Betriebliches Lernen individuell gestalten

Jeder Mensch lernt anders. Daher ist es unumgänglich, dass Sie als Ausbilderin bzw. Ausbilder auf die individuellen Bedürfnisse Ihrer Auszubildenden eingehen. Es gibt auf der einen Seite verschiedene Lernstile und auf der anderen Seite noch viel mehr verschiedene Methoden, die Sie nutzen können, um den Ausbildungserfolg zu sichern und Ihre Azubis ans Ziel zu bringen.

Lerngruppe
Lerngruppe © wayhomestudio auf Freepik

Inhalt:

  • Hintergrundwissen: Welche Lerntypen gibt es?
  • Tipps: Wie können Ausbilderinnen und Ausbilder das betriebliche Lernen eines jeden Auszubildenden individualisieren?
  • Vorteile: Warum ist es überhaupt wichtig, Azubis individuell zu fördern?

Hintergrundwissen: Welche Lerntypen gibt es?

Im Wesentlichen unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Lerntypen:

  • Der visuelle Lerntyp: Visuelle Typen lernen am besten, wenn sie sich etwas anschauen. Diagramme, Bilder, Videos und Texte mit beispielsweise farblichen Markierungen sind dabei ihre größten Hilfen. Optische Reize sind für diese Menschen die beste Möglichkeit, etwas im Langzeitgedächtnis zu speichern.
  • Der auditive Lerntyp: Auditive Lerntypen verarbeiten Informationen am besten, indem sie diese über das Gehör wahrnehmen. Sie hören sich Vorträge, Diskussionen, Podcasts und Ähnliches an, um so an die gewünschten Informationen zu gelangen.
  • Der kinästhetische Typ: „Learning by doing” lautet hier die Devise. Dieser Lerntyp eignet sich am einfachsten neues Wissen an, indem er Dinge ausprobiert. Experimente, Simulationen sowie praktische Übungen und Anwendungen sind für diesen Lerntypen die größten Hilfen.
  • Der kognitiv-intellektuelle Typ: Diese Personen nehmen Dinge am besten auf, indem sie, ganz klassisch, etwas lesen oder schreiben. Aufsätze, Texte und Notizen sind entsprechend das Mittel der Wahl für Personen dieses Lerntyps.

Diese vier bilden das klassische Modell der Lerntypen nach Frederic Vester. Wichtig zu beachten ist jedoch, dass viele Menschen nicht starr einer dieser Kategorie zugeordnet werden können. Je nach Lernziel kann beispielsweise eine Simulation einem auditiven Lerntypen dabei helfen, die angeeignete Theorie besser zu verstehen.


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Tipps: Wie können Ausbilderinnen und Ausbilder das betriebliche Lernen eines jeden Auszubildenden individualisieren?

  1. Ermitteln Sie Lernbedürfnisse und -ziele: Welche Fähigkeiten sollen Ihre Auszubildenden erlernen? Was für Herausforderungen und Schwierigkeiten müssen gemeistert werden? Was interessiert Ihre neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders? Nehmen Sie Ihre Azubis vom ersten Tag an gleich mit an Bord. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist hier das A und O. Je mehr Informationen Sie über Ihre Auszubildenden bekommen, desto einfacher können Sie die Ausbildung auf die einzelnen Personen abstimmen. Andersherum ist es für die Azubis, die neu in Ihr Unternehmen einsteigen, hilfreich, genau über die erforderlichen Anforderungen Bescheid zu wissen.
  2. Identifizieren Sie, zu welchen Lerntypen die neuen Auszubildenden am ehesten gehören: Im ersten Schritt haben Sie mit Ihren neuen Auszubildenden geklärt, welche Ziele am Ende des nächsten Ausbildungsabschnitts stehen. Jetzt geht es darum zu ermitteln, wie diese am effizientesten erreicht werden können. Erneut gilt: Suchen Sie das Gespräch. Wie lernen Ihre Azubis zum Beispiel für die Schule, welche Kanäle nutzen sie, um sich Informationen zu beschaffen und so weiter. Stellen Sie Aufgaben, aus denen Sie Rückschlüsse über den Lerntypen ziehen können.
  3. Bieten Sie Flexibilität bei Ihren Ausbildungsmethoden: Beobachten Sie die verschiedenen Lernstile Ihrer Auszubildenden genau. Stellen Sie basierend auf Ihren Beobachtungen eine Vielzahl von Lernmaterialien und Aktivitäten zur Verfügung, welche unterschiedliche Sinneskanäle ansprechen und die verschiedenen Lerntypen berücksichtigen.
  4. Passen Sie Ihre Ausbildungspläne an: Individualisieren Sie die Ausbildungspläne der Auszubildenden, basierend auf den zuvor identifizierten Zielen und Bedürfnissen. Berücksichtigen Sie dabei auch, dass nicht nur der Lerntyp von Person zu Person unterschiedlich ist, sondern auch das Lerntempo.
  5. Geben Sie Feedback und nehmen Sie Anpassungen vor: Geben Sie regelmäßig Feedback zu den Fortschritten jedes Auszubildenden und nehmen Sie bei Bedarf individuelle Änderungen an den Ausbildungsplänen vor. Seien Sie auch offen für Rückmeldungen von den Auszubildenden selbst und schließen Sie daraus, wo noch Optimierungspotenziale vorhanden sind. Lesetipp: Sachlich, fair und konstruktiv: Auszubildenden richtig Feedback geben
  6. Fördern Sie die Selbstständigkeit Ihrer Auszubildenden: Unterstützen Sie Ihre Nachwuchskräfte dabei, Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen. Ermutigen Sie sie, ihre eigenen Lernziele zu setzen, Ressourcen zu nutzen und selbstständig zu arbeiten, während Sie gleichzeitig Unterstützung und Anleitung anbieten. Tipp: Eine Möglichkeit, wie Sie das selbstorganisierte Lernen und das selbständige Arbeiten Ihrer Azubis fördern können, ist das Modell der vollständigen Arbeitshandlung. 

Vorteile: Warum ist es überhaupt wichtig, Azubis individuell zu fördern?

Ihre Azubis von heute sind Ihre Fachkräfte von morgen. Die Generation der Babyboomer scheidet langsam, aber sicher aus dem Arbeitsmarkt aus. Gleichzeitig kommen weniger junge Menschen nach; das Durchschnittsalter unserer Bevölkerung nimmt weiter zu. Dies führt bereits heute dazu, dass viele Unternehmen nicht genügend Arbeitskräfte zur Verfügung haben - und durch Mangel an Bewerbungen manchmal auch Azubis einstellen müssen, die nur bedingt geeignet sind. Insbesondere dann kommt die individuelle Förderung ins Spiel.
  • Die Individualisierung entspricht dem Bedürfnis der jungen Generation, die hyperindividualisierte Inhalte durch ihre Mediennutzung gewohnt ist (Empfehlungssysteme, personalisierte Werbeanzeigen etc.)
  • Indem Sie Ihre Auszubildenden vom ersten Tag an fördern, ihnen etwas bieten und vor allem zeigen, dass sie wichtig für Ihr Unternehmen sind, sorgen Sie dafür, dass sie sich willkommen und auch wertgeschätzt fühlen.
  • Es gibt so viele Menschen da draußen, die noch nie eine vernünftige Chance erhalten haben, sei es aufgrund von Beeinträchtigungen, der noch nicht perfekt beherrschten Sprache oder der schlechten Mathematik-Note auf dem Zeugnis. Durch individuelle Förderung können Sie genau diese Menschen gezielt entwickeln.
  • Die Förderung von etwas weniger geeigneten Menschen kann einen Einfluss auf Ihre Reputation als Ausbildungsbetrieb haben. Menschen in Ihrer Region oder auch darüber hinaus nehmen Sie als attraktiven, vorausschauenden Arbeitgeber wahr.
  • Der größte Vorteil der Individualisierung ist der Bindungseffekt: Menschen, in die investiert wird, entwickeln sich nicht selten zu wertvollen, loyalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.


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