Teil 4: Active Sourcing

Was früher noch funktionierte, gilt heute nicht mehr: Die Schaltung einer Stellenanzeige in einer Zeitung oder Online-Jobbörse reichte für viele Personaler oftmals aus, um ausreichend Bewerbungen von Kandidaten zu erhalten. Doch der Fachkräftemangel verlangt nach neuen Wegen in der Personalgewinnung. Im Wettbewerb um die besten Talente müssen die klassischen Maßnahmen auf den Prüfstand gestellt und an die neuen Bedingungen auf dem Markt angepasst werden. 

Eine Recruitierungsmethode ist das Active Sourcing, welches sich durch eine eigenständige, proaktive Recherche, Ansprache und Rekrutierung durch einen Personalverantwortlichen auszeichnet. Mit Erfolg: Laut der Studie „Recruiting Trends 2017“ vom Staufenbiel Institut und Kienbaum nutzen 49 Prozent der befragten Unternehmen bereits Active Sourcing, um vakante Stellen in ihrem Unternehmen zu besetzen. Der Anteil der Unternehmen, die erfolgreich mit der neuen Methode Mitarbeiter gewinnen, liegt bei 71 Prozent.

Insbesondere Businessnetzwerke wie XING sind geeignete Plattformen, um Talente anzusprechen. Durch die gezielte Eingabe von Suchbegriffen werden dem Personaler Kandidaten vorgeschlagen, die das gesuchte Wort in ihrem Persönlichkeitsprofil hinterlegt haben. So kann eine breite Masse potentieller Kandidaten angesprochen werden, weshalb sich Active Sourcing einer immer größeren Beliebtheit in den HR-Abteilungen erfreut. Mit Konsequenzen: Bewerber mit guten Qualifikationen und langjähriger Berufserfahrung werden nicht nur von einem, sondern gleich von mehreren Personalverantwortlichen angesprochen.

Bei der Kontaktaufnahme sollten Personaler nicht den Fehler machen, standardisierte Nachrichten per Copy-and-Paste an eine Vielzahl möglicher Kandidaten zu senden. Dies verspricht nur wenig Erfolg und kann sogar der Arbeitgebermarke schaden. Bewerber mit einem 08/15-Satz im Anschreiben wie „mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen“ punkten schließlich auch nicht. Vielmehr ist eine individuelle Ansprache der Kandidaten gefragt, um überhaupt ein erstes Interesse an dem Unternehmen als möglicher neuer Arbeitgeber zu wecken.

Persönliche Daten, Fotos und Beiträge zu unterschiedlichen Themen: Eine Recherche in den Social-Media-Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram liefert Personalern wertvolle Informationen über derzeit durchgeführte Projekte, Auszeichnungen oder auch Hobbys eines interessanten Kandidatens und bietet die nötige Inspiration für eine individuelle Ansprache. Twitter eignet sich übrigens selbst für die Nutzung von Active Sourcing. Ähnlich wie bei XING können Personaler anhand von Hashtags einen Suchbegriff in die Maske eingeben und erhalten eine Übersicht aller Beiträge mit dem gewünschten Ausdruck.

Durch den anschließenden Austausch mit den Kandidaten erfahren Personaler dann, ob derzeit ein Wechsel in Frage kommt. Falls keine Wechselmotivation besteht, haben die Personalverantwortlichen die Möglichkeit, die Person in ihren Talentpool aufzunehmen. Sobald eine neue Stellenausschreibung vorgesehen ist, können die Personaler auf den Pool zurückgreifen und die Time-to-Hire enorm verkürzen. Ist kein geeigneter Kandidat in petto, beginnt die Suche von Neuem.

Lesen Sie auch unsere weiteren Beiträge aus der Reihe "Aktuelle Trends in der Personalgewinnung":

Teil 1: Mobile Recruiting

Teil 2: Recruitainment

Teil 3: One-Klick-Bewerbung



Lesen Sie unseren Artikel auch hier: https://www.wissen.de/aktuelle-trends-der-personalgewinnung-2

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