Azubis über Ausbilder: KI kann's besser

Pressemitteilung der u-form Testsysteme GmbH & Co KG vom 26.05.2026. 53 Prozent der Azubis denken, dass Künstliche Intelligenz Ausbildungsthemen "öfter" oder "manchmal" besser erklären kann als die eigenen Ausbilder*innen. Im Hinblick auf die eigenen Berufsschullehrer*innen finden das sogar 74 Prozent. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Studie Azubi-Recruiting Trends von u-form Testsysteme. An der Online-Umfrage haben in diesem Jahr 9.542 Azubis, dual Studierende und Schüler*innen sowie 2.071 Ausbildungsverantwortliche teilgenommen.

Fast drei Viertel der Azubis finden, dass KI besser erklären kann als ihre Berufsschullehrer.

85 Prozent der Azubis schätzen sich im Hinblick auf ihre eigenen KI-Kompetenzen als "sehr fit" oder "eher fit" ein. An einer KI-Weiterbildung haben allerdings nur 15 Prozent von ihnen teilgenommen. 49 Prozent der Betriebe stellen keine Lernangebote zum Thema KI für Azubis bereit.

Kandidatenmarkt kollabiert

Im vergangenen Jahr hatte die Studie schon gezeigt, dass im Ausbildungsmarkt wieder stärker Arbeitgeber dominieren - der Kandidatenmarkt kollabiert. Dieser Trend verstärkt sich in diesem Jahr. Der 2026er-Studie zufolge erhalten nur noch 29 Prozent der Azubi-Bewerbenden zwei oder mehr Ausbildungsangebote. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der Messreihe 2014 und ein erneuter Absturz gegenüber den 42 Prozent des Vorjahres (siehe Tabelle). Gleichzeitig konnten jedoch 34 Prozent der befragten Ausbildungsbetriebe 2025 nicht alle ihre Ausbildungsplätze besetzen.

Jahr der Studie
Anteil der Azubis mit mehr als einem Ausbildungsangebot
2026 29 %
2025 42 %
2019 73 % (höchster je gemessener Wert)
2014 42 %

Krankenstand in der Selbst- und Fremdwahrnehmung

In diesem Jahr werfen die Studienverantwortlichen einen besonderen Blick auf das Thema Gesundheit: 75 Prozent der Ausbilder berichten, dass die Krankheitsfehltage ihrer Auszubildenden in den letzten fünf Jahren gestiegen sind. 54 Prozent glauben, dass sich die eigenen Azubis "oft" oder "manchmal" krankmelden, ohne krank zu sein. Auf der anderen Seite sagen 82 Prozent der Azubis, sie hätten sich noch nie unbegründet krankgemeldet. Die von Ausbildungsverantwortlichen genannten "häufigsten Ursachen" für steigende Fehlzeiten bei Azubis und dual Studierenden sind "geringe Belastbarkeit" (34 %) und psychische Belastung/Überforderung (29 %).

Psychische Gesundheit als Ausbildungsphänomen

Im Hinblick auf psychische Gesundheit geben 85 Prozent der befragten Ausbildungsverantwortlichen an, die eigenen Azubis seien stärker psychisch belastet als vor der Coronapandemie. 25 Prozent der Azubis und dual Studierenden haben sich eigenen Angaben zufolge schon einmal wegen psychischer Belastung krankgemeldet, weitere 15 Protzent wegen "familiären oder privaten Problemen". 74 Prozent der Ausbilder meinen, in ihrem Ausbildungsbetrieb werde "sehr gut" oder "eher gut" auf die psychische Gesundheit von Azubis und dual Studierenden geachtet. Bei den Azubis und dual Studierenden sehen das nur 53 Prozent so. „Psychische Gesundheit ist in der Ausbildung ein strukturell unterberichtetes Thema. Hier besteht dringender Diskussionsbedarf", sagt Studieninitiatorin Felicia Ullrich von u-form Testsysteme.

Anforderungsprofile - von Bewerbenden ernster genommen als von den Betrieben

Auch Klassiker aus dem Azubi-Recruiting und -Marketing stehen in diesem Jahr wieder auf dem Programm der Studie wie etwa das Thema Eignungsdiagnostik. 37 Prozent der Azubi-Bewerbenden bewerben sich erst dann, wenn sie vier oder fünf von fünf in der Stellenanzeige genannten Kriterien erfüllen. Gleichzeitig nehmen 65 Prozent der Betriebe ihren eigenen Anforderungskatalog selbst nicht ernst und priorisieren eher den Gesamteindruck, den sie von den Bewerbenden haben. Bei der Selbstauswahl der Azubi-Bewerbenden gibt es außerdem deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 42 Prozent der Bewerberinnen nehmen sich selbst aus dem Rennen, wenn sie nicht (fast) alle Kriterien erfüllen. Bei den Männern sind es 32 Prozent. Ausführliche Anforderungskataloge wirken also vor allem als Selektionsfilter gegen Frauen.

Entgelttransparenz im Ausbildungsmarkt

Das Entgelttransparenzgesetz ist ab dem 7. Juni 2026 mit erweiterten Transparenzpflichten verbunden. Wie halten es Ausbildungsbetriebe aktuell mit der Gehaltstransparenz? Nur 46 Prozent geben die Ausbildungsvergütung für Azubis in Stellenanzeigen in einem konkreten Betrag an (zum Beispiel „1.050 Euro im 1. Jahr"). 22 Prozent nutzen eine Tarifangabe (etwa „TVöD/TV-L"), 12 Prozent werbliche Begriffe wie "gut" oder "fair". 20 Prozent machen in ihren Azubi-Anzeigen überhaupt keine Angaben zur Vergütung.

Die Studie wird wie in den vergangenen Jahren wissenschaftlich begleitet von Prof. Dr. Christoph Beck. Studienpartner ist AUBI-plus. Der zweite Teil der Azubi-Recruiting Trends 2026 erscheint im Herbst 2026. Infos zur Studie unter: https://www.testsysteme.de/studie

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