AUBI-plus: Liebe Frau Klause, wir gratulieren Ihnen ganz herzlich zu Ihrer erfolgreichen Auszeichnung mit dem Gütesiegel BEST PLACE TO LEARN®! Im Rahmen der Zertifizierung wurde ihre Ausbildungsarbeit in insgesamt sieben Qualitätsbereichen untersucht. Welche Ergebnisse haben Sie am meisten überrascht? 

Jutta Klause: Am meisten überrascht bzw. eher gefreut hat mich die sehr gute Bewertung beim Punkt „Kompetenzen des Ausbildungspersonals“, da wir das Konzept für unsere Azubi-Betreuer im vergangenen Jahr neu überarbeitet haben. Es hat mich sehr gefreut zu sehen, dass dies bereits zu so einer guten Bewertung geführt hat und dass wir damit auf dem richtigen Weg sind. Arbeiten müssen wir auf jedem Fall noch an dem Bereich „Ergebnisse der Ausbildung & Perspektiven“. Hier müssen wir unsere internen Erfolgsgeschichten (von denen es einige gibt!) mehr kommunizieren und die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten transparenter machen. 

Beim Onboarding Ihrer neuen Auszubildenden wurde die soziale Integration durchweg positiv hervorgehoben. Wie stellen Sie sicher, dass neue Auszubildende gut aufgenommen werden?

Bereits vor Ausbildungsbeginn laden wir die neuen und aktuellen Auszubildenden zu einem Kennenlern-Treffen ein. So kann auch jahrgangsübergreifend ein erstes Kennenlernen stattfinden. Nach einer zweijährigen Corona-Pause konnten wir diese Veranstaltung in diesem Jahr endlich wieder durchführen. Gekoppelt war die Veranstaltung diesmal mit einem Workshop der Krankenkasse zum Thema „Fit durch die Ausbildung“. Dabei erhielten die Auszubildenden Informationen zu Themen wie „Gesunde Ernährung“, „Ergonomie“ und „Stressfreies Lernen“. Am 1. August starten wir dann mit einer Auftaktveranstaltung. Im Rahmen dieser Veranstaltung erhalten die Auszubildenden viele Informationen rund um die Ausbildung und bekommen während eines Rundgang durch das Unternehmen bereits einen Einblick in die unterschiedlichen Bereiche. Der Rundgang wird von den Auszubildenden des 2. Ausbildungsjahres organisiert und durchgeführt. Am 2. Ausbildungstag werden die Azubis von den Azubi-Betreuer*innen der jeweiligen Abteilungen abgeholt und in den verschiedenen Teams vorgestellt. Die Betreuerinnen und Betreuer sind die ersten Ansprechpersonen in den Abteilungen und stehen den Auszubildenden mit Rat und Tat zur Seite. 

Das berufliche Lernen im Betrieb zeigte sich als weitere Stärke Ihrer Ausbildungsarbeit, d. h. Sie lassen Ihre Auszubildenden überwiegend an realen Arbeits- bzw. Kundenaufträgen lernen. Wie gelingt Ihnen dies?

Wir sind davon überzeugt, dass unsere Auszubildenden am besten und am meisten lernen, wenn sie im realen Tagesgeschäft mitarbeiten können. Dies bedeutet für die Auszubildenden eine entsprechende Wertigkeit ihrer tagtäglichen Arbeit. So bekommen sie schnell ein gutes Verständnis für unsere Prozesse und erleben, welche Aktion welche Reaktion hervorruft und wie die Abteilungen miteinander verbunden sind. Wichtig ist dabei, dass sie von den Kollegen*innen in den Abteilungen entsprechend angeleitet und begleitet werden.

Auch bezüglich Ihres Ausbildungspersonals zeichneten die Stimmen Ihrer aktuellen Azubis ein positives Bild: Ausbildende hätten ein offenes Ohr, könnten gut mit Konflikten umgehen, seien fachlich kompetent und beurteilten fair. Wie stellen Sie dies sicher bzw. mit welchen Maßnahmen bereiten Sie Ihre Ausbilderinnen und Ausbilder auf ihre Aufgaben vor?

Das Wichtigste ist, dass unsere Ausbildenden Lust und Spaß an der Betreuung der Auszubildenden haben. Viele von ihnen waren selber Azubis bei uns und können sich noch gut daran erinnern, was sie gut fanden und was nicht. Wir ermöglichen es jedem Ausbildenden, den Ausbildereignungsschein zu machen, um mit dem nötigen „Handwerkszeug“ für die Auszubildendenbetreuung ausgerüstet zu sein. In jeder Abteilung, in der Auszubildende eingesetzt werden, hat sich der Ausbildende mit dem jeweiligen Ausbildungsrahmenplan auseinandergesetzt und ein Konzept erstellt, wie der Ausbildungseinsatz in der jeweiligen Abteilung abläuft. Hiermit wollen wir zum einen sicherstellen, dass alle relevanten Inhalte vermittelt werden, zum anderen gibt es einen konkreten Plan für die Auszubildenden und sie laufen nicht nur einfach im Tagesgeschäft mit. Neben dem obligatorischen Feedback-Gespräch zwischen Ausbildenden und Azubis zum Ende eines Abteilungseinsatzes bewerten die Auszubildenden ihren Einsatz in der Abteilung auch noch einmal im Hinblick auf die Organisation der Ausbildung in der Abteilung und auf die Betreuung durch die Ausbildenden. Hiermit wollen wir eine qualitativ hochwertige Ausbildung gewährleisten und uns stetig weiterentwickeln. Erstmals in diesem Jahr werden wir ein Treffen der Ausbildenden durchführen, in dem es neben ausbildungsrelevanten Themen auch um eine abteilungsübergreifende Vernetzung geht. 

„Ich finde es auch super, dass wir […] Prüfungsvorbereitungskurse haben.“ lautete eine der Freitextantworten. Was bieten Sie Ihren Nachwuchskräften sonst noch? Warum sollten sich Ausbildungsplatzsuchende für JAB JOSEF ANSTOETZ entscheiden?

Im Rahmen der Ausbildung durchlaufen unsere Auszubildenden diverse Seminare; diese unterscheiden sich teilweise abhängig vom jeweiligen Ausbildungsberuf. Grundsätzlich bieten wir neben Prüfungsvorbereitungskursen auch Warenkundeseminare, einen internen Englisch-Unterricht, Staplerscheinkurse, Business Knigge und ein Azubi-Training an, welches sich mit verschiedenen Themen beschäftigt.

Ausbildungsplatzsuchende sollten sich für eine Ausbildung bei uns entscheiden, da wir unseren Auszubildenden eine sehr umfassende und praxisorientierte Ausbildung bieten, in der sie ihre individuellen Stärken und Fähigkeiten von Beginn an mit einbringen können.

Neben den Stärken in Ihrer Ausbildungsarbeit zeigen die Ergebnisse auch Verbesserungsmöglichkeiten. Welche Entwicklungsfelder haben Sie identifiziert? Wie gehen Sie diese an?

Als Entwicklungsfelder haben wir für uns die Themen „Recruiting von Azubis“, „Planung und Gestaltung der Ausbildung“, „Ergebnisse der Ausbildung und Perspektiven“ sowie das Thema „Lernortkooperation“ definiert. Einige Themen werden wir sicherlich direkt mit Hilfe einer transparenteren Information verbessern können. Die grundsätzliche Idee ist die, dass sich unsere Auszubildenden aus dem 2. Lehrjahr (berufsübergreifend) Entwicklungsfelder aus dem Ergebnisbericht raussuchen und  zu diesen Themen im Rahmen einer Projektarbeit Ideen zur Verbesserung und dazugehörige Konzepte ausarbeiten. Diese Ideen werden sie abschließend vorstellen und im besten Fall umsetzen.

Abschließend würden wir gerne wissen, was Ihr Tipp für eine gelungene Ausbildung ist. Welche Empfehlung haben Sie für andere Ausbilderinnen und Ausbilder?

Aus meiner Sicht ist es wichtig, nah an den Auszubildenden „dran“ zu sein, sie in viele Dinge miteinzubinden und Verantwortung in gewissem Maße an sie abzutreten sowie die Ausbildung gemeinsam zu gestalten. Damit schaffen wir eine große Verbindlichkeit unserer Auszubildenden zu dem, was sie während ihrer Ausbildung tun.

Vielen Dank für das Interview!

Über die JAB ANSTOETZ Group

Die JAB ANSTOETZ Group mit Hauptsitz in Bielefeld und 1.500 Mitarbeitern weltweit ist ein mittelständisches Familienunternehmen, das seit 1946 für stilvolles Wohnen und Arbeiten mit edlen Stoffen steht. Das Sortiment des renommierten Textilverlags ist das umfangreichste der Branche und besticht durch eine einzigartige Vielfalt an Designs, Qualitäten und Farben. Mit weiteren ausgewählten Produktsparten hat JAB ANSTOETZ seine Kompetenz im anspruchsvollen Interior Design Jahr um Jahr kontinuierlich ausgebaut. Heute präsentiert sich das Bielefelder Traditionshaus als international agierende Gruppe, die mit ihren exklusiven Produkten immer wieder neue Trends setzt. Durch Handelspartner sowie eigene Niederlassungen und Schauräume ist die Unternehmensgruppe in mehr als 80 Ländern der Welt vertreten. BW Bielefelder Werkstätten sind seit 1956 in die global agierende JAB ANSTOETZ Group eingebunden und fertigen in Ostwestfalen handwerkliche Spitzenprodukte für anspruchsvolle Möbelliebhaber. 

Über das Gütesiegel BEST PLACE TO LEARN®

BEST PLACE TO LEARN ist Deutschlands Gütesiegel für die betriebliche Ausbildung. Bei der Zertifizierung werden ausbildendes Personal sowie aktuelle und ehemalige Azubis des Unternehmens umfassend befragt – selbstverständlich anonym. Die Auswertung erfolgt auf Basis der Erkenntnisse des BIBB-Forschungsverbunds und der wissenschaftlichen Arbeiten von Rauner und Piening von der Universität Bremen. Lesetipp für ausbildungsplatzsuchende Menschen: Was ist eigentlich das Gütesiegel BEST PLACE TO LEARN? Ausbildungsbetriebe, die sich für eine Zertifizierung interessieren, können unter bestplacetolearn.de informieren. 

Ausbilderinterviews im Überblick

In einer losen Interview-Reihe spricht die AUBI-plus-Redaktion mit Vertreterinnen und Vertretern von zertifizierten Ausbildungsbetrieben. Bereits erschienen:

  1. Ausbilderinterview KEB: Modernstes Lernumfeld und ein Mathe-Grundkurs
  2. Ausbilderinterview Creditreform: Sich als Menschenbegleiter verstehen
  3. Ausbilderinterview REINTJES: Moderne Ausstattung, kompetente Ausbilder
  4. Ausbilderinterview Bockermann Fritze: Stärken individuell fördern
  5. Ausbilderinterview J. Schneider: Voll dabei von Anfang an
  6. Ausbilderinterview DEHN: Beste Bedingungen von Anfang an
  7. Ausbilderinterview swt: Individuelle Entwicklung in der Ausbildung
  8. Ausbilderinterview MLP: Selbstständig und praxisnah
  9. Ausbilderinterview Landratsamt Karlsruhe: Mit einem Wir-Gefühl starten
  10. Ausbilderinterview REWE Group: Mitgestaltung und Austausch
  11. Ausbilderinterview REWE Systems: "Ausbilden, um zu übernehmen!"
  12. Ausbilderinterview JAB ANSTOETZ: Ausbildung gemeinsam gestalten

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