Die Relevanz der Arbeitssicherheit für Azubis wird besonders deutlich, wenn man sich einmal die Zahlen der meldepflichtigen Arbeitsunfälle anschaut: In Summe verletzten sich im Jahr 2021 31.415 Auszubildende an ihrem Arbeitsplatz so schwer, dass sie länger als drei Tage arbeitsunfähig waren. Dabei fanden 85 Prozent der Arbeitsunfälle bei jungen Menschen bis zum 25. Lebensjahr statt. Ein Zeichen dafür, dass gerade in der Altersklasse intensiver am Sicherheitsbewusstsein sowie der erforderlichen Risikokompetenz gearbeitet werden sollte. In diesem Zuge sollten auch die Ausbildungsverantwortlichen und Mitarbeiter vor Ort mit eingebunden werden. 

Tipp 1: Das richtige Safety Mindset schaffen

Zunächst ist es wichtig, dass Ihre Auszubildenden das richtige Mindset verinnerlichen. Nur dann ist es möglich, die Arbeitssicherheit gezielt zu stärken. Viel zu oft halten sich Azubis nur an Regeln, weil sie es müssen. Das geht allerdings am Ziel des Arbeitsschutzes vorbei. Vielmehr sollen sie eine innere Motivation für den Arbeitsschutz entwickeln. Dann verankern sich Glaubenssätze wie "Ich möchte mich nicht mehr verletzen" oder "Meine Gesundheit ist mir wichtig" tief in ihnen. Damit sich die förderlichen Glaubenssätze festigen, sollten unsichere Verhaltensweisen angesprochen und sichere Verhaltensweisen gelobt werden. Erst dann entwickelt sich ein Safety Mindset, das auch in der Praxis Früchte trägt. 

Tipp 2: Das richtige Konzept 

Möchten Sie Ihre Auszubildenden von Anfang an für das Thema Sicherheit sensibilisieren, so ist ein Konzept wichtig, das Ihre Azubis während ihrer gesamten Lehrzeit begleitet. Für eine effektive Gestaltung ist es ratsam, wenn Personalabteilung, Ausbildungsleitung und Arbeitssicherheit zusammenarbeiten. Darüber hinaus können der Betriebsarzt und der Betriebsrat hilfreiche Beiträge leisten. Wichtig ist, dass die Beteiligten bei dem Konzept auf wiederkehrende Maßnahmen setzen sowie auf moderne Methoden des Wissenstransfers. Das Unterweisungskonzept von JWSL unterstützt Sie als Ausbilderin bzw. Ausbilder bei Ihren Unterweisungen der Azubis. Weitere Informationen dazu am Ende des Artikels.

Tipp 3: Risikokompetenz und Sicherheitsbewusstsein entwickeln 

Auch ist es sinnvoll, gleich zu Beginn der Ausbildung Maßnahmen zu ergreifen, die die Risikokompetenz und das Sicherheitsbewusstsein Ihrer Azubis schulen und stärken. So könnten Sie Workshops organisieren, in denen Azubis in Teams Arbeitsplatzrisiken identifizieren und entsprechende Schutzmaßnahmen erarbeiten. Hierbei geht es nicht um 100-prozentig richtige Ideen, sondern darum, sich Gedanken zu machen. In den weiteren Lehrjahren können Sie Ihren Auszubildenden Angebote in Erster Hilfe oder Brandschutz machen, um ihre Kenntnisse zu vertiefen und neue Fähigkeiten zu erwerben. Im finalen Lehrjahr sind zudem Projekte möglich, die Azubis bei der zugehörigen Berufsgenossenschaft, zum Beispiel im Zuge eines Wettbewerbs für Auszubildende, einreichen können. 

Tipp 4: Arbeitsschutz Mentorenprogramm 

Durch ein gutes Azubi-Programm können sich mittelfristig Personen unter den Azubis herauskristallisieren, die ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein vorweisen. Diese könnten als Botschafter für Arbeitssicherheit agieren, indem sie in Arbeitsschutzgremien mitwirken oder weiteren Neuankömmlingen als Mentor zur Seite stehen. Eine solcher Peer-to-Peer-Ansatz stärkt nicht nur die Verbindung zwischen den Azubis, sondern betont auch die Relevanz des Arbeitsschutzes im Unternehmensalltag. 

Tipp 5: Vorbild sein 

Die wirkungsvollsten Konzepte sind nur so gut wie ihre Umsetzung am Arbeitsplatz. Wenn etablierte Mitarbeitende Azubis zu unsicheren Tätigkeiten verleiten oder sicherheitsbewusstes Handeln der Jüngeren kritisieren, gerät nicht nur das spezifische Ausbildungsprogramm ins Wanken, sondern auch die gesamte Sicherheitsphilosophie. Daher ist es unabdingbar, stetig das Safety Mindset, die Organisation und die Fachkenntnisse zu stärken, so dass sich stets alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter korrekt und sicherheitsbewusst verhalten. 

Gastbeitrag von Stefan Ganzke, WandelWerker Consulting GmbH

Sicher und gesund ins Berufsleben starten

Kaum ein Thema geht so viele Auszubildende an wie „Erste Hilfe“. Daher steht das diesjährige Präventionsprogramm von Jugend will sich-er-leben (JWSL) unter dem Motto „Erste Hilfe? Ehrensache!“. Denn Unfälle können sich überall ereignen – in der Freizeit, im Berufsleben oder in der Schule. Und kaum ein Thema hat so weitreichende Folgen: Denn Erste Hilfe rettet Leben! Schon in den ersten Minuten nach einem Unfall oder einer akuten Erkrankung kann man mit einfachen Mitteln entscheidend helfen. Keine Frage: Erste Hilfe ist ein grundlegendes Thema, das in allen Betrieben und darüber hinaus relevant ist.

Das Unterweisungskonzept von JWSL unterstützt Sie als Ausbilderin bzw. Ausbilder bei Ihren Unterweisungen der Azubis. Es beinhaltet fünf Unterweisungsmodule mit unterschiedlichen Schwerpunkten aus dem Bereich „Erste Hilfe“. 

  • MODUL 1: Mut zur Ersten Hilfe - warum handeln?
  • MODUL 2: Die allgemeine Rettungskette
  • MODUL 3 TEIL 1: Erste-Hilfe-Organisation im Betrieb: Die relevanten Personen
  • MODUL 3 TEIL 2: Erste-Hilfe-Organisation im Betrieb: Ausstattung und organisatorische Aspekte
  • MODUL 4: Notfall im Betrieb - wie handle ich richtig?
  • MODUL 5: Mögliche Situationen für Erste Hilfe

Die Module geben Ihnen Impulse für die Unterweisung im Betrieb, lassen jedoch auch Spielraum für Ihre eigene Ausgestaltung und bieten Anregungen, wie Sie das Thema Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vermitteln können. Sie können das JWSL-Konzept hier einfach herunterladen und direkt einsetzen.

Mehr im Web unter www.jwsl.de/fuer-ausbildende/unterweisungskonzept





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