Ausbildung in Polen

In Polen leben rund 38,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in 16 Woiwodschaften (Regierungsbezirke). Die Landessprache ist Polnisch. Neben Deutschland grenzt Polen auch an Russland, Litauen, Weißrussland, die Ukraine, die Slowakei und Tschechien. Im Norden brechen die Wellen der Ostsee an der polnischen Küste.
Die polnische Wirtschaft zeichnet sich vor allem als günstiger Fertigungsstandort für internationale Unternehmen aus, zum Beispiel hat sich das Land zum größten Produktionsstandort für E-Haushaltsgeräte in Europa entwickelt. Auch zahlreiche deutsche Handelspartner profitieren von den Bedingungen: Jeden Tag transportieren unzählige LKW Waren zwischen Deutschland und Polen hin und her. Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen gehören unter anderem die Lebensmittelindustrie, der Bergbau und der Energiesektor. Auch die Branchen Elektrotechnik, Fahrzeugbau und die Textilindustrie sind sehr präsent. Für junge Frauen und Männer bedeutet dies vor allem eins: Ohne Ende berufliche Möglichkeiten für eine Ausbildung im Ausland, denn auch in Polen gibt es ein duales Ausbildungssystem!

Seit 2021 ist das Ministerium für Bildung und Lehre für die berufliche Bildung zuständig. Die Grundvoraussetzung für eine Berufsausbildung ist die abgeschlossene Sekundarstufe I nach acht Jahren, die in Polen als Grundschule bezeichnet wird. Im Anschluss haben Mädels und Jungs die Wahl zwischen folgenden Schulformen im Sekundarbereich II:

  • Berufsschule 1. Grades und 2. Grades (Grundstufe und Aufbaustufe)
  • Technikum
  • Allgemeinbildendes Lyzeum

Berufsschule 1. Grad: branżowa szkoła I stopnia – BSI

An Berufsschulen des ersten Grades können Mädels und Jungs zwischen der dualen beruflichen Grundausbildung und der schulischen Ausbildung wählen. Du verfolgst hier entweder die Ausbildung zum Gesellen im Handwerk oder eine Ausbildung als Facharbeiter bzw. Fachangestellter außerhalb des Handwerks. In der Regel befindest du dich in der Berufsschule in einem Klassenverbund, in dem alle die gleiche Ausbildung machen. Es gibt aber auch sogenannte Mehrberufsklassen, in denen der Unterricht aus mehreren Berufen vereint wird. Je nachdem, welche Ausbildung du absolvierst, erreichst du dann eines der folgenden Zertifikate:

  • Handwerksbrief als Geselle (czeladnik)
  • Diplom als Fachangestellter bzw. Facharbeiter (kwalifikacja zasadnicza zawodowa)

Duale Grundausbildung

Die duale berufliche Grundausbildung dauert drei Jahre. Mädels und Jungs lernen im wöchentlichen Wechsel allgemeinbildende Fächer und berufsspezifische Theorie in der Berufsschule und die praktischen Kenntnisse im Ausbildungsbetrieb.

Schulische Ausbildung

Die schulische Ausbildung dauert ebenfalls drei Jahre, findet vollständig an der Berufsschule statt und vereint allgemeinbildende Fächer mit berufstheoretischem sowie berufspraktischem Unterricht. Letzterer wird beispielsweise in Schulwerkstätten abgehalten. Zudem sind Berufspraktika Teil der schulischen Ausbildung.

Berufsschule 2. Grades: branżowa szkoła II stopnia – BSII

Als Absolventin bzw. Absolvent der Berufsschule ersten Grades steht dir die schulische Ausbildung an der Berufsschule zweiten Grades offen. Innerhalb von zwei Jahren baust du deine Fähigkeiten weiter aus und bildest dich auf der Ebene des Technikers bzw. einer vergleichbaren Berufsqualifikation außerhalb des Handwerks weiter. Außerdem erhältst du ein Zertifikat zum Abschluss der Sekundarstufe II. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, an einer Abiturprüfung teilzunehmen, um danach ein Hochschulstudium aufzunehmen.

Technika: Technikum

Die Ausbildung an einer technischen Berufsschule, auf Polnisch „technikum“, dauert fünf Jahre. Diese Ausbildungsvariante steht dir bereits nach Abschluss der Sekundarstufe I offen. Die Schülerinnen und Schüler erlangen mehrere Abschlüsse: Zum einen erhalten sie ein Abschlusszeugnis und ein Diplom als Techniker, zum anderen ein Abiturzeugnis, das Absolventinnen und Absolventen zu einem Studium berechtigt.

Allgemeinbildendes Lyzeum und Weiterbildung

Das Lyzeum entspricht dem allgemeinbildenden Gymnasium in Deutschland und wird vier Jahre, also die gesamte Sekundarstufe II, besucht. Nach deinem Abschluss im Lyzeum bieten sich dir zwei Möglichkeiten zur weiteren Ausbildung:

  • Post-lyzeale Schule
  • Berufsqualifikationskurse

Bei beiden Varianten schließt du mit einem Abschlusszeugnis der jeweiligen Ausbildungsform und einem Diplom zur Erlangung des Berufstitels ab.

Post-lyzeale Schule: Szkoły policealne

In der post-lyzealen Schule erwirbst du Kenntnisse und Fähigkeiten in einem bestimmten Beruf. Nach einem Jahr hast du das Niveau eines Fachangestellten bzw. Facharbeiters erreicht, nach zwei bis zweieinhalb Jahren das Niveau eines Technikers.

Berufsqualifikationskurse: kwalifikacyjny kurs zawodowy – KKZ

Absolventinnen und Absolventen des Lyzeums können auch in Berufsqualifikationskursen ihre Fähigkeiten in einem bestimmten Beruf entwickeln. Diese Kurse müssen mindestens 65 Prozent der Mindeststundenanzahl eines Ausbildungsberufs im Sekundarbereich II abdecken. Sie dauern zwischen einem und zweieinhalb Jahren.

Meister im Handwerk: mistrz

Nach den Abschlüssen deiner Berufsausbildung besteht für dich die Möglichkeit, das sogenanntestr Dyplom Mistrzowski (Meisterbrief) zu erlangen. Dafür musst du bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Wenn du die Sekundarstufe II abgeschlossen, aber keine Berufsausbildung absolviert hast, benötigst du sechs Jahre Berufserfahrung. Mit einem Abschluss als Facharbeiter bzw. Geselle musst du drei Jahre Berufserfahrung nachweisen. Als Techniker werden zwei Jahre und mit einem Abschluss von einer Hochschule oder einer Meisterprüfung ein Jahr Berufserfahrung vorausgesetzt, damit dir der Meisterbrief verliehen wird.

Besonderheiten

Jede Berufsschulform stattet dich mit zwei Zeugnissen aus. Du erhältst das Abschlusszeugnis der jeweiligen Schulform und ein Diplom mit deiner Berufsbezeichnung. Dies kann entweder ein Diplom außerhalb des Handwerks oder ein Gesellenbrief sein.

Ausbildungsvergütung

Die duale Ausbildung in Polen wird vergütet, allerdings gibt es keine gesetzlich geregelte Mindestvergütung. Unternehmen entscheiden also selbst über die Höhe der Bezahlung. In der Regel beträgt die Vergütung je nach Lehrjahr zwischen fünf und sieben Prozent des durchschnittlichen Monatsentgelts in Polen.

Du interessierst dich für eine Ausbildung in Polen, musst aber erst herausfinden, welcher Beruf zu dir passt? Unser Berufs-Check zeigt dir nach wenigen Minuten, welche Ausbildungen sich bei deinen Schwächen und Stärken eignen. Du möchtest lieber von deiner Familie und deinen Freunden eingeschätzt werden? Dann probiere unseren Stärken-Check!

Leben in Polen © udmurd_PL | Canva

Leben in Polen

Polen hat für junge Menschen eine Menge zu bieten. Das Land zeigt eine spannende Mischung aus idyllischer, weiter Landschaft und pulsierenden Städten. Zu den größten Städten gehören die Landeshauptstadt Warschau (Warszawa) sowie die Metropolen Krakau (Kraków), Lodz (Łódź), Breslau (Wrocław) und Posen (Poznań). Dort lockt vor allem am Wochenende das Nachtleben mit einer hervorragenden Bar-, Kneipen- und Clubszene die Menschen in die Stadt. Tagsüber laden die zahlreichen Boutiquen und Bekleidungsgeschäfte zum ausgiebigen Shopping ein. Viele dieser Geschäfte sind auch sonntags geöffnet.

Aber nicht nur die Städte ziehen viele Touristen in die Nation. Polen ist eines der seenreichsten Länder der Welt und hat neben Strand und Meer auch große Waldgebiete und Gebirge zu bieten, zum Beispiel liegen ein Teil der Karpaten sowie die Sudeten in Polen. Sportsfreunde können sich in dem Land richtig austoben. Fußball gehört zu den beliebtesten Sportarten des Landes, aber auch Wintersport wird begeistert ausgeübt: Ob Skispringen, Snowboarden und Eisschnelllauf – für Adrenalinjunkies ist auf jeden Fall etwas dabei. Wassersportarten erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit. Wer es also etwas entspannter mag, für den ist eine Kajaktour, Schwimmen oder Angeln sicherlich eine gute Wahl.

Vielfalt wird in der polnischen Küche großgeschrieben! Von deftig bis leicht und von salzig bis süß hast du hier eine große Auswahl an leckeren Gerichten. Fischgerichte stehen auf jeder polnischen Speisekarte, zum Beispiel die Festtagsspeise „Ryba po grecku“ – Fisch in einer Soße aus Karotten, Sellerie und Zwiebeln und verschiedenen Gewürzen – oder die traditionell schlesischen „Häckerle“ – feingehackter Matjes, der mit gekochtem Ei, Speck, Zwiebeln und Gewürzgurken vermengt und dann auf Brot oder mit Pellkartoffeln serviert wird. Zu den Nationalgerichten der Polen zählen vor allem Pierogi (gefüllte Teigtaschen), Gołąbki (Kohlrouladen) und Bigos (Krauteintopf). Beliebte unalkoholische Getränke sind Tee, Kaffee und Mineralwasser. Das Nationalgetränk ist allerdings Wodka, der bereits seit Beginn des 15. Jahrhunderts hergestellt wird.

Fakten über Polen
  • Die Noten in Polen sind genau umgekehrt zum deutschen System: Die beste Note ist eine 6, die schlechteste eine 1.
  • Mehr als 85 Prozent der Bevölkerung gehören zur katholischen Kirche.
  • Rund 60 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner Polens leben in Städten. Das Land ist also nicht sonderlich stark urbanisiert.

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