9 Empfehlungen für die Zeit nach dem Onboarding
Das Preboarding lief erfolgreich, das Onboarding ist abgeschlossen und die ersten Wochen des neuen Ausbildungsjahres sind geschafft. Jetzt heißt es: Nur nicht nachlassen! Denn ob Ihre Azubis langfristig motiviert bleiben, sich mit Ihrem Unternehmen identifizieren und ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, entscheidet sich nicht in den ersten Tagen – sondern im Ausbildungsalltag. Viele Ausbildungsabbrüche kündigen sich früh an: durch fehlende Orientierung, mangelnde Wertschätzung oder das Gefühl, nicht dazuzugehören. Welche Maßnahmen sich in der Praxis bewährt haben, junge Menschen zu binden und Abbrüche zu vermeiden, zeigen die folgenden neun Empfehlungen.
Die wichtigsten Erfolgsfaktoren auf einen Blick
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1. Vernetzung weiter fördern
Ob ein einzelner Tag oder gleich eine ganze Woche, ob im Unternehmen oder als externes Camp – es gibt eine große Bandbreite an Beispielen, wie Ausbildungsbetriebe den Einstieg ihrer neuen Azubis ins Unternehmen gestalten. Meist werden bei den Teamevents auch die Auszubildenen des 2. und 3. Lehrjahres miteinbezogen, sodass sich die Azubis gut untereinander vernetzen können – unabhängig davon, welchen Beruf sie im Unternehmen erlernen. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein, gibt Ihren Neuzugängen Sicherheit und Halt für ihre Ausbildungszeit. Als Ausbildungsverantwortlicher sollten Sie daher Wege finden, wie Sie die Vernetzung unter Ihren Azubis weiter fördern können.
2. Intensive Betreuung sicherstellen
Der Eintritt in die Arbeitswelt stellt insbesondere für jüngere Menschen, die frisch von der Schule kommen, eine große Veränderung dar. Je nach Typ müssen sie mal mehr, mal weniger an die Hand genommen werden. Gewährleisten Sie daher, dass sich Ihre Azubis jederzeit – auch über die Probezeit hinaus – an einen festen und geschulten Ansprechpartner wenden können, wenn sie berufliche oder persönliche Fragen oder Probleme haben. Diese Ansprechperson müssen nicht zwangsläufig Sie selbst sein; in der Praxis wird die Rolle der Paten bzw. Mentoren häufig von älteren Azubis übernommen.
3. Soziale Integration stärken
Bei der sozialen Integration geht es darum, die neuen Azubis gut in die bestehenden Teams aufzunehmen. Gerade in größeren Unternehmen, in denen die Auszubildenden regelmäßig die Abteilung wechseln, finden immer wieder neue Integrationsprozesse statt. Damit diese gelingen, ist es wichtig, dass die Abteilungswechsel gut vorbereitet und organisiert sind und dass die Azubis von allen freundlich aufgenommen werden. Abteilungsübergreifende Aktivitäten fördern die Integration.
Beispiele aus der Ausbildungspraxis: Neue Azubis werden gleich zu Ausbildungsbeginn zu Ersthelfern und Brandschutzhelfern ausgebildet und übernehmen zusammen mit erfahreneren Kolleginnen und Kollegen den Bereitschaftsdienst für das Werk. Weitere Beispiele, wie Ausbildungsbetriebe die soziale Integration ihrer Auszubildenen fördern, sind Betriebssportgruppen, die Teilnahme an Firmenläufen und gemeinnützigen Projekten sowie Hobbyclubs. Bei all diesen Aktivitäten kommen Neulinge und alte Hasen in gemischten Gruppen zusammen.
4. Bei Lernschwierigkeiten unterstützen
Bei Problemen in der Berufsschule, Leistungsdruck und Prüfungsangst können schnell Zweifel aufkommen, den richtigen beruflichen Weg eingeschlagen zu haben. Bieten Sie deshalb Unterstützung bei Lernschwierigkeiten und der Prüfungsvorbereitung. Das kann in Form von betriebsinternem Unterricht oder einer VerA-Ausbildungsbegleitung (ehrenamtliche Lernbegleitung für Auszubildende) erfolgen. Weiterhin können Sie Ihren Azubis freie Zeitfenster und geeignete Räumlichkeiten zum gemeinsamen Lernen zur Verfügung stellen. Dabei klappt Vieles unter den Auszubildenden sogar selbstorganisiert, wie ein Praxisbeispiel zeigt: Azubis aus dem 3. Lehrjahr fungieren als Lerncoaches bzw. Nachhilfelehrer für die jüngeren Jahrgänge. Ein weiterer Aspekt: Wer beim Unterrichten der Jüngeren ein gutes Händchen beweist, eignet sich perspektivisch wunderbar dafür, Ihr Ausbildungsteam zu verstärken.
5. Regelmäßig Feedback geben
Auszubildenden fehlt meist noch die Erfahrung, sich und ihre Arbeitsergebnisse einordnen zu können. Feedback gibt Orientierung und hilft bei der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Sorgen Sie deshalb dafür, dass Ihr Ausbildungsteam Ihren Azubis regelmäßig Feedback gibt. Gleichzeitig sind Feedbackgespräche eine gute Gelegenheit für Sie, Meinungen, Ideen und Rückmeldungen Ihrer Auszubildenden einzuholen. Für diese wiederum ist die Möglichkeit, selbst Vorschläge und Ideen einbringen zu können, wie die Ausbildung verbessert werden kann, motivierend und wertschätzend.
Lesetipp: Sachlich, fair undkonstruktiv: Auszubildendenrichtig Feedback geben
6. Konstruktiv mit Fehlern umgehen
Zum guten Lernen gehört ein konstruktiver Umgang mit Fehlern. Das heißt: Fehler machen sollte erlaubt sein. Dafür braucht es eine vertrauensvolle, offene Arbeitsatmosphäre und ein angstfreies Lernklima. Reflektieren Sie mit Ihrem Azubi die Arbeitsaufgabe, analysieren Sie etwaige Fehler sachlich, eruieren Sie die Ursachen, begrenzen Sie den Schaden und entwickeln Sie Maßnahmen, damit sich der Fehler nicht wiederholt. Um zu zeigen, dass Fehlermachen ganz normal ist und dass man aus Fehlern lernen kann, können Sie beispielsweise eine Fehler-Lösung-Sammlung anlegen. Damit fördern Sie Lösungsdenken, Austausch und gegenseitige Hilfe bei der Vermeidung und Vorbeugung von Fehlern.
7. Konflikte fair lösen
Konflikte mit Ausbildern oder Vorgesetzten zählen regelmäßig zu den wichtigsten Gründen, warum Auszubildende aufhören. Die Ursachen für den einzelnen Konflikt können dabei in unterschiedlichen Interessen, Denk- oder Wertevorstellungen, Informationsdefiziten oder Kommunikationsproblemen begründet sein. Hier sind Sie als Ausbilderin bzw. Ausbilder gefragt, Konflikte rechtzeitig zu erkennen, sachlich und fair mit ihnen umzugehen, zu schlichten und nach konstruktiven Lösungen zu suchen.
8. Wertschätzung zeigen
Wertschätzung, Respekt und Augenhöhe – wie gelingt das im Ausbildungsalltag? Zum Beispiel durch Vertrauen schenken, Zeit nehmen und ein offenes Ohr haben. Betrauen Sie Ihre Azubis im Ausbildungsverlauf mit zunehmend komplexeren Aufgaben auf dem Niveau von Fachkräften. Beziehen Sie sie von Anfang an in die betrieblichen Abläufe und die Geschäftsprozesse mit ein. Geben Sie ihnen angemessene Freiräume und Entscheidungsmöglichkeiten bei der Bearbeitung von Aufgaben. Besprechen Sie mit Ihren Azubis die gemachten Lernerfahrungen bei komplexen Arbeitsaufgaben. Loben Sie Ihre Azubis für eine besonders gute Arbeit. Sprechen Sie für besonderes Engagement auch eine besondere Anerkennung aus.
Auch eine frühzeitige Perspektivenklärung, wie es nach der Ausbildung weitergeht, zeigt Wertschätzung. Viele Auszubildende fragen sich schon früh, welche Möglichkeiten ihnen nach der Ausbildung offenstehen. Regelmäßige Entwicklungsgespräche helfen dabei, Ziele zu definieren, Interessen zu erkennen und Perspektiven im Unternehmen aufzuzeigen. Wer weiß, wofür er lernt und welche Chancen sich bieten, bleibt häufig motivierter und stärker mit dem Ausbildungsbetrieb verbunden.
9. Positive Rahmenbedingungen schaffen
Gute Rahmenbedingungen schaffen die Basis dafür, dass Auszubildende motiviert lernen, ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und dem Unternehmen langfristig erhalten bleiben. Die Arbeits- bzw. Ausbildungsbedingungen sollten förderlich gestaltet sein. Dazu zählen, dass die Ausbildung gut geplant ist, dass die Arbeitsplätze Ihrer Azubis so ausgestattet sind, dass sie ihre Aufgaben bestmöglich ausführen können, und dass das berufliche Lernen anhand der vollständigen Arbeitshandlung gestaltet wird. Weiterhin sollte das Ausbildungspersonal über die methodischen und didaktischen Kompetenzen verfügen, Ausbildung verständlich, lehrreich und interessant zu gestalten.
Ebenfalls gehört zu den positven Rahmenbedingungen, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Auszubildenden im Blick zu behalten. Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements, die Unterstützung bei Stress und Prüfungsdruck sowie eine offene Gesprächskultur können dazu beitragen, Auszubildende langfristig zu motivieren und an das Unternehmen zu binden.
Lesetipp: Mentale Gesundheit von Azubis fördern: Tipps für Ausbilder
Fazit
Das Ende des Onboardings markiert nicht das Ende der Begleitung, sondern den Beginn der eigentlichen Ausbildungszeit. Gerade in den ersten Monaten entscheiden sich Motivation, Zugehörigkeitsgefühl und Bindung an den Ausbildungsbetrieb. Orientierung, Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten und eine offene Kommunikation sind wichtige Bedürfnisse der jungen Menschen. Ausbilderinnen und Ausbilder, die ihre Auszubildenden kontinuierlich unterstützen, fördern und wertschätzen, schaffen die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung und eine langfristige Zusammenarbeit.Lust auf mehr spannende Artikel?
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