Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) arbeiteten im April 2020 23 Prozent der deutschen Beschäftigten von zu Hause aus. Zum Vergleich: 2018 befanden sich lediglich 5,3 Prozent der Arbeitnehmer mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Homeoffice. Damit lag Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern im Mittelfeld – in Skandinavien oder den Niederlanden arbeiteten Berufstätige zum Beispiel fast ein Drittel ihrer Arbeitszeit von zu Hause aus. Es ist also noch Luft nach oben – die Statistiken könnten sich aber ohnehin bald verändern. Denn: Die Krise dauert an, wodurch jetzt im Herbst immer mehr Arbeitgeber erneut oder erstmalig auf Homeoffice setzen und auch immer mehr Universitäten und Bildungsinstitute ihr Angebot um Online-Kurse und Fernstudien erweitern.

Wenn du noch in der Ausbildung bist, musst du wissen, dass Homeoffice zwar eine Empfehlung des Bundesgesundheitsministers ist, es aber keinen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice gibt. Vielmehr hast du als Azubi Anspruch auf Ausbildung, d. h., dass dir dein Ausbilder bzw. Ausbildungsbeauftragter zur Verfügung steht und deine betriebliche Ausbildung begleitet. Wenn du im Homeoffice arbeitest, ist diese Begleitung nur bedingt möglich, weshalb auch nur ein Teil der Ausbildungsbetriebe Homeoffice für Azubis anbietet. Anders sieht es mit dem theoretischen Teil deiner Ausbildung an der Berufsschule aus: Sollte deine Berufsschule wegen Corona schließen, müssen deine Lehrer den Berufsschulunterricht als Fernunterricht organisieren und dir Lernmaterialien zur Verfügung stellen.


Arbeiten und Lernen von zu Hause aus: Vorteile

 1. Optimale Arbeitsatmosphäre und höhere Produktivität

Ein lautes Großraumbüro, ein Besprechungsraum neben einer vielbefahrenen Straße oder Menschen, die ständig quasseln, können schon einmal zur Zerreißprobe werden. Arbeitest bzw. lernst du jedoch von zu Hause aus, kannst du dir die Arbeitsatmosphäre so gestalten, wie du möchtest. Manche bevorzugen dabei absolute Ruhe, andere kommen zum Beispiel erst mit der Lieblingsmusik so richtig in die Gänge. Auch der Dresscode spielt eine kleinere Rolle. Wer sich daheim den optimalen Arbeits- und Lernraum einrichtet, arbeitet und lernt im Normalfall konzentrierter und ruhiger und schafft somit mehr als sonst.

2. Die Arbeitszeiten frei wählen

Wie im Arbeits-, Ausbildungs- und Studienalltag gibt es auch im Homeoffice Termine, an denen du per Telefon oder Videokonferenz teilnimmst, wie Besprechungen, Teammeetings, Treffen mit deiner Lerngruppe etc.  Außerhalb dieser Termine kannst du deine Zeit meist relativ frei einteilen und an deinen Biorhythmus anpassen. Bist du ein Frühaufsteher, der schon um 6 Uhr den Bleistift spitzt oder eine Nachteule, die erst am Abend so richtig auftaut? Oder hättest du gerne eine längere Mittagspause, um einen Spaziergang machen zu können, um den Kopf frei zu bekommen? All das lässt sich im Homeoffice meist gut realisieren. Auch bei einem Fernstudium bist du nur teilweise an vorgegebene Online-Vorlesungen und Kurszeiten gebunden; zu einem großen Teil kannst du dir den Stoff in deinem individuellen Tempo und zu deiner Lieblingszeit erarbeiten. 

3. Geld und Zeit sparen

Im Homeoffice fällt nicht nur jene Zeit weg, die du täglich für die Wegstrecke zum Betrieb, zur Berufsschule oder zur Hochschule einkalkulieren musst, sondern auch das Geld, das für Benzin oder Busticket zu bezahlen ist. Die dadurch gewonnene Zeit kannst du nicht nur nutzen, um früher Feierabend zu machen, sondern auch, um zum Beispiel ein aufwendigeres Gericht zu kochen oder eine Runde laufen zu gehen. Das gesparte Fahrtgeld kannst du wiederum für andere Dinge ausgeben.

4. Familie und Beruf gut unter einen Hut bringen

Wer bereits eine eigene Familie hat, kann das familiäre Leben im Homeoffice oft besser mit dem Beruf oder den Lerneinheiten verbinden. Das beginnt beim gemeinsamen Frühstücken, für das du dir nun mehr Zeit nehmen kannst, weil die Fahrtzeit wegfällt, und geht bis hin zur Kinderbetreuung, die sich damit ebenfalls flexibler gestalten lässt.

5. Der Umwelt Gutes tun

Wenn du von zu Hause aus arbeitest oder lernst, tust du auch der Umwelt etwas Gutes: Je mehr Menschen Homeoffice in Anspruch nehmen können, desto weniger Autos sind schließlich auf den Straßen unterwegs. Der Pendlerverkehr wird damit gemindert und sogar der Trend, in Großstädte zu ziehen, könnte ein Stück weit gebremst werden. Denn: Im Homeoffice spielt es keine Rolle , ob du auf dem Land oder in der Stadt bist – die zu verrichtende Arbeit bzw. der zu lernende Stoff bleiben dieselben. 

Arbeiten und Lernen von zu Hause aus: Herausforderungen meistern

1. Ablenkungen vermeiden

Egal ob du arbeitest, noch in der Ausbildung bist oder studierst: Chef, Kollegen, Mitauszubildende, Kommilitonen und andere verlassen sich darauf, dass die Arbeit im Homeoffice genauso weitergeht wie bisher und dass du deine Aufgaben termingerecht erledigst. Sorge deshalb für eine gute Kommunikation und Erreichbarkeit. Egal ob der Plausch mit der Nachbarin, das kurze Einkaufen in der Mittagspause, welches zu einer längeren Shoppingtour wird oder die Lieblingsserie, von der du eigentlich nur eine Folge schauen wolltest - wenn du zu den Menschen gehörst, die sich schnell ablenken lassen, machst du dir am besten gleich in der Früh einen Plan mit allen To-dos. Erst wenn diese abgearbeitet sind, dürfen der Fernseher eingeschaltet, die Social-Media-Plattformen gecheckt und die privaten E-Mails gelesen und beantwortet werden. Absolvierst du ein Fernstudium*, mach dir bewusst, dass du es selbst in der Hand hast, wie schnell du vorankommst.

2. Passende Rahmenbedingungen schaffen

Damit Arbeit, Ausbildung und Studium im Homeoffice gelingen, müssen auch die Rahmenbedingungen passen. Wichtigste Voraussetzung ist ein Ort, an dem du produktiv sein kannst. Dazu gehören nicht nur Schreibtisch und Stuhl, sondern auch ein schnelles Internet sowie Ruhe und Ordnung. Im Kinderzimmer neben dem spielenden Nachwuchs zu arbeiten bzw. zu lernen, ist beispielsweise nicht ideal. Lege deine Arbeits- bzw. Studienzeiten also besser in Zeiträume, in denen deine Kinder betreut sind oder schlafen. 

3. Arbeit und Privatleben getrennt halten

Plötzlich liegt das Kuscheltier deiner Tochter auf den Unterlagen für das nächste Meeting oder das schmutzige Sportoutfit vom letzten Jogginglauf auf dem Lehrbuch für deine nächste Prüfung - gerade im Homeoffice besteht die Gefahr, dass Arbeit und Privatleben immer mehr verschwimmen. Strukturiere deshalb deinen Tag: Ideal sind feste Zeiten, in denen du fokussiert arbeitest bzw. lernst und für andere gut erreichbar bist. Plane auch Pausen- und Essenszeiten, Zeiten für Sport und Erholung sowie Spielzeiten mit deinen Kindern in deinen Tagesablauf mit ein. 

4. Die Hausarbeit organisieren

Um produktiv zu sein, ist Ordnung wichtig. Räume daher jeden Abend deinen Arbeitsort auf. In vielen Haushalten ist es so, dass mehr Hausarbeit anfällt, je mehr Zeit man zu Hause verbringt. Teile dir Aufgaben wie Abwasch oder Müll rausbringen deshalb mit deinem Partner, deiner Familie oder deinen Mitbewohnern auf. 

5. Soziale Kontakte pflegen

Bist du über eine längere Zeit hinweg im Homeoffice oder lernst alleine von zu Hause aus, so können deine sozialen Kontakte darunter leiden. Die Mittagspausen mit den Kollegen bzw. Mitauszubildenden fallen aus, die gemeinsamen Stunden mit deinen Kommilitonen in der Bibliothek ebenso. Gut, dass es eine Reihe an Online-Tools gibt, die virtuelle Treffen möglich machen. Neben Telefongesprächen oder Videokonferenzen mit deiner Arbeitsgruppe kannst du diese Online-Tools auch gut privat nutzen und dich abends zum Beispiel auf einen Online-Tratsch mit deiner Freundin verabreden. 

Die Chance ergreifen und Neues lernen 

Experten zufolge könnte die Krise zu einer dauerhaften Verhaltensänderung und einer neuen An- und Abwesenheit am Arbeitsplatz führen. Daher solltest du die derzeitigen Maßnahmen nicht als Erschwernis, sondern als Chance sehen: Jetzt ergibt sich die Möglichkeit, alte Arbeits- und Lernstrukturen aufzubrechen, neue Wege zu beschreiten und mehr von zu Hause aus zu arbeiten. Auch ist die Zeit günstig, um Neues zu wagen, sich fortzubilden und sich zusätzliches Wissen anzueignen. Das klappt mit einem Fernstudium besonders gut. Die Vorteile liegen auf der Hand: Du kannst dabei zeit- und ortsunabhängig lernen, sparst dir vielerorts Studieneingangsprüfungen und kannst Beruf und Familie besser vereinbaren. Meist stehen bei Fernstudiengängen auch unbegrenzt viele Studienplätze zur Verfügung.

Die mit Sternchen (*) gekennzeichneten Verweise sind Werbelinks.

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