Was ist das Ausbildungszeugnis?

Das Ausbildungszeugnis ist ein Arbeitszeugnis deiner Ausbildung. Es dokumentiert einen wichtigen Meilenstein in deiner Laufbahn: den Abschluss deiner Ausbildung! Tipp: Auch wenn du von deinem Betrieb als Fachkraft übernommen wirst, solltest du nach einem Ausbildungszeugnis fragen, sodass du es bei einem Wechsel zu einem anderen Betrieb für deine Bewerbung verwenden kannst. Geregelt ist dein gesetzlicher Anspruch auf das Zeugnis im Berufsbildungsgesetz (BBiG): 

§ 16 Zeugnis

(1) Ausbildende haben den Auszubildenden bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses ein schriftliches Zeugnis auszustellen. Die elektronische Form ist ausgeschlossen. Haben Ausbildende die Berufsausbildung nicht selbst durchgeführt, so soll auch der Ausbilder oder die Ausbilderin das Zeugnis unterschreiben.

(2) Das Zeugnis muss Angaben enthalten über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der Auszubildenden. Auf Verlangen Auszubildender sind auch Angaben über Verhalten und Leistung aufzunehmen.


Was ist ein einfaches Ausbildungszeugnis?

Ein einfaches Arbeitszeugnis ist eine Bescheinigung über deine Ausbildung. Wie in § 16 BBiG beschrieben enthält es Angaben zu Art, Dauer des Ausbildungsverhältnis, Ziel der Ausbildung und den erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnissen und Fähigkeiten. Diese Angaben stehen üblicherweise in der Einleitung. Danach werden die Aufgaben aufgelistet, die du während deiner Ausbildung erfüllt hast. Dann folgt die Unterschrift eines Vertreters des Ausbildungsbetriebes, z. B. Geschäftsführer oder Personalleiter, sowie des Ausbilders.

Überblick: Das steht in einem einfachen Zeugnis

  • Überschrift: Ausbildungszeugnis
  • Einleitung
  • Tätigkeiten
  • Unterschrift

Beispiel für ein einfaches Arbeitszeugnis

Ausbildungszeugnis

Herr Felix Müller, geb. am 15.03.2000 in Neustadt, hat vom 01.08.2016 bis 23.07.2019 eine Ausbildung zum Industriekaufmann in unserem Unternehmen, einem Zulieferer für die Automobilbranche,  absolviert. 

Während seiner Ausbildung durchlief Herr Müller folgende Abteilungen: Einkauf, Rechnungswesen, Buchhaltung, Controlling, Marketing, Vertrieb, Versand, Personalabteilung.

Ihm wurden alle von der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Fertigkeiten und Kenntnisse für seinen Beruf vermittelt:

  • Marketing und Absatz
  • Beschaffung und Bevorratung
  • Personalwirtschaft
  • Leistungserstellung
  • Leistungsabrechnung

Neustadt, 23.07.2019
Muster GmbH
Unterschrift Personalleiter         Unterschrift Ausbilder


Dein Anspruch: Rein rechtlich muss dir dein Ausbildungsbetrieb nur ein einfaches Ausbildungszeugnis ausstellen. Da dieses jedoch keine Angaben zu deinem Verhalten und zu deiner Leistung enthält, solltest du unbedingt nach einem qualifizierten Arbeitszeugnis fragen ("Auf Verlangen Auszubildender sind auch Angaben über Verhalten und Leistung aufzunehmen."), denn dieses hat für zukünftige Arbeitgeber eine größere Aussagekraft. 



Was ist ein qualifiziertes Ausbildungszeugnis?

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis ist aussagekräftiger als ein einfaches Zeugnis, denn es enthält zusätzlich Angaben zu deiner Leistung und deinem Verhalten. Die Leistungsbeurteilung beinhaltet folgende Aspekte:

  • Ausbildungsbereitschaft
  • Ausbildungsbefähigung
  • erworbene Fertigkeiten und Kenntnisse
  • Lern- und Arbeitsweise
  • Arbeitsergebnisse
  • zusammenfassende Leistungsbeurteilung

Bei der Ausbildungsbereitschaft geht es um deinen Leistungswillen, dein Engagement und das von dir gezeigte Interesse als Azubi. Im Zeugnis steht dann zum Beispiel folgende Formulierung: Herr Müller zeigte jederzeit großes Interesse an sämtlichen Ausbildungsinhalten.

Bei der Ausbildungsbefähigung werden Kriterien wie Auffassungsgabe, Denk- und Urteilsvermögen, Belastbarkeit, Kreativität und Geschicklichkeit bewertet, zum Beispiel: Herr Müller hat eine gute Auffassungsgabe und arbeitete sich schnell in neue Aufgabengebiete ein.

Beim Arbeitserfolg werden Arbeitsmenge, Arbeitsqualität und Termintreue bewertet, zum Beispiel: Auch in Belastungsspitzen erzielte Herr Müller stets gute Arbeitsergebnisse. 

Für die zusammenfassende Leistungsbeurteilung gibt es bestimmte Formulierungen, die Schulnoten entsprechen: 

  • Note 1: Er erfüllte die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.
  • Note 2: ... stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
  • Note 3: ... zu unserer vollen Zufriedenheit.
  • Note 4: ... zu unserer Zufriedenheit.
  • Note 5: ... im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit.

In der Verhaltensbeurteilung wird auf dein Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und anderen Personengruppen (z. B. Lieferanten) geschaut. Beispielhafte Formulierung: Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war stets einwandfrei. Aufgrund seiner freundlichen und hilfsbereiten Art war Herr Müller auch bei Kunden sehr geschätzt. 

Am Ende wird üblicherweise noch auf das Bestehen der Prüfung hingewiesen. Dann folgt ein Satz zur Beendigung oder Übernahme, die Grußformel bzw. guten Wünsche und natürlich die Unterschrift. Beispielhafte Formulierung: Herr Müller hat die Abschlussprüfung vor der IHK Neustadt mit „gut“ bestanden. Nach Abschluss seiner Ausbildung übernehmen wir Herrn Müller in unsere Vertriebsabteilung. Wir freuen uns auf eine weiterhin erfolgreiche Zusammenarbeit und wünschen Herrn Müller weiterhin viel Erfolg und alles Gute, sowohl beruflich als auch privat. 

Überblick: Das steht in einem qualifizierten Zeugnis

  • Überschrift: Ausbildungszeugnis
  • Einleitung
  • Tätigkeiten
  • Leistungsbeurteilung
  • Verhaltensbeurteilung
  • Prüfung (optional)
  • Beendigungsgrund oder Hinweis auf Übernahme
  • Grußformel
  • Unterschrift

Wenn du nach deiner Ausbildung nicht von deinem Betrieb übernommen wirst, ist das qualifizierte Zeugnis ein wichtiger Bestandteil deiner Bewerbungsunterlagen. Anhand der Beurteilung von Leistung und Verhalten kann sich der neue Arbeitgeber nämlich ein viel umfassenderes Bild von dir machen als anhand eines einfachen Zeugnisses. 


Wahrheit und Wohlwollen

Bei der Erstellung von Arbeitszeugnissen gelten zwei Prinzipien: Wahrheit und Wohlwollen. Diese Prinzipien besagen, dass das Zeugnis der Wahrheit entsprechen und gleichzeitig wohlwollend formuliert sein muss. Vor diesem Hintergrund wird man in Ausbildungs- und Arbeitszeugnissen keine negative Wortwahl antreffen; vielmehr werden Leistungsmängel höflich umschrieben, weshalb sich auch schlechte Zeugnisse beim ersten Lesen erstmal ganz positiv anhören. Achte daher genau darauf, welche Formulierungen in deinem Ausbildungszeugnis stehen, denn diese machen den Unterschied zwischen einem guten Ausbildungszeugnis und einem schlechten Ausbildungszeugnis.

Ein gutes bzw. sehr gutes Zeugnis erkennst du an Zeitangaben wie immer, jederzeit und stets, an Adjektiven wie herausragend, hervorragend und außergewöhnlich, sowie an Superlativen, z. B. in bester Weise oder zur vollsten Zufriedenheit. In einem schlechten Zeugnis fehlen diese Hervorhebungen. Beispiel Integrationsfähigkeit: 

sehr gute Leistung mangelhafte Leistung
Herr Müller integrierte sich in bester Weise in das bestehende Team und lieferte stets wertvolle Beiträge.
Herr Müller integrierte sich überwiegend reibungslos in das bestehende Team und beteiligte sich an der Teamarbeit.
Hervorhebungen: in bester Weise, stets, wertvoll Hervorhebungen fehlen; "überwiegend reibungslos" ist eine wohlwollende, höfliche Formulierung für mangelndes Integrationsvermögen


Äußere Form deines Zeugnisses: Darauf musst du achten

Ein Zeugnis ist ein wichtiges Dokument. Deshalb sollte es selbstverständlich sein, dass es auf dem Briefpapier deines Ausbildungsbetriebes geschrieben ist. Das Zeugnis sollte sauber, ordentlich und frei von Rechtschreibfehlern sein. Flecken oder Eselsohren sind Tabu! Lass dir in solchen Fällen ein neues Zeugnis ausstellen.

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