Studienabbruch – und jetzt?

Nach dem Abitur stand für dich fest, dass du auf jeden Fall studieren gehen wirst. Doch jetzt – mitten im Studium – bist du überhaupt nicht glücklich mit deiner Entscheidung. Gründe gibt es ganz unterschiedliche: Falscher Studiengang, zu hoher Lernstress (während der Prüfungszeit), Enttäuschung über den Studienverlauf, zu hohe finanzielle Belastung, private Gründe, falscher Studienort oder Neuorientierung. Bevor die Enttäuschung oder der Frust noch größer werden, betrachte deine persönliche Situation nüchtern und reflektiere sie. Die Möglichkeit eines Studienabbruchs besteht, sollte allerdings gut überlegt sein und nicht zu schnell oder aus einer Laune heraus vollzogen werden. Für jedes Problem gibt es eine Lösung – auch in deinem Fall.

Während deiner Studienzeit gibt es immer wieder schwierige und anstrengende Phasen, die viel von dir abverlangen. Insbesondere die Prüfungszeiten, in denen geballter Lernstress auf dich zukommt, sind oft sehr heikel und lassen dich eventuell an deiner Entscheidung zweifeln, ob das Studium wirklich das Richtige für dich ist. Aber nur Mut, die Zeit geht vorbei und die Prüfungen werden geschafft; selbst, wenn das manchmal eine Zweitprüfung bedeutet oder du dir das Motto „Vier gewinnt“ auf die Fahne geschrieben hast.

Ist der Frust nur punktuell, solltest du dein Studium nicht gleich an den Nagel hängen. Erst wenn sich deine Situation zu einem negativen dauerhaften Zustand wandelt, sind neue Wege einzuschlagen. Meistens stehen die schlechten Noten auch in Verbindung mit dem falsch ausgewählten Studiengang, der dich nicht motiviert.

Grundsätzlich gilt: Handle nicht übereilt. Möchtest du, aus welchen Gründen auch immer, das Studium abbrechen, lasse dich vor zu schnellen Aktionen beraten. Die Hochschulen bieten mittels Beratern im Immatrikulationsamt oder dem Studenten Office sowie Sozialberatern viele Angebote. Sie geben dir nützliche Tipps, wie du bei der Studien(neu)orientierung vorzugehen hast und beraten dich auch über die Anforderungen eines Abbruchs oder eines Wechsels. Für deine endgültige Entscheidung sollte dir auch bewusst sein, welche Konsequenzen der Schritt mit sich bringt und welche Handlungen (von dir) als nächstes eingeleitet werden müssen. Die Exmatrikulation an der Hochschule für deinen Studiengang führt dazu, dass du das Studium in dem Fach nicht mehr fortsetzen kannst, egal an welcher Hochschule. Doch keine Panik! Alternativen zum Studium gibt es und meistens sieht die Zukunft gar nicht mal so schlecht aus, wie es zunächst scheint.

Auch lohnt es sich immer mit Vertrauten zu sprechen, ob nun Familie, Freunde oder Kommilitonen. Menschen, die dich besonders gut kennen, geben dir bisweilen gute Tipps und unterstützen dich ggf. bei deinem Vorhaben.

Alternativen zum Studienabbruch

Macht dir das Studentenleben Spaß und du möchtest das Studium im Grunde fortsetzen, bestehen mehrere Alternativen zum endgültigen Studienabbruch:

Wahl eines neuen Studiengangs

In Deutschland gibt es mehr als 18.000 Studiengängen. Da ist es nicht einfach, den Richtigen auszuwählen. Viele Abiturienten orientieren sich nur an dem Namen des Studiengangs und beschäftigen sich oft nicht mit den konkreten Inhalten, die sie erwarten werden. Ein Grund warum jeder dritte Student sein Studium während der ersten drei Semester abbricht.

Falls auch du dich jetzt in dieser Situation befindest, solltest du nichts überstürzen. Nutze deine bereits gesammelten Erfahrungen an der Hochschule und aus den absolvierten Modulen, um deine Interessen und Stärken auszuloten. Werde dir klar, was du möchtest. Hast du bereits alternative Studiengänge ins Auge gefasst, ist es ratsam als Gasthörer in diese einmal reinzuschnuppern. Nutze die Chance und informiere dich über andere Studienmöglichkeiten, die deinen Interessen entsprechen, dich wirklich motivieren und für einen Studienfachwechsel in Frage kommen.

Wahl einer neuen Hochschulform

Dein Stundenplan ist voll mit Vorlesungen und ein Tutorium jagt das andere. Wahrscheinlich war dir am Anfang deines Studiums gar nicht bewusst, wie theorielastig dein gewähltes Fach an der Hochschule sein würde? Oder vielleicht sind dir die Praxisphasen in deinem Studium zu lang und du tauchst lieber vermehrt in die Tiefen des Stoffs und deren Hintergründe ein? Ein Wechsel an eine andere Hochschulform ist hier denkbar. Universitäten und Fachhochschulen bspw. unterscheiden sich i. d. R. in ihrem Praxisanteil.

Sind dir mehr Praxisanteile wichtig, wäre weiterhin ein freiwilliges Praktikum oder auch ein Nebenjob in dem Bereich möglich. Ist dies aus zeitlichen Gründen ein Problem, kannst du einen Antrag auf ein Teilzeitstudium stellen. Viele Hochschulen bieten dieses Angebot an, um Studierende bei ihrem beruflichen Weg zu unterstützen und auch zu entlasten. Ein duales Studium ist eine weitere Option. Die Theorie findet wie gewohnt an einer Hochschule statt und der praktische Teil in einem Ausbildungsbetrieb. Die Kombination lässt dich die theoretischen Inhalte unmittelbar in deinen Arbeitsalltag einsetzen und berufliche Erfahrungen sammeln. Am Ende des dualen Studiums schließt du mit einem Bachelorabschluss ab. Eine besondere Form ist das ausbildungsintegrierende duale Studium, bei dem du als Absolvent zusätzlich zum akademischen Grad noch einen Berufsabschluss erwirbst. Die freien Plätze sind sehr begehrt, daher bewerbe dich frühzeitig bei den Unternehmen.

Wahl eines neuen Studienortes/einer anderen Hochschule

Der Umzug in eine neue Stadt sollte eigentlich ein neuer Lebensabschnitt werden und dich in deiner Selbstständigkeit unterstützen. Doch irgendwie fühlst du dich nicht wirklich angekommen und alles um dich herum ist befremdlich. Die Freude, endlich am Wochenende nach Hause zu fahren, deine Eltern und Freunde zu sehen, ist enorm. Heimweh hast nicht nur du, es geht auch vielen anderen Studierenden so. Allerdings vergeht es bei den meisten nach einer gewissen Zeit und man fängt an, sich in seiner neuen Umgebung heimisch und wohl zu fühlen.

Bleibt diese Unzufriedenheit bestehen, wirkt sie sich langfristig auf deine Motivation und somit auch auf deine Noten aus. Wenn du mit deinem Studienort oder der Hochschule unzufrieden bist, lohnt es sich über einen Wechsel an eine andere Hochschule nachzudenken, denn ein Studienabbruch ist hierbei vielleicht nicht zwangsläufig notwendig. Bereits absolvierte Module und erbrachte Leistungen müssen nicht umsonst gewesen sein, denn diese sind unter Umständen an der neuen Hochschule eventuell sogar anrechenbar.

Alternativen zum Studium

Bleibt das Gefühl, dass ein Studium nicht die richtige Wahl für dich ist, bedeutet das noch lange nicht den Weltuntergang, denn Möglichkeiten bestehen viele und auch bei deinen potenziellen Arbeitgebern muss ein Abbruch des Studiums nicht automatisch negativ ausgelegt werden – wichtig ist die plausible Begründung deiner Entscheidung.

Ausbildung

Die klassische Alternative zum Studium ist eine Ausbildung. Sollte dich die Thematik aus dem Studium weiterhin interessieren, findest du i. d. R. schnell passende Ausbildungsberufe, die deinen Interessen und Neigungen entsprechen.

Ein Studienabbruch bedeutet nicht, dass du deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt verspielt hast. Denn viele Unternehmen stellen Studienabbrecher gerne ein, da sie aufgrund ihrer Vorbildung interessante Bewerber sind.

Sind Studium und Ausbildung aus dem gleichen Bereich (bspw. hast du BWL studiert und beginnst nun eine Ausbildung zum Industriekaufmann) kann es sein, dass deine Studienleistungen für die Ausbildung anrechenbar sind. Die Inhalte aus dem Studium ähneln sich nämlich zum Teil mit den Inhalten aus der Ausbildung. Je nachdem was dein zukünftiger Arbeitgeber und die zuständige Kammer dazu sagen, könnte z. B. eine Verkürzung deiner Ausbildung infrage kommen.

Praktika, Freiwilligendienst & Co.

Möchtest du etwas ganz anderes als das aus dem Studium machen, helfen dir ggf. Praktika in diversen Bereichen bei deiner Berufswahl weiter. Darüber hinaus bieten dir wahrscheinlich Work & Travel im Ausland, Sprachreisen oder ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr neue Impulse.

Jobben

Generell ist es möglich, dass du dich als Studienabbrecher auf Jobs bewirbst, die keine Qualifikationen erfordern. Allerdings bist du in dem Unternehmen als ungelernte Kraft eingestellt, verdienst im Gegensatz zu ausgebildeten Fachkräften weniger und hast schlechtere Chancen Karriere zu machen. Weiterhin besteht ein höheres Risiko als Ungelernter arbeitslos zu werden und mit den sich wandelnden Anforderungen nicht Schritt halten zu können.

Weitere Informationen zum Thema Studienabbruch und deine Möglichkeiten bieten dir u.a.