-Tage-Woche entsprechend nur 24 Urlaubstage.

Urlaub in der Ausbildung

Auch Auszubildende haben Anspruch auf Urlaub. Doch wie viele Tage stehen Azubis überhaupt zu? Wann darf man Urlaub nehmen? Und was ist mit der Berufsschule?

Infos zu Urlaub in der Ausbildung

Verlängert sich die Ausbildungsdauer
bei Teilzeit?

Ja, wenn du deine Ausbildung in Teilzeit machst, verlängert sich deine Ausbildungsdauer – maximal bis zum Eineinhalbfachen der regulären Dauer. Um wieviel verlängert wird, hängt dabei von deiner Reduzierung ab.

Beispiel 1: Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt für deinen Beruf 3 Jahre (36 Monate). Die Höchstgrenze bei einer Verlängerung wären also 4,5 Jahre. Du reduzierst auf 75 Prozent (30 statt 40 Wochenstunden). Dann verlängert sich deine Ausbildungsdauer auf 4 Jahre (48 Monate). Rechenweg: 36 : 0,75 = 48 Monate

Beispiel 2: Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt für deinen Beruf 3,5 Jahre (42 Monate). Du reduzierst auf 50 Prozent (20 statt 40 Wochenstunden). Dann verlängert sich deine Ausbildungsdauer auf die Höchstgrenze von 5 Jahren und 3 Monaten (63 Monate), nicht auf 7 Jahre. Rechenweg: 42 x 1,5 = 63 Monate

Kann man eine Teilzeitausbildung auch verkürzen?

Ja, genau wie eine reguläre Ausbildung kann auch die Teilzeitausbildung verkürzt werden. Dies kommt zum Beispiel dann infrage,

  • wenn du einen höheren Schulabschluss hast,
  • oder beruflich vorgebildet bist,
  • oder gute Leistungen in der Berufsschule und im Betrieb zeigst
  • und damit zu rechnen ist, dass du das Ausbildungsziel auch in kürzerer Zeit erreichst.

Den Antrag auf Verkürzung stellst du zusammen mit deiner Ausbilderin bzw. deinem Ausbilder bei der zuständigen Kammer. Wenn du die Voraussetzungen für eine Verkürzung erfüllst, kannst du damit die automatische Verlängerung bei Teilzeit ein Stück weit ausgleichen.

Beispiel 1 von oben, zusätzlich höherer Schulabschluss: Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt für deinen Beruf 3 Jahre (36 Monate). Du hast Fachabi und kannst um 6 Monate verkürzen. Du reduzierst auf 75 Prozent (30 statt 40 Wochenstunden). Dann ist deine Ausbildungsdauer 3 Jahre und 4 Monate (40 Monate). Rechenweg: (36-6) : 0,75 = 40 Monate

Beispiel 2 von oben, zusätzlich berufliche Vorbildung: Die reguläre Ausbildungsdauer beträgt für deinen Beruf 3,5 Jahre (42 Monate). Du hast bereits eine Erstausbildung und kannst um 12 Monate verkürzen. Du reduzierst auf 50 Prozent (20 statt 40 Wochenstunden). Dann ist deine Ausbildungsdauer 5 Jahre (60 Monate). Rechenweg: (42-12) : 0,5 = 60 Monate

Ausbildungsverkürzung

In kürzerer Zeit zum Ausbildungsabschluss? Wie das geht, um wie viele Monate du deine Berufsausbildung verkürzen kannst und welche Voraussetzungen du erfüllen musst, kannst du hier nachlesen.

Infos zur Ausbildungsverkürzung

Wie bekommt man eine Teilzeitausbildung?

Damit du deine Ausbildung in Teilzeit machen kannst, brauchst du das Einverständnis deines Ausbildungsbetriebes. Setz dich am besten mit deiner Ausbilderin bzw. deinem Ausbilder zusammen, um zu schauen, welche Reduzierung mit Blick auf deine persönliche Situation am sinnvollsten ist. Die Reduzierung wird dann in einer Zusatzvereinbarung zu deinem Ausbildungsvertrag verschriftlicht und von der zuständigen Stelle in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen. Je nachdem, was für einen Ausbildungsberuf du erlernst, ist dies die jeweilige Kammer, d. h. IHK, HWK oder LWK. Sollte sich im Laufe der Zeit herausstellen, dass das vereinbarte Teilzeitmodell doch nicht optimal für dich ist, oder sich deine persönliche Situation verändern, sind auch Änderungsverträge möglich.

Ausbildungsvertrag

Der Berufsausbildungsvertrag regelt das Ausbildungsverhältnis zwischen dir und deinem Ausbildungsbetrieb. Doch was steht eigentlich alles drin?

Infos zum Ausbildungsvertrag

Kann man von einer Vollzeit- zu einer Teilzeitausbildung wechseln?

Ein Wechsel von Vollzeit zu Teilzeit ist ebenfalls möglich. Schließlich gibt es ja auch Gründe, die erst während der Ausbildung eintreten können, z. B. Schwangerschaft und Geburt eines Kindes, die Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen, gesundheitliche Einschränkungen nach einem Unfall u.v.m. In solchen Fällen wird die Zusatzvereinbarung einfach später geschlossen. Bei Bedarf sind auch hier Änderungen möglich.

Schwanger in der Ausbildung

Während der Ausbildung schwanger geworden? Alles über den Mutterschutz, eine mögliche Verlängerung deiner Ausbildung und finanzielle Hilfen, die du in Anspruch nehmen kannst.

Infos zur Schwangerschaft in der Ausbildung

Teilzeitausbildung:
Argumente für deine Bewerbung

Du hast einen passenden Ausbildungsberuf für dich gefunden und fragst dich nun, wie du deine momentane Situation in deiner Bewerbung auf den Punkt bringen kannst? Mit den folgenden Argumenten kannst du bereits in deinem Anschreiben hervorstechen und deine Stärken mit Hilfe deiner Lebenssituation belegen:

  • du bist sehr gut organisiert (trotz deiner familiären Verpflichtungen hast du den Schulabschluss gemacht)
  • du bist belastbar (sich um ein Baby oder einen pflegebedürftigen Angehörigen zu kümmern, kostet viel Kraft)
  • du hast ein hohes Verantwortungsbewusstsein (als junge Mutter bzw. junger Vater bist du für dein Kind verantwortlich)
  • du hast einen starken Willen und bist motiviert, die berufliche Ausbildung durchzuziehen (du willst am Erwerbsleben teilnehmen und selbst für deinen Lebensunterhalt sorgen)

Bewerbung

Wie bewirbt man sich eigentlich richtig? Was gehört ins Anschreiben und in den Lebenslauf? Wir zeigen dir, worauf die Personaler achten und wie du mit deiner Bewerbung um einen Ausbildungsplatz überzeugen kannst.

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