Was ist Job Ghosting?

Job Ghosting ist ein Phänomen, das sich in der Generation Z überproportional verbreitet hat, sowohl auf privater als auch auf beruflicher Ebene. Bis vor Kurzem stehen Sie noch in Kontakt mit einer Person und plötzlich meldet sich die Gegenseite nicht mehr. Dabei gab es keinerlei Gründe für einen Kommunikationsabbruch. Sie sind verärgert und wollen den Ghoster zur Rechenschaft ziehen – berechtigterweise. 


Endzeitstimmung macht sich breit

Bei Ihrem sowieso schon eng getakteten Zeitmanagement konnten Sie sich schließlich für einen Auszubildenden entscheiden: Der Bewerbungsprozess lief super, es gab angenehme Gespräche, im Austausch waren Sie sich mit dem Bewerber einig und zack – weg ist Ihr zukünftiger Azubi. Das ist nicht nur demotivierend für Sie, sondern sät auch viel Unmut bei den beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ebenfalls viel Arbeit in die Vorbereitungen für die Einarbeitungsphase gesteckt haben. Sie beginnen sich selbst und Ihre Arbeit in Frage zu stellen, schlaflose Nächte stehlen zusätzlich Ihre kostbare Zeit. Doch eines ist sicher und sollte Ihnen Ihre Zweifel nehmen: Das fragliche Verhalten hat die bewerbende Person zu verantworten; diese schuldet Ihnen letztendlich Rechenschaft.

Warum wurden Sie versetzt?

Zunächst einmal kann man diesbezüglich nur Mutmaßungen anstellen:

  • Zum Beispiel ist es für konfliktscheue Menschen einfacher, sich dezent aus der Affäre zu ziehen. Würden sie Ihrem Unternehmen eine Absage erteilen, bestünde die Gefahr, psychisch verletzt zu werden – was sie daher tunlichst vermeiden.
  • Des Weiteren gibt es Persönlichkeiten mit narzisstischen Zügen, die es einerseits lieben, am längeren Hebel zu sitzen und Unternehmen auf heißen Kohlen sitzen zu lassen, oder andererseits schlichtweg keine Empathie empfinden können.
  • Menschen ohne Selbstwertgefühl haben ebenso eine Tendenz, sich von Problemen zu distanzieren. Wenn sie sich selbst nicht so wichtig nehmen, wird der Gedanke gleichermaßen übertragen: „Ach, warum soll ich mich da melden. Es gibt bestimmt bessere Bewerber als mich.“
  • Dahingegen ist die Lebensweise der Gen Z und deren digitaler Umgang bekannt. Sie sind täglich mehrere Stunden online und vor allem unverbindlich unterwegs, sprechen mit unzähligen Menschen und fühlen sich dadurch weniger verpflichtet, Feedback zu geben. Diese Gesinnung wird auf das Berufsleben transportiert, frei nach dem Motto: „Je anonymer ich mich bewerbe, desto weniger Schuldgefühle habe ich, wenn ich mich nicht melde.“

    Verstärkt wird dieses Verhalten vom sogenannten „Tindering“ (hergeleitet von der Dating-App Tinder®, in der man auf Partnersuche gehen kann). Entspricht man nicht der Wunsch-Vorstellung, wird man einfach „weggewischt“. Für die berufliche Situation, also für Sie als ausbildendes Unternehmen, bedeutet das: Hat ein ausbildungsplatzsuchender Mensch keine Lust Ihnen zu antworten, werden Sie einfach ausgeblendet, quasi weggewischt.

Das Blatt hat sich gewendet

Bewerberinnen und Bewerber haben nun die Zügel in der Hand und können sich in der Situation des Fachkräftemangels entscheiden, bei welcher Firma sie eine Ausbildung antreten wollen. Aus Bewerbersicht ist das eine günstige Gelegenheit, um Prioritäten zu setzen. Aus Personalersicht hingegen klingt das jedoch nicht wirklich vorteilhaft, aber dem können Sie entgegenwirken.

Lesetipp Azubis bereits vor der Ausbildung binden

Warum der Preboarding-Prozess so wichtig ist

Kräfte neu bündeln und handeln

Vornehmlich sind Maßnahmen während des Preboardings zu treffen, um dem Ghosting vorzubeugen und wieder mehr Rückmeldungen und Zusagen zu verzeichnen. Hier ein paar Tipps und Anregungen:

Persönlich werden – Schaffen Sie eine emotionale Bindung zu Bewerberinnen und Bewerbern. Distanzieren Sie sich von der Anonymität und vermitteln Sie Nähe und Zugehörigkeit zwischen Bewerbenden und Ihrem Ausbildungsbetrieb. Haben Ihre zukünftigen Azubis Geburtstag, können Sie beispielsweise eine Karte senden, anrufen oder eine Nachricht per WhatsApp schreiben.

Nicht lange warten – Reagieren Sie innerhalb kürzester Zeit mit einer Antwort, nachdem eine Bewerbung bei Ihnen im Hause eingegangen ist. Sei es mit einer automatisch eingerichteten Eingangsbestätigung oder auf persönlichem Wege, wobei Letzteres ganz klar einen besseren Eindruck hinterlässt.

Transparent kommunizieren – Wenn Sie Bewerberinnen und Bewerbern antworten, geben Sie die nächsten Schritte Ihres internen Bewerbungsprozesses an und den zukünftigen Ansprechpartner für etwaige Rückfragen. Überhaupt macht es Sinn, in regelmäßigen Abständen den Stand des Bewerbungsprozesses mitzuteilen.

Mit Giveaways punkten – Old but Gold und noch immer favorisiert sind Welcome-Pakete, die Sie Bewerberinnen und Bewerbern vorab zusenden können.

Onboarding-Gefühl intensivieren – Schaffen Sie einen Zugang zu Ihrem Intranet und versenden Ihren Newsletter (mit Neuerungen, Terminen und Infos rund um Ihr Unternehmen) an Ihre zukünftigen Azubis. Außerdem können Sie vor Ausbildungsantritt kostenpflichtige Lernportale und weitere Club-Mitgliedschaften für Bewerberinnen und Bewerber freischalten. Solch ein „Benefit-Hack“ spricht sich unter anderem schnell mal rum – sowohl bei Berufseinsteigern als auch bei Berufserfahrenen.

Feedback sichern – Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um versteckt eine Rückmeldung von Bewerberinnen und Bewerbern einzufordern:

  • Laden Sie zu anstehenden Meetings oder Firmenevents ein.
  • Informieren Sie über den Zwischenstand des eingerichteten Arbeitsplatzes und fragen Sie, ob es Ihrem zukünftigen Azubi gefällt.
  • Etwa zwei Wochen vor Arbeitsbeginn senden Sie den Einarbeitungsplan (konkrete Termine, Mentor, etc.) zu und fordern einen Austausch zu bestimmten Terminen ein.

Erfolgt auf keines der genannten Beispiele eine Resonanz, wissen Sie zumindest, woran Sie sind. Im Zuge dessen können Sie weitere Maßnahmen einleiten, um nach anderen potenziellen Nachwuchskräften zu suchen und dem Ghoster eine Absage zu erteilen.


Service-Tipp

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