Bezahlung im Praktikum: Ja oder Nein?

Das Vorurteil, dass Praktikanten bis in die späten Stunden schuften, Aufgaben übernehmen, die sonst niemand machen möchte und dafür nicht einmal bezahlt werden, hält sich immer noch wacker. Die Realität sieht hingegen anders aus, denn ein Praktikum bietet sowohl Schülern als auch Studenten wertvolle Einblicke in den Arbeitsalltag und bringt die Möglichkeit mit sich, die theoretisch behandelten Themen in die Praxis umzusetzen. Dass Praktikanten nur Kaffee kochen und unliebsame Fleißarbeiten übernehmen, ist also schon einmal nicht richtig. Aber wie sieht es mit der Bezahlung aus?

Bei der Vergütung kommt es darauf an, was du genau für ein Praktikum machst, denn für die verschiedenen Praktikumsarten gibt es auch unterschiedliche Regelungen bezüglich der Vergütung.

Freiwilliges Praktikum

Möchtest du freiwillig ein Praktikum absolvieren, beispielsweise um einen Beruf kennenzulernen, Wartezeiten für Ausbildungs- oder Studienplätze zu überbrücken oder einfach, um mit der gewonnenen Erfahrung nach dem Abschluss bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz zu haben, kannst du dich freuen. Seitdem im Januar 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde, müssen nicht nur Arbeitnehmer in Voll- oder Teilzeit, sondern auch freiwillige Praktikanten mindestens mit diesem bezahlt werden, sofern bestimmte Voraussetzungen auf sie zutreffen. Mit dieser Regelung möchte der Gesetzgeber dem Ruf der billigen Arbeitskraft entgegenwirken, denn durch das Mindestlohngesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, dir ab dem 01.07.2022 mindestens 10,45 Euro brutto pro Stunde zu zahlen. Ab dem 01.10.2022 soll der Mindestlohn auf 12 Euro brutto pro Stunde steigen.

Um den Mindestlohn zu erhalten, musst du allerdings ein paar Voraussetzungen mitbringen:

  • dein Praktikum muss freiwillig sein
  • die Dauer deines Praktikums läuft länger als drei Monate
  • du bist mindestens 18 Jahre alt

Ist dein Praktikum auf eine kürzere Zeit, beispielsweise drei Wochen oder zwei Monate, angesetzt, gilt der Anspruch auf ein Entgelt nicht. Gerade kleinere Unternehmen, die den Mindestlohn für Praktikanten nicht bezahlen können, bieten deswegen häufig Praktikumsplätze für einen kürzeren Zeitraum als drei Monate an.

Achtung: Der Mindestlohn gilt zwar nur für Erwachsene, aber auch minderjährigen Praktikantinnen und Praktikanten steht eine Vergütung zu, wenn das freiwillige Praktikum länger als drei Monate dauert. Diese beträgt in der Regel die gesetzlich vorgeschriebene Mindestvergütung von Auszubildenden im ersten Jahr. Der finanzielle Ausgleich kann aber auch in Form einer Sachleistung in Höhe von bis zu 75% der Bruttovergütung erfolgen, zum Beispiel durch Fahrtkostenzuschuss oder vergünstigte Mahlzeiten in der Kantine.

Tipp: Achte darauf, dass die Vergütung in deinem Praktikumsvertrag festgehalten wird. Dadurch bist du rechtlich abgesichert!

Schul- und Pflichtpraktikum

Handelt es sich bei deinem Praktikum nicht um ein freiwilliges Praktikum, sondern wird dies von der Schule oder Hochschule vorgeschrieben, hast du leider nicht so viel Glück. Für diese Art von Praktika gelten die gesetzlichen Regelungen des Mindestlohns nämlich nicht, egal wie lange die Dauer ist. Unternehmen stehen damit nicht in der Pflicht, ihren Praktikanten Gehalt zu zahlen, wenn es sich um ein Pflichtpraktikum handelt.

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Kein Anspruch auf Praktikumsvergütung - was nun?

Nur, weil bei deinem Praktikum eine Bezahlung nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, bedeutet das nicht grundsätzlich, dass du gar keine Entlohnung bekommst. Es heißt lediglich, dass sie nicht so hoch sein muss wie der Mindestlohn, aber natürlich sein kann. Dass du für deine Arbeit gar nicht bezahlt wirst, ist vor allem bei Studentenpraktika relativ selten. Die meisten Unternehmen zahlen eine kleine Vergütung. Diese liegt bei freiwilligen Praktika unter drei Monaten und Pflichtpraktika durchschnittlich um die 940 Euro monatlich. Allerdings hängt das Entgelt zum einen von deinen Qualifizierungen - ein Student in der Mitte seines Studiums wird sicherlich mehr Geld bekommen als ein Schüler der 8. Klasse - und zum anderen von der Größe des Praktikumsbetriebs ab. Top-Unternehmen werden auch hier mehr zahlen als kleinere und mittelständische Betriebe.

Um sicherzugehen, ob und wie viel du bekommst, solltest du dir den Praktikumsvertrag genau anschauen, denn dort sind alle Regelungen bezüglich des Verdiensts, der Arbeitszeit oder auch des Urlaubs festgehalten.

Und selbst wenn es so sein sollte, dass der Arbeitgeber dir keinen Lohn zahlt: Als Praktikant sollte es dir nicht darum gehen, das große Geld zu verdienen, sondern wertvolle Berufserfahrung zu sammeln, die dir im Berufsleben weiterhilft und dich auf der Karriereleiter ein Stückchen voranbringt.