So funktioniert das Gedächtnis

Um zu verstehen, wie du besser lernen kannst, musst du zunächst ganz grundlegend verstehen, wie das Gedächtnis eigentlich funktioniert und aufgebaut ist. Die Gedächtnisleistung und die Fähigkeit zu Lernen bauen aufeinander auf und sind eng miteinander verbunden. Das Gedächtnis ist eine kognitive Struktur, durch die Informationen aufgenommen, gespeichert und auch wieder abgerufen werden können. Diese Funktionen des Gedächtnisses sind die Grundlage für sämtliche Lernprozesse. Generell wird das Gedächtnis nach Atkinson und Shiffrin in drei verschiedene Bereiche eingeteilt. Im sensorischen Gedächtnis werden visuelle, auditive oder haptische Eindrücke repräsentiert, also Eindrücke, die du gesehen, gehört oder gefühlt hast. Dieser Bereich des Gedächtnisses ist dem Bewusstsein eines Menschen nicht unbedingt erschlossen und für das Lernen daher auch nicht so wichtig, denn die Speicherdauer von Inhalten beträgt hier lediglich wenige hundert Millisekunden. Im Kurzzeitgedächtnis hingegen werden die aktuellen Bewusstseinsinhalte repräsentiert. Es umfasst jedoch ebenfalls eine geringe Speicherkapazität und mit einigen Sekunden auch eine recht kurze Dauer. Durch häufige Wiederholung der im Kurzzeitgedächtnis gespeicherten Inhalte ist es jedoch möglich, diese zu festigen und zu dauerhaften Veränderungen zu führen, also ins Langzeitgedächtnis zu überführen. Dieses hat eine sehr lange Dauer sowie eine unbegrenzte Speicherkapazität. Ziel des Lernens ist es also, das Wissen im Langzeitgedächtnis zu verankern, um es später beispielsweise in deiner zu schreibenden Prüfung erfolgreich wieder abrufen zu können. Aber wie klappt es denn nun mit der Überführung des Wissens vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis und wie kann ich das richtige Lernen lernen?


Die Lerntipps aus der Psychologie

1. Viele kürzere Lerneinheiten

Dir wird es viel leichter fallen, dir den Lernstoff zu merken, wenn du statt einiger langer Lernphasen viele kurze Einheiten einbaust. Das liegt daran, dass die neuronalen Strukturen, die am Lernprozess beteiligt sind, auch während der Pausen aktiv sind, um die Inhalte weiterzuverarbeiten. Häufige Wiederholungen helfen zusätzlich dabei, die Erinnerungen zu festigen. Es ist also schon effektiv, sich während der Pause in der Schule für 5-10 Minuten hinzusetzen und den Lernstoff wiederholt zu lesen. Lange Lerneinheiten am Nachmittag solltest du zudem in mehrere kürzere Lernphasen aufteilen. Das ist also nicht nur gut für deine Erholung, sondern hält auch die Motivation oben und hilft beim Einprägen des Lernstoffs. Zusatztipp: Um nicht müde zu werden bzw. um dich besser zu konzentrieren, solltest du die längeren Pausen am besten an der frischen Luft verbringen. So erhältst du noch einmal eine zusätzliche Portion Sauerstoff und kannst frisch in die neue Lernsession starten.

2. Lernen in ähnlicher Umgebung

Dieser Tipp hört sich vielleicht erst einmal komisch an, bringt aber viel. Wenn dein Lernort sowie der Abrufort übereinstimmen oder sich ähneln, fällt es dir leichter, dich an das Erlernte zu erinnern, da die Umgebung als Hinweis für dein Gedächtnis dient. Wenn du eine Freistunde hast, solltest du diese also ruhig auch zum Lernen nutzen - idealerweise in dem Klassenraum, in dem später auch die Prüfung oder der Test stattfindet. Durch mehrere kürzere Lerneinheiten an unterschiedlichen Orten sorgst du hingegen für viele unterschiedliche Kontexte und Hilfen für dein Gedächtnis - ab und an mal den Lernort zu wechseln, ist also auch nicht falsch. Für den Schlaumeier in dir: Das hier beschriebene Phänomen wird im Fachjargon Enkodierspezifität genannt.

3. Lerninhalte kategorisieren

Ein weiterer Tipp ist, die Lerninhalte zu kategorisieren und beispielsweise nach bestimmten Oberbegriffen zu sortieren. Durch diese Orientierungshilfe können Zusammenhänge und Themen leichter erinnert werden. Oft nutzen Lehrer diese Lerntechnik bereits, um dir die Inhalte und Zusammenhänge besser vermitteln zu können. Sollte dein Lehrer dir das Wissen so oder so ähnlich im Unterricht vermitteln, solltest du dir dies also am besten schnell aufschreiben. So hast du später in deiner Lernphase weniger Arbeit und musst dir die Kategorien nicht komplett selbst erarbeiten.

4. Lernstoff vereinfachen

Auch diese Lernmethode ist dir sicherlich schon häufiger im Unterricht begegnet. Durch Eselsbrücken oder auch anschauliche Tabellen, Mind-Maps oder Schaubilder wird der Lernstoff visualisiert und vereinfacht und bleibt dadurch deutlich besser im Langzeitgedächtnis hängen. Auch wenn du außerhalb des Unterrichts lernst, kannst du dir diese Lerntechnik, auch genannt Elaboration, zu Nutze machen. Für Eselsbrücken ist der bekannte Merksatz für die Reihenfolge der Planeten "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten" ein gutes Beispiel. Auch Melodien, Takte oder eben Schaubilder und Mind-Maps sind gute Möglichkeiten, um dir schwierige Lerninhalte leicht zu merken.

5. Ähnliche Fächer mit zeitlichem Abstand erlernen

Insbesondere, wenn du mehrere Sprachen in der Schule erlernst, kennst du das Problem sicherlich: Irgendwann kommt man mit den Vokabeln durcheinander, gerade wenn sich die Sprachen auch noch ähneln. Da wird in Spanisch plötzlich ein französisches Wort eingebaut oder der Satzbau wird verwechselt. Das kann dir auch bei anderen Fächern passieren, die sich vom Thema her ähneln. Deshalb ist es wichtig, ähnliche Lerninhalte möglichst mit einem zeitlichen Abstand zu lernen, sodass es nicht so schnell zu Verwechslungen kommt. Ansonsten kann es passieren, dass du entweder das zuerst oder das zuletzt Gelernte vergisst. Mache also eine etwas längere Pause und lerne zwischendurch am besten für ein ganz anderes Fach, statt nach Spanisch-Vokabeln direkt die Französisch-Vokabeln zu lernen.

Selbstverständlich gibt es noch einige Lernmethoden und Lerntipps mehr - je nachdem, wofür du lernen musst. Wenn du beispielsweise kurz vor der Abschlussprüfung in deiner Ausbildung oder kurz vor einem Examen stehst, helfen dir sicherlich auch unsere Tipps zur Prüfungsvorbereitung für Azubis und Studenten weiter.

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