„Nach dem Verwöhnprogramm wird es ernst“

Mit der ersten Auszeichnung als BEST PLACE TO LEARN setzt Diehl Defence ein starkes Zeichen in der Ausbildung. Heidi Becker sprach mit Ausbilder Stefan Petto. Er erklärt, wie das Qualitätsbewusstsein vermittelt wird, welche Bedeutung die Arbeitsplatzausstattung hat und wie er die Ausbildung in Zukunft weiterentwickeln möchte.

Interviewpartner Stefan Petto

Können Sie sich bitte kurz vorstellen und Ihre Rolle bei Diehl Defence beschreiben?

Stefan Petto: Ich bin Stefan Petto, 33 Jahre alt, gelernter Werkzeugmechaniker und seit meinem 16. Lebensjahr bei Diehl Defence. Nach meiner Ausbildung habe ich berufsbegleitend die Meisterschule absolviert und bin seit 2019 hauptamtlicher Ausbilder im Metallbereich. Ich bin jetzt also Ausbilder in der Werkstatt, wo ich selber gelernt habe, mit meinem damaligen Ausbilder zusammen (lacht).

Wir bilden Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Fachkräfte für Metalltechnik sowie Maschinen und Anlagenführer aus - also quasi alles, was es an Metallberufen gibt. Ich betreue vor allem die ersten beiden Lehrjahre während der Grundausbildung Metall und vermittle Grundlagen und Handfertigkeiten wie Drehen, Fräsen, Schweißen und Pneumatik – inklusive Prüfungsvorbereitung.

Diehl Defence wurde erstmals mit BEST PLACE TO LEARN ausgezeichnet. Was bedeutet dieses Ergebnis für Sie?

Das Gütesiegel ist natürlich eine große Bestätigung für unsere Ausbildungsarbeit: Wir beziehen unsere Azubis aktiv mit ein, nehmen Feedback ernst und entwickeln unsere Ausbildung kontinuierlich weiter. Im Vergleich zu früher, wo eher nach dem Motto „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ausgebildet worden ist, ist die Zusammenarbeit zwischen Ausbilderteam und Azubis sehr positiv - vielleicht auch deshalb, weil der Altersunterschied zu mir nicht so groß ist und die Azubis mir gegenüber sehr offen sind. Ich denke schon, dass sich dieser gute Umgang und die partnerschaftliche Zusammenarbeit positiv auf die Bewertung ausgewirkt haben.

Besonders gut wurden Sie in den Bereichen Recruiting und Onboarding von Azubis sowie Kompetenzen des Ausbildungspersonals bewertet. Wie schafft es Diehl Defence, sich im Recruiting von Azubis erfolgreich zu positionieren?

Recruiting ist aktuell ein Riesenthema, weil die Bewerbungseingänge zurückgehen. Jetzt für 2026 haben wir so wenig Bewerbungen wie noch nie, obwohl wir so viel gemacht haben wie noch nie, wie beispielsweise Kino- und Radiowerbung. Weiterhin sind wir auf vielen Ausbildungsmessen im Saarland unterwegs und veranstalten einen eigenen Tag der Ausbildung, den Experience Day. Außerdem nehmen wir an Berufsorientierungstagen in verschiedenen Schulen teil und bieten Workshops an, auch für relativ junge Kinder aus dem 5. und 6. Schuljahr, die dann schonmal die ersten handwerklichen Fähigkeiten lernen. Inzwischen haben wir auch eine relativ gute Instagram-Präsenz mit einem eigenen Instagram-Team aus 2 Personen, die sich auch gerne vor die Kamera stellen. Sonst war meistens ich der Schauspieler, weil die Azubis nicht mochten. Wir sind beim Recruiting also wirklich sehr breit gefächert unterwegs.

Ein gelungener Start entscheidet oft über den weiteren Verlauf der Ausbildung. Was macht Ihr Onboarding so besonders?

Wir binden neue Azubis schon vor Ausbildungsstart ein und laden sie nach Vertragsunterschrift zu verschiedenen Terminen ein, beispielsweise zur Kleideranprobe, zur betriebsärztlichen Untersuchung und zum Sommergrillen. Im Sommer haben wir 3 Wochen Betriebsferien. Davor veranstalten wir für Ausbilder und Azubis ein Grillfest. Auch die Neuen, die erst im September anfangen, kommen dazu. Wir haben einen schönen großen, selbstgebauten saarländischen Schwenker, das ist so ein Dreibeingrill. Alle Azubis nehmen teil, das heißt die kaufmännischen, technisch gewerblichen und die dualen Studenten. Außerdem bekommt jeder neue Azubi einen Paten aus höheren Lehrjahren zur Seite gestellt. Dann können sie schonmal Handynummern und E-Mail-Adressen tauschen und offene Fragen im Vorfeld klären. Ausbildungsbeginn ist dann der 1. September.

Die erste Woche ist komplett geblockt als Einführungsseminar mit Kennenlernspielen, Teambuilding-Maßnahmen und offiziellen Teilen wie Unterweisungen und Vorstellungen von Standortleiter, Personalleiter, Arbeitssicherheit und Betriebsrat. Letztes Jahr haben wir eine Schnitzeljagd bis oben auf unseren keltischen Ringwall gemacht. Dabei ist immer spannend zu beobachten, wie die neuen Azubis in Kleingruppen zusammenarbeiten. In der Kletterhalle waren wir auch schon. Ich sage immer, das ist das pure Verwöhnprogramm für die Azubis (lacht). Nach der Einführungswoche wird es dann ernst und sie müssen 8 Stunden am Schraubstock an der Werkbank stehen. Im Vergleich zu einem Schultag mit 6 Stunden ist das schon eine Umstellung. Dazu kommt noch der frühe Arbeitsbeginn um Viertel vor sechs. Nach ein zwei Wochen haben sich die Azubis dann daran gewöhnt.

Was zeichnet Ihr Ausbildungspersonal aus?

Mein Ausbilder-Kollege und ich sind leidenschaftliche Bastler. Wir sind sehr praxisnah und setzen viele Projekte um, bei denen wir unsere Azubis mit einbeziehen. Für einen Kindergarten haben wir mal eine Rakete gebaut, wo man Kuchen und Süßigkeiten für die Kinder reinstellen kann. Die Teile haben wir mit einem 3D-Drucker hergestellt. Gerade bauen wir einen Rennsimulator. Der Bau des Schwenkergrills war auch ein schönes Projekt. Wir haben alles selber gemacht, komplett aus Edelstahl. Sogar die Feder haben wir selber gewickelt. Bei all diesen Projekten können sich unsere Azubis mit ihren eigenen Ideen einbringen. Auch wenn für zu Hause mal etwas gemacht werden muss, beispielsweise ein Teil für Moped oder Traktor, ist das kein Problem. Die Zusammenarbeit zwischen Azubis und Ausbildern ist einfach sehr positiv.

Einzelne Top-Bewertungen gab es für Qualitätsbewusstsein, lernfördernde Arbeitsplatzausstattung und Prüfungsvorbereitung. Wie vermitteln Sie Ihren Auzubis das hohe Qualitätsbewusstsein?

Wir sagen immer, dass uns die Qualität wichtiger ist als der zeitliche Aspekt. Jedes Teil, was unsere Azubis im Grundlehrgang fertigen, wird auch bewertet. Dieser besteht aus 38 Übungen: Los geht's mit Anreißen und Körnen, dann kommt Feilen dazu sowie Sägen mit der Handsäge. Die erste Maschine ist die Bohrmaschine. Danach folgt die Blechbearbeitung: Blech zuschneiden, Blech umformen, Blech biegen. Weiterhin erlernen die Azubis die verschiedenen Fügetechniken wie Verschrauben, Verstiften, Nieten und Schweißen. Anschließend kommen noch Drehen und Fräsen dazu.

Für jede Übung gibt es einen Bewertungsbogen. Die Azubis machen zunächst eine Selbstbewertung, Dann folgt die Bewertung durch den Ausbilder. Wenn die Qualität nicht stimmt, wird die Übung wiederholt. Beispielsweise kann ein Werkstück maßlich top sein, aber wenn die Kante scharfkantig ist, muss die Fase nachgearbeitet werden. Wir haben schon einen relativ hohen Standard, den wir am Ende erreichen wollen.

Wie wichtig ist die Arbeitsplatzausstattung für den Lernerfolg?

Wir haben ein eigenes Ausbildungszentrum mit Maschinen und Arbeitsplätzen ausschließlich für Azubis, ohne Fertigungsarbeit. Jeder hat seine eigene Werkbank, wir haben 4 Fräsmaschinen und 4 Drehmaschinen. Ohne Produktionsdruck können sich unsere Azubis so auf den Grundlehrgang Metall konzentrieren und sich auf die Zwischenprüfung bzw. Abschlussprüfung Teil 1 vorbereiten. Das ist ein riesen Luxus! In anderen Firmen laufen die Azubis so nebenher mit und müssen dann irgendwie an die Maschinen, die irgendwo in der Fertigung genutzt werden. Und dann ist da irgendein Fertigungsmitarbeiter, der dem Azubi das zwischendurch beibringen soll.

Weiterhin legen wir großen Wert auf Ordnung und Sauberkeit, so in Richtung 5S. Die Azubis dürfen erst in den Feierabend, wenn die Werkstatt sauber ist und jedes Werkzeug wieder an seinem Platz liegt. Das dauert immer so ein, zwei Wochen, bis sich das eingespielt hat, und dann läuft das. Es ist quasi ein Reifeprozess und schön zu beobachten, wie sehr sie später als Fachkraft in der Fertigung dann Wert auf einen sauberen Arbeitsplatz legen.

Derzeit sind wir dabei, einen CAD-Raum einzurichten, sodass wir unsere Azubis auch in CAD schulen können. Dazu gehört auch der 3D-Drucker, den wir bereits haben. Der Raum soll bis Ende April fertig sein.

Wie unterstützen Sie die Prüfungsvorbereitung?

Ich beginne etwa sechs Wochen vor der Prüfung intensiv mit der Vorbereitung: Theorie, Praxis und Simulationen. Wir arbeiten mit alten Prüfungen und spielen den Prüfungsablauf mehrfach realitätsnah durch. Das zahlt sich aus – im letzten Jahr hatten wir einen Werkzeugmechaniker, der hatte 100 Prozent in der Theorie und 100 in der Praxis.

Wenn Sie einen Blick nach vorn werfen: Wie möchten Sie die Ausbildung bei Diehl Defence in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Unsere Werkstatt ist schön, aber wir haben ein Platzproblem. Deshalb ist ein neues Ausbildungszentrum geplant, um mehr Platz zu haben und bessere Möglichkeiten zu schaffen. Wir möchten unsere Kooperation mit anderen Unternehmen ausbauen und eine Verbundausbildung anbieten. Auch gibt es Ideen zu neuen Lehrgängen, wie Drehlehrgang und Fräslehrgang.

Eine weitere Neuerung: Ab September 2026 werden wir auch Mechatroniker ausbilden. Die Elektronik kommt also als neue Disziplin noch dazu. Dafür erweitern wir unser Team um einen Elektroniker-Ausbilder.

Die Digitalisierung bzw. das digitale Lernen ist auch noch ein Thema. Wir nutzen die Lernplattform simpleclub, wobei ich auch ganz klar sagen muss, dass wir nicht alles digital machen können. Manchmal ist auch Frontalunterricht gar nicht so schlecht. Wir haben 10 Azubis pro Lehrjahr. Wenn jeder digital für sich lernt, muss ich am Ende 10 Gespräche führen, um Fragen zu beantworten. Im Plenum können wir das alle zusammen durchsprechen. Man muss also je nach Ausbildungsinhalt abwägen, ob sich digitales Selbstlernen oder ein Unterrichtsgespräch besser eignet.

Vielen Dank für das Gespräch und die spannende Einblicke!


Über Diehl Defence

Diehl Defence GmbH & Co. KG bündelt die Geschäftsaktivitäten der Diehl-Gruppe in den Bereichen Verteidigung und Sicherheit und ist ein führendes Systemhaus im Bereich der Luftverteidigung. Als Partner der Bundeswehr und internationaler Streitkräfte entwickelt und liefert Diehl Defence Hightech-Ausrüstung in den Bereichen bodengebundene Luftverteidigung, Lenkflugkörper, Munition, Trainings- und Schutzsysteme.

Über BEST PLACE TO LEARN®

BEST PLACE TO LEARN ist Deutschlands Gütesiegel für die betriebliche Ausbildung und eine Marke von AUBI-plus. Das Siegel steht für eine überdurchschnittlich gute Ausbildungsqualität und wird ausschließlich an Unternehmen vergeben, die nachweislich hervorragende Bedingungen für die Qualifizierung von Nachwuchskräften bieten. Um das Ausbildungssiegel zu erlangen, durchlaufen Unternehmen ein umfassendes Zertifizierungsverfahren. Dieses basiert auf einem wissenschaftlich anerkannten Qualitätsmodell und analysiert alle relevanten Aspekte der Ausbildung in insgesamt sieben Qualitätsbereichen, darunter das Recruiting von Auszubildenden, die Planung und Gestaltung der Ausbildung, das berufliche Lernen im Betrieb sowie die Kompetenzen des Ausbildungspersonals.

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