Mentale Gesundheit von Azubis fördern: Tipps für Ausbilder
Die mentale Gesundheit von Auszubildenden ist zunehmend gefährdet. Hoher Leistungsdruck, Prüfungsangst, private Sorgen oder das ständige Gefühl, „funktionieren zu müssen“, belasten viele junge Menschen. Für Sie als Ausbilderin oder Ausbilder bedeutet das: Frühzeitig Warnsignale erkennen und ein gesundes Arbeitsklima schaffen, um Überforderung, Burnout oder Ausbildungsabbrüche zu verhindern.
Psychische Erkrankungen und Belastungen sind bei jungen Erwachsenen weit verbreitet und nehmen zu. Dies zeigt sich in steigenden Fehlzeiten, Burn‑out‑Raten und subjektivem Stress. Ausbilderinnen und Ausbilder stehen vor der Herausforderung, gesundheitsfördernde Strukturen und Unterstützungsangebote für junge Mitarbeitende bereitzustellen.
Woher kommen die Belastungen?
Azubis, die zwischen Betrieb und Berufsschule pendeln und gleichzeitig Erwartungen von Eltern, Lehrkräften und Ausbildern erfüllen sollen, geraten schnell an ihre Grenzen. Psychische, physische, soziale und/oder organisatorische Belastungen können sich gegenseitig verstärken.
- Doppelbelastung: Betrieb und Berufsschule werden von vielen Azubis als Doppelbelastung erlebt, weil zwei unterschiedliche Systeme mit eigenen Anforderungen parallel laufen.
- Leistungs- und Prüfungsdruck: Azubis müssen im Betrieb sowie in der Schule Leistungen zeigen. Prüfungsangst oder das Gefühl, ständig „funktionieren zu müssen“, steigern den Stress.
- Anpassungsleistung: Zwei unterschiedliche Rollen gleichzeitig auszufüllen – Nachwuchskraft im Betrieb, Schüler in der Berufsschule – bedeutet ständige Anpassung und einen entsprechenden Energieaufwand.
- Unsicherheiten und Zukunftsängste: Die Sorge um eine Übernahme nach der Ausbildung, weitere Karrieremöglichkeiten oder wirtschaftliche Krisen kann belastend sein.
- Private Probleme: Familiäre Konflikte, finanzielle Sorgen oder gesundheitliche Probleme im Umfeld erhöhen die psychische Belastung.
- Mangelnde soziale Unterstützung: Fehlende Ansprechpartner im Ausbildungsbetrieb, fehlende Integration ins Team oder ein schlechtes Betriebsklima können Stress verschärfen.
Welche Warnsignale gibt es?
Frühzeitiges Erkennen kann verhindern, dass sich Belastungen verschärfen. Achten Sie bei Ihren Azubis deshalb auf folgende Signale:
- Überforderung bei einfachen Aufgaben
- Häufige kurze Krankmeldungen
- Rückzug aus Teamaktivitäten
- Leistungsabfall im Betrieb oder in der Berufsschule
- Reizbarkeit oder emotionale Ausbrüche
Was können Ausbilder*innen tun?
Als Ausbilderin bzw. Ausbilder können Sie entscheidend dazu beitragen, dass Ihre Azubis gesund, motiviert und leistungsfähig bleiben. Die folgenden Empfehlungen fassen die wichtigsten Strategien zusammen:
- Wertschätzung und Anerkennung: Zeigen Sie Ihren Azubis Wertschätzung durch Lob, Einbindung in Arbeitsprozesse und die Anerkennung besonderer Leistungen. Respekt und ein fairer Umgang innerhalb des Teams tragen entscheidend zur psychischen Gesundheit bei.
- Individuelle Unterstützung: Gehen Sie auf Lernschwierigkeiten, Prüfungsangst oder private Belastungen ein. Ermöglichen Sie gemeinsame Lernzeiten, Lerncoaching oder flexible Arbeits- und Lernzeiten, um Überforderung zu vermeiden. Bei Anzeichen von Burnout oder anhaltender Überlastung können Gespräche mit externen Beratungsstellen sinnvoll sein.
- Offene Kommunikation und Feedback: Schaffen Sie ein vertrauensvolles Klima, in dem Azubis über Sorgen, Belastungen oder Herausforderungen sprechen können. Regelmäßige Feedback- und Mentoringgespräche helfen, Probleme früh zu erkennen, Orientierung zu geben und Unsicherheiten abzubauen. Eine konstruktive Fehlerkultur, bei der Fehler offen besprochen werden, reduziert Angst und stärkt das Vertrauen.
- Gesundheitsförderung im Betrieb: Frühzeitige Unterstützung reduziert Krankheitsfälle und stärkt Motivation und Wohlbefinden. Machen Sie Ihren Azubis Angebote wie Coachings, Workshops zur Stressbewältigung, Betriebssportgruppen etc. Achten Sie auf regelmäßige Pausen. Wenn es Ihre Räumlichkeiten ermöglichen, können Sie auch einen Entspannungsraum (sog. Snoezelraum) einrichten.
- Resilienz und Selbstwirksamkeit: Unterstützen Sie Ihre Azubis darin, Herausforderungen aktiv zu bewältigen. Kleine Erfolge sichtbar zu machen, fördert Selbstvertrauen und Motivation. Vermitteln Sie Strategien, mit Druck umzugehen und Probleme lösungsorientiert anzugehen.
- Soziale Integration und Teamkultur: Eine positive Willkommenskultur von Beginn an, intensive Betreuung zu Ausbildungsstart, Mentoren- oder Buddy-Systeme sowie gut geplante Abteilungswechsel fördern Zugehörigkeit und Sicherheit. Soziale Netzwerke im Betrieb stärken die mentale Stabilität und beugen Isolation vor.
- Positive Rahmenbedingungen schaffen: Planen Sie die Ausbildung gut, stellen Sie ausreichend fachlich kompetentes Personal bereit und sorgen Sie für gut ausgestattete Arbeitsplätze. Klare Strukturen, realistische Erwartungen und eine faire Aufgabenverteilung reduzieren Stress und geben Orientierung.
Mit mentalen Belastungen erfolgreich umgehenEvent-Tipp: Beim 11. DEUTSCHEN AUSBILDUNGSFORUM (DAF), dem Fachevent für mehr Qualität in der betrieblichen Ausbildung (19. und 20. Mai 2026 im Kaiserpalais Bad Oeynhausen), thematisieren mehrere Beiträge, wie Ausbilderinnen und Ausbilder mit den mentalen Belastungen ihrer Azubis umgehen und eine gesundheitsfördernde Ausbildungskultur etablieren können. Ausgewählte Programmpunkte:
Das vollständige Programm finden Sie unter www.deutsches-ausbildungsforum.de/programm/ |
Fazit
Letztlich ist es die Kombination aus frühzeitigem Erkennen von Belastung, offener Kommunikation, individueller Unterstützung und präventiver Unternehmenskultur, die dafür sorgt, dass Azubis gesund, motiviert und leistungsfähig bleiben. Ausbilderinnen und Ausbilder spielen dabei eine Schlüsselrolle. Wer Warnsignale ernst nimmt, Resilienz fördert und ein unterstützendes Umfeld schafft, schützt nicht nur vor Überforderung und Krankheitsfällen, sondern sorgt auch dafür, dass Auszubildende die Ausbildung erfolgreich und mit Freude abschließen.
Gut zu wissen: Die mentale Gesundheit von Azubis ist übrigens auch Teil der BEST PLACE TO LEARN-Zertifizierung. Hier werden Ausbildungsverantwortliche, Azubis, dual Studierende und Alumni zu relevanten Gesundheitsaspekten befragt, darunter:
- Physisches Wohlbefinden (z. B. Angebote zur Gesundheitsförderung)
- Arbeitsbelastung (z. B. Überstunden)
- Soziale Integration und Unterstützung (z. B. Willkommenskultur, Teamklima)
- Wertschätzung und Anerkennung (z. B. Lob für Leistungen)
- Feedback und Orientierung (z. B. regelmäßige Rückmeldungen)
- Unterstützung bei Lernschwierigkeiten (z. B. individuelle Hilfen)
- Intensität der Betreuung (z. B. Zeit und Aufmerksamkeit der Ausbilder*innen)
Tipp: Auf der BEST PLACE TO LEARN-Webseite können Sie unverbindlich prüfen, ob eine Zertifizierung für Ihren Betrieb infrage kommt.
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