Die Europass Zeugniserläuterungen werden einem beruflichen Abschlusszeugnis beigefügt und erläutern die Qualifikationen und Kompetenzen, die im Rahmen eines Berufsabschlusses erworben werden. Zudem geben sie Hinweise zu Dauer, Art und Niveau der Ausbildung sowie zum Bildungsgang, über den dieser Berufsabschluss erreicht werden kann. Während für fast alle Berufe der dualen Ausbildung Zeugniserläuterungen vorliegen, fehlten diese bislang für vollzeitschulische Aus- und Weiterbildungsberufe. Nun liegen auch für diese erste Zeugniserläuterungen vor.


Knapp 20 Prozent aller Jugendlichen, die sich für eine berufliche Erstausbildung entscheiden, absolvieren diese als vollzeitschulische Ausbildung. Das geschieht in der Regel an den Berufsfachschulen, deren Inhalte und Angebote je nach Bundesland variieren. Denn während Berufsausbildungen im dualen System bundesweit geregelt sind, orientieren sich die vollzeitschulischen Bildungsgänge an den jeweiligen Landesgesetzen.


Ein Problem war dabei bislang die Vergleichbarkeit der vollzeitschulisch erworbenen Berufsabschlüssen im nationalen und europäischen Kontext. Vor diesem Hintergrund hat die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) im vergangenen Jahr damit begonnen, auch für die vollzeitschulischen Aus- und Weiterbildungsangebote Zeugniserläuterungen zu erarbeiten, die den jeweiligen Abschluss transparent und international vergleichbar machen. Sven Päßler vom Referat Berufliche Bildung, Weiterbildung und Sport im Sekretariat der Kultusministerkonferenz zum Stand der Dinge: „Wir sind gerade dabei, für die Bildungsgänge an Berufsfachschulen und Fachschulen, die in fast allen Ländern angeboten werden, Europass Zeugniserläuterungen zu erstellen.“


Die Zeugniserläuterungen für vollzeitschulische Aus- und Weiterbildungsabschlüsse werden von den Berufsfachschulen oder Fachschulen ergänzend zum eigentlichen Abschlusszeugnis ausgegeben. Erstmals interessant werden sie laut Päßler für all diejenigen, die in diesem Frühjahr oder Sommer ihren Abschluss erwerben. Perspektivisch sei es das Ziel der KMK, in naher Zukunft für alle Bildungsgänge an Berufsfachschulen und Fachschulen entsprechende Zeugniserläuterungen vorzulegen.


Ein Vorhaben, das auch seitens der Praxis begrüßt wird. So betont Annelie Öhlschläger, Diplompädagogin und Europareferentin des Instituts für Soziale Berufe in Ravensburg: „Ich bin sehr glücklich, dass es nun eine Zeugniserläuterung für Erzieherinnen und Erzieher gibt. Unsere Auszubildenden können mit diesem Dokument gut darstellen, welche Qualifikationen sie in der Ausbildung erworben haben. Besonders wichtig ist meiner Meinung nach, dass die Zeugniserläuterung die Einordnung der beruflichen Qualifikation im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen nennt, die beispielsweise den Abschluss zur Erzieherin und zum Erzieher dem Niveau 6 zuordnet. Damit ist die Ausbildung international vergleichbar. Das ist auch deshalb relevant, da Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland eine Fachschulausbildung absolvieren, während im europäischen Ausland in der Regel ein Hochschulstudium erforderlich ist.“ Das Beispiel zeigt: Mit den neuen Europass Zeugniserläuterungen ist ein Meilenstein auf dem Weg zu mehr Transparenz im internationalen Kontext erreicht. Sie erleichtern die europaweite Vergleichbarkeit, und zwar sowohl wenn Stellensuchende ins Ausland gehen, als auch, wenn sie aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland kommen. Profitieren können davon nicht nur die Bewerberinnen und Bewerber, sondern auch die Schulen und Unternehmen, bei denen sie sich bewerben.


Die Zeugniserläuterungen auf einen Klick: 

Unter http://www2.bibb.de/tools/aab/aabzeliste_de.php findet man eine Liste aller aktuell verfügbaren Zeugniserläuterungen für duale Ausbildungsberufe in Deutschland. Zu den aktuell verfügbaren Zeugniserläuterungen für landesrechtlich geregelte Berufsausbildungs- und Weiterbildungsabschlüsse, die in einer vollzeitschulischen Ausbildung erworben werden, gelangt man unter http://www.kmk.org/bildung-schule/berufliche-bildung/europass-zeugniserlaeuterung.html.Diese Zeugniserläuterungen wurden von den Kultusministerien der Länder gemeinsam mit dem Sekretariat der Kultusministerkonferenz erarbeitet.


Der Europass ist ein kostenloser Service der Europäischen Union. Er fördert die europäische Mobilität und unterstützt Bürgerinnen und Bürger bei der Darstellung ihrer Qualifikationen und Kompetenzen im Arbeits- und Lernumfeld. Dabei bietet er die Möglichkeit, Lernergebnisse zu dokumentieren und sichtbar zu machen. Er besteht aus insgesamt fünf Dokumenten:

  • dem Europass Lebenslauf,
  • dem Europass Sprachenpass,
  • den Europass Zeugniserläuterungen sowie 
  • dem Europass Mobilität und 
  • dem Europass Diploma Supplement.


Weitere Infos zum Europass im Internet unter www.europass-info.de.

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