Ein kurzer Blick auf das Straßenschild und meine Frage, wo denn hier der tegut… Markt ist, wird mir nach der nächsten Kurve beantwortet: Ein großer übersichtlicher Parkplatz mit mehreren Geschäften liegt vor mir. Im tegut… Markt treffe ich die Filialgeschäftsführerin Nicole Wilhelm. Sie ist, wie so viele bei tegut..., „tegutianerin“ in zweiter Generation. Ihre Mutter arbeitete bei tegut… – Nicole kannte von ihr den Markt und schloss bereits als 16-jährige Schülerin einen 50-Tage-Rahmenvertrag ab, um sich das Taschengeld aufzubessern. Zu dieser Zeit hatte sie schon ein klares Ziel vor Augen: Nach dem Abitur bewerbe ich mich für das duale tegut… Studium. Dem vorgelagert war zunächst die – durch das Abitur auf zwei Jahre verkürzte – Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel, die sie in Rödental bei Coburg absolvierte und 2004 als eine der fünf besten Lernenden abschloss. Danach folgte das Studium im achtwöchigen Wechsel zwischen der Handelsschule in Fulda und der praktischen Arbeit in verschiedenen Filialen. Nicole Wilhelm erinnert sich: „Es war für mich interessant zu sehen, dass jeder Filialgeschäftsführer seinen ganz eigenen Stil hat, Mitarbeitende zu führen.“ Auf die Frage, wo sie denn in Fulda während ihrer Ausbildung gewohnt hat und ob es überhaupt möglich ist, für so kurze Intervalle eine Wohnung zu finden, antwortet Frau Wilhelm: „Die Studierenden waren in einem evangelischen Wohnheim sehr gut untergebracht. tegut… hat nicht nur das Schulgeld, sondern auch die kompletten Kosten für Unterkunft und Verpflegung übernommen.“ In dieser Zeit war sie Klassensprecherin für die Stipendiaten-Klasse und auch Jugendauszubildendenvertreterin. „Das ist der Betriebsrat für Lernende“, fügt sie erklärend hinzu. Betriebsrätin ist sie bis heute.

Welche beruflichen Stationen hat Frau Wilhelm nach ihrem Studium absolviert?
„Das Studium habe ich mit dem „Staatlich geprüften Betriebswirt (Bachelor Professional)“ abgeschlossen, danach durfte ich sofort als Stellvertretung für die Filialgeschäftsführung in Coburg beginnen. 2009 wurde ich dann hier in Hirschaid eingesetzt, da die vorherige Filialgeschäftsführerin in Elternzeit gegangen ist.“ Heute leitet sie den 1200 m2 großen Markt mit 27 Mitarbeitenden. 


Auszeichnung: beste Ausbilderin

Im September 2013 wurde Nicole Wilhelm als beste Ausbilderin geehrt. Wie man das wird? „Ich habe immer darauf geachtet, die Lernenden gut zu betreuen und zu fördern. Es gibt jedoch auch Tage, da läuft es einfach nicht optimal – trotzdem muss man am Ball bleiben, motivieren und dafür sorgen, dass die Aufgaben erfüllt werden oder die Lernenden erfolgreich an den Grundlagenseminaren teilnehmen.“ Nicole Wilhelm war erst 26 Jahre alt, als sie Filialgeschäftsführerin wurde. War ihr Alter hinderlich? „In der Tat war es zu Beginn nicht einfach.“ Mit ihrer Arbeitsauffassung und fachlichen Kompetenz hat sie aber alle ganz schnell überzeugt. „Natürlich musste ich den richtigen Umgang mit Mitarbeitenden auch erst lernen.“


Was ist in Ihrer Filiale das Besondere?

Nicole Wilhelm berichtet von einem Schulprojekt: „Jeden Mittwoch versorgen wir zwei Schulen mit frischem Obst und Gemüse. Die Eltern schnippeln dann alles in mundgerechte Häppchen. Der Kontakt ist mittlerweile so gut, dass die Eltern auch mit speziellen Wünschen zu mir kommen: Sie wollten zum Beispiel zusammen mit den Kindern Marmelade kochen. Klar haben wir den Wunsch gern erfüllt! Ortsansässige Vereine werden von uns ebenfalls unterstützt.“


Ist denn noch Platz für Freizeit?

„Sicher, auch die muss man fest einplanen: Zum Ausgleich spiele ich Volleyball und klettere.“


Was gefällt Ihnen gut an tegut…?

„Dass ich mich mit dem Unternehmen in vollem Umfang identifizieren kann. Hier wird der Mensch geschätzt. Die Übernahme durch die Migros Anfang 2013 hat daran nichts geändert.“ Worüber sie sich zum Beispiel sehr gefreut hat: Im vergangenen Jahr wurde die Migros 125 Jahre alt und jeder bei tegut... hat zu diesem Anlass eine nette Aufmerksamkeit geschenkt bekommen! Gibt es denn auch etwas, was Sie kritisch betrachten? „Neben unserer ganz klaren regionalen Ausrichtung vermisse ich noch mehr lokale Warenangebote. Die werden sich jedoch bestimmt ebenfalls bald einstellen – denn Handel ist immer Wandel.“

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