Warum ist eine gute Lernortkooperation so wichtig?
Ziel der Ausbildung ist es, den Auszubildenden umfassende Handlungskompetenzen zu vermitteln sowie das selbstständige Planen, Durchführen und Kontrollieren von Arbeitsaufgaben zu lehren. Somit sollen die jungen Menschen möglichst vielfältige Fähigkeiten für ihren beruflichen Werdegang erwerben. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Besuch der Berufs- bzw. Hochschule unerlässlich. Hier wird den Auszubildenden das theoretische Fachwissen zu dem Ausbildungsberuf, den sie erlernen möchten, vermittelt.

In der Praxis agieren Betrieb und Berufs- bzw. Hochschule allerdings stellenweise noch autark nebeneinander. Nur selten entsprechen die Lerninhalte den betrieblichen Abläufen, was bei den Auszubildenden unter Umständen zu Unverständnis oder sogar schlechten Noten führen kann. Zusätzlich kommt es hin und wieder vor, dass Auszubildende die Schule nicht besuchen bzw. den Unterricht „schwänzen“. Oder umgekehrt, dass Ausbilderinnen und Ausbilder ihre Azubis vom Berufsschulbesuch abhalten. Dies hat zur Folge, dass das Ausbildungsziel nicht erreicht werden kann.

Heutzutage liegt der Fokus der Lerninhalte außerdem auf der Vermittlung von berufstypischen Arbeitsprozessen. Umso wichtiger ist es also, dass diese Inhalte in Theorie und Praxis übereinstimmen, sodass es den Auszubildenden möglich ist, die Gesamtheit der Abläufe zu verstehen sowie die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse des Berufes herleiten und anwenden zu können.

Durch den regelmäßigen Austausch zwischen Betrieb und Berufs- bzw. Hochschule erhalten sowohl das Ausbildungspersonal als auch die Lehrkräfte einen guten Überblick über den Wissensstand der Auszubildenden. So können sich die Verantwortlichen ein differenziertes Bild über die Azubis machen.
Fazit: Die Lernorte Betrieb sowie Berufs- bzw. Hochschule gehören im dualen Ausbildungssystem untrennbar zusammen. Ohne diese Lernortkooperation ist es den jungen Menschen nicht möglich, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

Wie kann eine erfolgreiche Lernortkooperation gelingen?

Vorab: Eine erfolgreiche Lernortkooperation kann nur dann gelingen, wenn sie von allen Beteiligten gewollt und getragen wird. Denn sie setzt nicht nur ein finanzielles, sondern insbesondere auch ein zeitliches Engagement voraus.

Diese drei Aspekte sollten Sie als Ausbilderin bzw. Ausbilder beherzigen

1. Pflegen Sie regelmäßig Kontakt zu den Lehrkräften Ihrer Auszubildenden
Auszubildende verhalten sich durchaus sehr unterschiedlich in der Schule und im Betrieb. Während Ihre Nachwuchskraft beispielsweise im Betrieb mit viel Engagement an die Aufgaben rangeht, ist sie in der Schule eher zurückhaltend. Stehen Sie im ständigen Austausch mit der Berufs- bzw. Hochschule, erlangen Sie Informationen über Ihre Auszubildenden aus einem ganz anderen Blickwinkel, erfahren von möglichen Problemen oder drohenden schlechten Zeugnissen. Das ermöglicht es Ihnen, ein viel differenziertes Bild der jungen Menschen zu erhalten und mögliche Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen und anzusprechen.

2. Verwenden Sie einen Verteiler
Dank der Digitalisierung haben wir heutzutage die Möglichkeit, uns ohne Unterbrechung zu vernetzen. Nutzen Sie die digitalen Medien, um stetig über den aktuellen Stand zu informieren und informiert zu werden. Dies kann beispielsweise über die Einrichtung eines Verteilers oder einer Cloud erfolgen, in welchem die Inhalte allen Kooperationspartnern zur Verfügung stehen.

Wussten Sie, dass das Berichtsheft auch virtuell geführt werden kann? Mit „BLok – Das Online-Berichtsheft“ (https://www.online-ausbildungsnachweis.de/portal/index.php?id=home) können Auszubildende ihren Ausbildungsnachweis papierlos erfassen. Anschließend geben sie diesen zur Einsicht für das Ausbildungspersonal frei.

Ausbildungsverantwortliche und Lehrkräfte haben so die Möglichkeit, die Erstellung der Nachweise online zu verfolgen und gegebenenfalls Feedback zu geben. Am Ende der Ausbildung können die Azubis dann ihr virtuelles Berichtsheft online bei den Kammern für die Zulassung zur Prüfung einreichen.

Plus: Diese Variante schont zusätzlich die Umwelt

3. Richten Sie regelmäßige Zusammenkünfte aus
Ob persönlich oder digital – nutzen sie turnusmäßige Treffen aller Ausbildungsbeteiligten sowie Lehrkräfte, um sich über aktuelle Themen auszutauschen. Von möglichen neuen Ideen und Anregungen sowie Erfahrungen bis hin zu Problemen und Maßnahmen – hier kann alles diskutiert werden.

Zusätzlich können die Lerninhalte der Schule mit der Praxis im Betrieb abgeglichen und angepasst werden. So schaffen Sie eine solide Basis für eine weitergehende Vertiefung der Lernortkooperation.

Hintergrundinfo: Lernortkooperation
Das duale Ausbildungssystem in Deutschland genießt weltweit einen sehr guten Ruf und steht wie kein anderes System für ein gelungenes Beispiel, wie Theorie und Praxis erfolgreich miteinander verbunden werden. Umgesetzt wird das Ganze durch die gemeinschaftliche Ausbildung an den verschiedenen Lernorten Betrieb, Berufsschule und überbetriebliche Ausbildungsstätte.

Nach § 2 (2) des BBIG wirken die Lernorte bei der Durchführung der Berufsbildung zusammen (Lernortkooperation). Die Ausgestaltung dieser Kooperation können die Kooperationspartner selbst definieren, mit dem Ziel, eine Abgrenzung der Ausbildungsstätten voneinander zu verhindern.

Berufsbildungsgesetz (BBiG), § 2 Lernorte der Berufsbildung

(1) Berufsbildung wird durchgeführt

1. in Betrieben der Wirtschaft, in vergleichbaren Einrichtungen außerhalb der Wirtschaft, insbesondere des öffentlichen Dienstes, der Angehörigen freier Berufe und in Haushalten (betriebliche Berufsbildung),

2. in berufsbildenden Schulen (schulische Berufsbildung) und

3. in sonstigen Berufsbildungseinrichtungen außerhalb der schulischen und betrieblichen Berufsbildung (außerbetriebliche Berufsbildung).

(2) Die Lernorte nach Absatz 1 wirken bei der Durchführung der Berufsbildung zusammen (Lernortkooperation).

Neben dem Berufsbildungsgesetz gibt es allerdings noch weitere gesetzliche Grundlagen, auf dessen Basis sich die verschiedenen Lernorte an der Planung, Durchführung und Bewertung von Lernsituationen orientieren müssen. Durch diese unterschiedlichen Verordnungen wird eine erfolgreiche Lernortkooperation jedoch schnell zur Herausforderung für die Beteiligten.

Lernortkooperationen fördern – es lohnt sich
Der Kampf um neue Auszubildende wird sich in den kommenden Jahren weiter verstärken, Unternehmen müssen tief in die Trickkiste greifen, um sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb darzustellen und junge Menschen anzuziehen. Eine nach außen sichtbare erfolgreiche Lernortkooperation wirkt sich positiv auf das Image der betrieblichen Ausbildung in Ihrem Unternehmen aus und kann, neben anderen Benefits, zu einem wichtigen Attraktivitätsmerkmal Ihres Ausbildungsbetriebs werden.

Mit unserem Gütesiegel BEST PLACE TO LEARN® bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Ihre Ausbildungsqualität auf den Prüfstand zu stellen und unter anderem zu analysieren, inwieweit Ihre Zusammenarbeit mit der Berufsschule bisher gelungen ist und wo Verbesserungspotenziale zu finden sind. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite von BEST PLACE TO LEARN.

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