Gesundheit in der Ausbildung: „Gesundheit muss früh gefördert werden“

Wie können Unternehmen die Gesundheit ihrer Auszubildenden sichern und fördern? Welche Maßnahmen helfen, Motivation und Wohlbefinden frühzeitig zu stärken? Und wie können Best Practices sichtbar gemacht werden? Antworten auf diese Fragen gibt der jährlich vergebene „Gesundheitspreis Ausbildung“, den die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit AUBI-plus seit 2018 auslobt. Heidi Becker sprach mit Markus Kerkhoff von der TK über die Intention des Preises, die Auswahlkriterien und die Wirkung auf Unternehmen und Auszubildende.

Interviewpartner Markus Kerkhoff von der TK

Herr Kerkhoff, Sie sind Experte für die Gesundheitsförderung von jungen Menschen. Welche Herausforderungen beobachten Sie aktuell bei der Gesundheit von Auszubildenden?

Psychische Belastungen wie Stress oder Prüfungsangst, Ablenkung durch digitale Medien, der Einzug von KI in der Arbeitswelt sowie die Anforderungen einer zunehmenden Komplexität der Arbeitsprozesse stellen junge Menschen vor große Herausforderungen. Hinzu kommen hohe Erwartungen an Eigenverantwortung und Selbstorganisation, aber auch Ängste, wie eventuell KI den eigenen Ausbildungsberuf verändert. Ohne entsprechende Unterstützung kann dies zu Überlastungen führen.

Was steckt hinter dem „Gesundheitspreis Ausbildung"?

Der „Gesundheitspreis Ausbildung" zeichnet Unternehmen aus, die besonders innovative und wirksame Maßnahmen zur Gesundheitsförderung ihrer Auszubildenden umsetzen. Ziel ist es, Best Practices sichtbar zu machen und anderen Betrieben Impulse zu geben, wie Gesundheit von Anfang an in die Ausbildung integriert werden kann – sowohl physisch als auch psychisch.

Warum ist es gerade in der Ausbildung wichtig, frühzeitig auf Gesundheit und Wohlbefinden zu achten?

Auszubildende stehen zu Beginn ihres Berufslebens vor vielen neuen Herausforderungen: Leistungsdruck, Lernanforderungen, Integration ins Team, Selbstorganisation und die Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Unternehmen, die die Gesundheit ihrer Nachwuchskräfte gezielt fördern, helfen ihnen, Belastungen früh zu erkennen, Stress zu reduzieren und langfristig motiviert und leistungsfähig zu bleiben.

Welche Kriterien sind für die Bewertung entscheidend?

Der Preis basiert auf den Ergebnissen der BEST PLACE TO LEARN®-Zertifizierung von AUBI-plus. Hier werden Unternehmen zunächst anhand ausgewählter Kriterien bewertet. Neben klassischen Themen wie Arbeits- und Gesundheitsschutz spielen auch soziale Integration, Lern- und Arbeitsklima, Wertschätzung und kommunikatives Führungsverhalten eine zentrale Rolle. Auch die individuelle Betreuung, Unterstützung bei Lernschwierigkeiten oder ein fairer Umgang mit Konflikten tragen entscheidend dazu bei, dass Auszubildende gesund und motiviert bleiben.

Die fünf besten Unternehmen werden auf die Shortlist gesetzt und reichen ihre Konzepte, Maßnahmen und Projekte zur Gesundheitsförderung ein. Die Fachjury beurteilt dann insbesondere die zielgruppenspezifische Ausrichtung, die Wirksamkeit und die Teilnahmequote an den Maßnahmen.

Was zeichnet die Unternehmen aus, die es auf die Shortlist schaffen?

Unternehmen auf der Shortlist zeigen ein ganzheitliches Konzept zur Gesundheitsförderung ihrer Auszubildenden. Sie kombinieren Maßnahmen zur körperlichen und psychischen Gesundheit mit gezielter sozialer Integration, individueller Betreuung und Lernförderung. Es sind Betriebe, die Gesundheit wirklich aktiv in den Ausbildungsalltag integrieren und die Betreuung ihrer Auszubildenden ernst nehmen.

Können Sie Beispiele für besonders innovative Ansätze nennen?

Das Spektrum ist breit: Workshops zur Stressbewältigung, Fitness- und Entspannungsangebote, mentorengestützte Begleitung bei Lernschwierigkeiten oder Maßnahmen, die Teamgeist und soziales Miteinander stärken. Besonders wirksam sind Konzepte, die praxisnah, erlebbar und auf die Bedürfnisse der Auszubildenden zugeschnitten sind.

Welche Botschaft soll der Preis an andere Ausbildungsbetriebe senden?

Wir möchten zeigen, dass Gesundheit kein zusätzliches Element ist, sondern fester Bestandteil guter Ausbildung sein sollte und somit auch fest verankert in einer „gesunden“ Unternehmenskultur ist. Betriebe können sehen, wie sie durch einfache, aber wirksame Maßnahmen das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit ihrer Nachwuchskräfte fördern – von strukturierten Projekten über Feedbackkultur bis hin zur Integration ins Team.

Was können die Gewinner des Gesundheitspreises erwarten?

Neben der öffentlichen Auszeichnung auf der Abendveranstaltung des DEUTSCHEN AUSBIDLUNGSFORUMS am 19. Mai 2026 in Bad Oeynhausen erhalten die Gewinner ein Inhouse-Training oder Seminar zu einem individuell wählbaren HR-, Ausbildungs- oder Gesundheitsthema. So können die Konzepte vertieft und auf weitere Bereiche des Unternehmens übertragen werden.

Bisherige Preisträger
2018: Füngers Feinkost, Oranienbaum
2019: Creditreform Herford & Minden Dorff, Löhne sowie TenneT TSO, Lehrte (zwei punktgleiche Preisträger)
2020: Noventi HealthCare, München
2021: Stadtwerke Neumünster, Neumünster
2022: Hansgrohe, Schiltach und Diagramm Halbach, Schwerte (zwei punktgleiche Preisträger)
2023: Clarios, Hannover
2024: EK Retail, Bielefeld
2025: Rockwell Collins Deutschland GmbH, a part of Collins Aerospace, Heidelberg

Fazit

Der "Gesundheitspreis Ausbildung" macht deutlich, dass frühzeitige, ganzheitliche Gesundheitsförderung in der Ausbildung nicht nur das Wohlbefinden der Azubis verbessert, sondern auch die Leistungsfähigkeit und Motivation stärkt. Unternehmen, die sich diesem Thema widmen, setzen auf langfristigen Ausbildungserfolg und eine starke Arbeitgebermarke.

Lesetipp zum Thema: Mentale Gesundheit von Azubis fördern: Tipps für Ausbilder

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