Gesunde Azubis, starke Ausbildung: FeelGood@Work bei Hitachi

Gesundheit in der Ausbildung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Hitachi Rail hat am Standort Ditzingen ein eigenes Gesundheitsformat speziell für Azubis und dual Studierende entwickelt. Im Mittelpunkt des Programms stehen nicht nur klassische Präventionsangebote, sondern vor allem die aktive Einbindung der Lernenden sowie ein ganzheitlicher Blick auf mentales, körperliches und soziales Wohlbefinden. Im Interview mit Heidi Becker erklärt Ausbilderin Lea Baier, wie das Konzept entstanden ist, warum das bestehende Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) für die Ausbildung nicht ausreichte und welche Rolle die Lernenden bei Entwicklung und Umsetzung spielen.

Interviewpartnerin Lea Baier

Heidi Becker: Bitte stell dich kurz vor. Was ist deine Rolle in der Ausbildungsarbeit bei Hitachi Rail?

Lea Baier: Ich bin Ausbilderin bei Hitachi Rail in Deutschland am Standort Ditzingen und begleite junge Menschen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt. In meiner Rolle organisiere ich Veranstaltungen für Auszubildende, begleite diese im Ausbildungsalltag und betreue verschiedene Themen rund um die Ausbildung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf projektbasiertem Lernen, bei dem Auszubildende früh Verantwortung übernehmen und praktische Erfahrungen sammeln können.


Für euer Programm „FeelGood@Work“ wurdet Ihr von AUBI-plus und der Techniker Krankenkasse mit dem „Gesundheitspreis Ausbildung" ausgezeichnet. Was ist das für ein Programm?

Lea Baier: „FeelGood@Work“ ist unser neues, speziell für Lernende entwickeltes Gesundheits- und Präventionsformat im Rahmen unseres Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Der Fokus liegt darauf, das mentale, körperliche und soziale Wohlbefinden unserer Azubis und dual Studierenden gezielt zu stärken. Wichtig war uns dabei, Gesundheit nicht nur als zusätzliches Angebot zu verstehen, sondern sie sichtbar, alltagsnah und direkt im Ausbildungsumfeld zu verankern.

Eine weitere Besonderheit unseres neuen BGM-Konzepts ist die aktive Einbindung unserer Lernenden. Die Ideen, Anregungen und Wünsche zum Thema Gesundheitsmanagement kommen direkt von ihnen. Der zentrale Gedanke ist, dass Lernende das Gesundheitsangebot nicht nur nutzen, sondern aktiv mitgestalten. Deshalb setzen wir bewusst auf Beteiligung und kreative Formate.  Dazu gehören beispielsweise Workshops, Videos oder Gesundheits-Challenges.


Wie ist euer betriebliches Gesundheitsmanagement grundsätzlich im Unternehmen gestaltet?

Unser betriebliches Gesundheitsmanagement ist bereits sehr breit aufgestellt und steht allen Mitarbeitenden zur Verfügung. Es umfasst präventive, gesundheitsfördernde und unterstützende Maßnahmen in den Bereichen körperliche und mentale Gesundheit. Dazu gehören unter anderem psychosoziale Beratungs- und Suchtberatungsangebote, das betriebliche Eingliederungsmanagement, die Betreuung durch unseren Betriebsärztinnen sowie Betriebssportangebote.

Ergänzt wird das Portfolio durch digitale Gesundheitslösungen sowie weitere Angebote zur Förderung von Wohlbefinden und Work-Life-Balance. Hierzu zählen beispielsweise das JobRad, ergonomische Unterstützung am Arbeitsplatz, mobile Massagen und unsere Themenwochen zu gesundheitsbezogenen Fragen.


Das klingt sehr umfassend. Warum war dann trotzdem ein neues Format speziell für Lernende notwendig?

Die Entscheidung für ein eigenes Format ist aus den Ergebnissen der BEST PLACE TO LEARN-Umfrage entstanden. Während wir uns über die Bewertung „sehr gut“ und die Bestätigung unserer Ausbildungsqualität gefreut haben, wurde im Bereich Gesundheitsprävention das größte Verbesserungspotenzial sichtbar. Das hat uns dazu veranlasst, das Thema Gesundheit in der Ausbildung gezielt neu zu denken. Bei unserer Recherche wurde deutlich, dass das bestehende Betriebliche Gesundheitsmanagement die Lebensrealität unserer Lernenden nur teilweise abbildet.

Durch den Übergang von der Schule in den Beruf, neue Anforderungen sowie Prüfungs- und Leistungsdruck stehen sie vor besonderen Herausforderungen. Gleichzeitig können bestehende Angebote aufgrund von Berufsschule oder Studium nicht immer genutzt werden. Deshalb war für uns klar: Wir brauchen ein niedrigschwelliges und zielgruppenspezifisches Angebot, das die Lernenden in ihrem Ausbildungsalltag wirklich erreicht. Mit diesem Ansatz wollen wir uns als Ausbildungsbetrieb kontinuierlich weiterentwickeln und die Gesundheit unserer Lernenden nachhaltig stärken.

„FeelGood@Work“ deckt verschiedene zentrale Gesundheitsbereiche ab. Dazu gehören Bewegung, Ernährung, Stressmanagement und mentale Fitness. Diese Themen werden nicht theoretisch vermittelt, sondern über alltagsnahe und kreative Formate umgesetzt. Ziel ist es, dass sich die Lernenden aktiv mit den Inhalten auseinandersetzen und sie direkt in ihren Alltag integrieren können. 


Beispiel Ernährung Gemeinsame Zubereitung eines gesunden Frühstücks und Mittagssnacks
Beispiele Bewegung Schritte-Challenge mit Siegerehrung
Tischtennis-Turnier (in Zusammenarbeit mit dem Betriebssport)
Laufgruppe mit unterschiedlichen Levels

Wie seid ihr vorgegangen?

Die Entwicklung des Programms erfolgte sehr praxisnah gemeinsam mit unseren Lernenden. Im Rahmen einer Praxiswoche haben wir sie aktiv eingebunden und ihre Erfahrungen, Bedürfnisse und Ideen direkt in die Konzeption einfließen lassen. So konnten wir sicherstellen, dass das Angebot nah an ihrer Lebensrealität ausgerichtet ist und einen echten Mehrwert für den Ausbildungsalltag bietet. Dabei ging es unter anderem darum, welche Gesundheitsthemen im Alltag wirklich relevant sind, wie ein sinnvolles Angebot für Lernende aussehen kann und welche Maßnahmen tatsächlich realistisch umsetzbar sind. Besonders wichtig war uns auch die Frage, wie sich das Thema langfristig im Ausbildungsalltag verankern lässt. Dadurch ist das Konzept nicht „von oben“ entstanden, sondern direkt aus der Zielgruppe heraus.

Ein wichtiger Baustein ist außerdem der Aufbau eines Netzwerks von sogenannten „Feel-Good-Guides“. Das sind Lernende, die sich freiwillig als Gesundheitsbotschafter engagieren. Sie bringen eigene Ideen ein, entwickeln gemeinsam mit uns neue Formate und testen Angebote aus Sicht der Zielgruppe. Gleichzeitig fungieren sie als wichtige Schnittstelle zwischen den Lernenden und dem Gesundheitsmanagement. Dadurch entsteht ein enger Dialog, der die Beteiligung und das Engagement der Lernenden fördert. Außerdem wird die Identifikation der Lernenden mit den Gesundheitsangeboten nachhaltig gestärkt.


Warum ist euch Gesundheitsförderung gerade in der Ausbildung so wichtig?

Wir sehen sehr deutlich, dass der Druck auf junge Menschen in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Viele erleben eine Kombination aus Leistungsdruck, hohen Erwartungen und Unsicherheiten in einer sich schnell verändernden Welt. Dazu kommt eine permanente digitale Erreichbarkeit, die zusätzliche Belastung erzeugt. Uns ist wichtig, hier frühzeitig anzusetzen. Gesundheit ist für uns die Grundlage für nachhaltige Leistungsfähigkeit, aber auch für persönliche Entwicklung. Gleichzeitig stärkt sie die Bindung an das Unternehmen und verbessert langfristig die Ausbildungsqualität.


Was würdest du anderen Ausbildungsbetrieben mit auf den Weg geben?

Unser wichtigster Impuls ist, die Zielgruppe wirklich ernst zu nehmen und sie aktiv in die Gestaltung von Gesundheitsangeboten einzubeziehen. Klassische BGM-Strukturen reichen für Lernende oft nicht aus, weil ihre Lebensrealität eine andere ist. Wenn man sie jedoch frühzeitig beteiligt und ihnen echte Gestaltungsmöglichkeiten gibt, entstehen sehr wirkungsvolle und nachhaltige Konzepte. Gesundheit in der Ausbildung sollte nicht als Zusatz verstanden werden, sondern als fester Bestandteil einer modernen Ausbildungsstrategie.

Unabhängig vom Thema lohnt es sich, Lernenden Vertrauen zu schenken, Verantwortung zu übertragen und ihnen Raum zu geben, sich auszuprobieren. Wer junge Menschen aktiv einbindet und ihre Ideen ernst nimmt, stärkt ihre Motivation, ihr Engagement und ihre Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig entstehen innovative Lösungen und eine Kultur der Mitgestaltung, von der sowohl die Lernenden als auch das Unternehmen langfristig profitieren. Denn wer die Zukunft gestalten will, sollte die Ideen derjenigen nutzen, die sie leben werden.


Vielen Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke!


Über Hitachi Rail

Bei Hitachi Rail in Deutschland arbeiten über 2.200 Menschen an drei Standorten daran, die Mobilität von morgen sicherer, digitaler und klimafreundlicher zu gestalten. Als Teil von Hitachis globalem Bahngeschäft und bevorzugter Partner für Betreiber wie die Deutsche Bahn entwickeln wir Lösungen, die Reisekomfort, Datensicherheit und Netzkapazität spürbar verbessern. Deutschland ist zugleich ein globales Zentrum unserer Signaltechnik – von hier aus beliefern wir nicht nur den heimischen Markt, sondern exportieren Know-how und Technologie für Bahnprojekte weltweit. Mit einem ganzheitlichen Blick und vernetzten Engineering-Teams schaffen wir die technologischen Grundlagen für eine nachhaltige Verkehrswende – in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden und mit einem klaren Ziel: eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur, die Menschen besser verbindet und Emissionen reduziert.

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