Qualitätsoffensive für eine bessere Pflegepraxis

Als überfällige Antwort auf Pflegenotstand und zunehmendem Fachkräftemangel sieht Dieter Sicking, Geschäftsführer der Zertifizierungsgesellschaft AUBI-plus, die Einführung des Ausbildungssiegels. „Mit der generalistischen Ausbildung, die ab 2020 die Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege verbindet, sind die Weichen für die Nachwuchssicherung in der Pflege neu gestellt worden. Doch diese Reform wird ihr Ziel verfehlen, wenn sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege nicht nachhaltig verbessern und die Qualität der Pflegeausbildung nicht stimmt“, so Sicking. Deswegen sei es jetzt an der Zeit, eine Qualitätsoffensive für eine Top-Pflegeausbildung auf betrieblicher Ebene zu starten.


Fundierte Standortbestimmung der Pflegeausbildung

Mit einem praxiserprobten Evaluationsverfahren bietet AUBI-plus Pflegeschulen, Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen die Chance zu einer fundierten Standortbestimmung ihrer Pflegeausbildung. „Mit unserem Verfahren stellen wir den Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen ein pragmatisches Instrument zur Verfügung, um ihre Ausbildungsqualität ganzheitlich zu analysieren und gezielt weiterzuentwickeln“, betont Dorothea Piening, wissenschaftliche Leiterin bei AUBI-plus. Das Verfahren unterstütze die Einrichtungen dabei, wichtige konzeptionelle und organisatorische Weichen für die Ausbildungspraxis zu stellen, nicht nur mit Blick auf die Umsetzung der generalistischen Pflegeausbildung, unterstreicht Piening. Denn, so Piening weiter, „nur eine gute Ausbildung ist letztlich eine attraktive Ausbildung“.


Auch Auszubildende werden befragt

Bei der Zertifizierung werden bis zu 84 Qualitätskriterien der Ausbildung genauer unter die Lupe genommen. Das Gütesiegel erhält, wer eine Mindestpunktzahl erreicht. Kern des Verfahrens ist eine 360-Grad-Befragung aller an der Pflegeausbildung Beteiligten. Neben den Lehrkräften der Gesundheits- und Pflegeschulen und den Praxisanleitern in den Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen werden auch Auszubildende und ehemalige Azubis an der Bewertung beteiligt.


Auszubildende fühlen sich wertgeschätzt

Zu den ersten zertifizierten Einrichtungen gehört die Neusser St. Augustinus Gruppe, mit 5.700 Mitarbeitern größter Arbeitgeber am Niederrhein. Simone di Piazza, HR Beraterin und Recruiterin der Gruppe, zeigt sich mit dem Verfahren hochzufrieden: „Wir wollten eine unabhängige und objektive Bewertung unserer Pflegeausbildung in unseren vier Kliniken und acht Pflegeeinrichtungen. Die haben wir erhalten. Jetzt wissen wir genau, was wir bereits gut machen, aber auch, was wir unbedingt verbessern müssen, damit unsere Ausbildung weiterhin auf einem hohen Niveau bleibt und allen kommenden Anforderungen im Gesundheitswesen entspricht.

Laut di Piazza hat die Zertifizierung bereits jetzt ein tolles Ergebnis erzielt. „Alle, die bei der Befragung mitgemacht haben, fühlen sich sehr ernst genommen und wertgeschätzt. Sie haben zu Recht den Eindruck, dass uns eine gute Ausbildung wichtig ist, denn wer als Unternehmen in die Ausbildung investiert, investiert in die zukünftigen neuen Kolleginnen und Kollegen“.

Weitere Informationen zu dem neuen Gütesiegel sind im Internet unter www.bestplacetolearn.de/qualitaetsaudit-pflegeausbildung/ abrufbar.

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