Fast 180.000 Ausbildungsplätze waren Ende Juli 2017 deutschlandweit unbesetzt. Das vermeldet die Bundesagentur für Arbeit. Besonders Handwerksbetriebe suchen händeringend Nachwuchs: Diesen Satz kann Nadja Faul, Personalreferentin bei Seier, so unterschreiben. „Es ist nicht leicht, junge Leute mit der entsprechenden Qualifikation zu bekommen. Zum einen hapert es häufig an der schulischen Vorbereitung. Zum anderen ist das Angebot an Ausbildungsberufen viel zu groß.“ Jugendliche neigen, sagt Faul, eher zu „Trendberufen“ in der IT- oder Werbebranche oder wollen nach der Schule lieber studieren.

Mit dem Gütesiegel habe die Unternehmensgruppe, die sich als Dienstleister für Versorgungsunternehmen versteht, nun ein schlagkräftiges Argument gegenüber potenziellen Bewerbern in der Hand. Die Auszeichnung habe bereits Wirkung gezeigt, freut sich die Personalreferentin. „Eltern und Jugendliche haben uns auf Berufsmessen direkt auf das Siegel angesprochen.“

Für das Ausbildungsjahr 2017 gingen rund 230 Bewerbungen bei Seier ein – Tendenz steigend. Fast jeder zehnte Mitarbeiter ist ein Auszubildender. Besonders beliebt sind die Ausbildungsberufe des Elektrikers sowie kaufmännische Berufe. Falk Wege hat seine Ausbildung als Industrieelektriker gerade erst abgeschlossen. Mit einem Schnitt von 1,25 ist der 19-jährige Cuxhavener in diesem Jahr der beste Absolvent seines Ausbildungsberufes –in ganz Niedersachsen. Nach der Schulzeit, erinnert sich Wege, hatte er buchstäblich die freie Auswahl. Sieben oder acht Zusagen bekam er. Am Ende entschied er sich für Seier, „weil mir das am meisten zugesagt hat“. Dass er dem Unternehmen treu bleiben will, wusste er von Anfang an – er wurde übernommen und qualifiziert sich jetzt weiter.

„Das Lernen hört bei uns auch nach der Ausbildung nicht auf“, weiß Heiko Tietje, Ausbildungsleiter im elektrotechnischen Bereich. Auf die Frage, aus welchem Grund Seier das Ausbildungs-Gütesiegel bekommen habe, hat Tietje eine klare Antwort: „Weil wir uns Zeit nehmen für unsere Azubis. Wir stellen ihnen Arbeitskleidung und Schulmaterial und lassen sie vom ersten Tag an voll mitarbeiten.“

Das kann Kevin Luca bestätigen. Der 17-Jährige hat am 1. August seine Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter begonnen. „Ich habe schon immer gerne mit der Schaufel gearbeitet, deshalb ist der Beruf genau richtig für mich“, sagt er. Seit 2015 bietet Seier auch ein Duales Studium an, Bauingenieurwesen. „Viele schließen erst ihre Ausbildung zum Tiefbauarbeiter ab und hängen das Studium hintendran“, so Nadja Faul. Seit diesem Jahr bildet Seier erstmals einen syrischen Flüchtling aus – zum Fachinformatiker für Systemintegration.

Gütesiegel „Best Place To Learn“

Das Gütesiegel „Best Place To Learn“ von AUBI-plus soll jungen Menschen die Suche nach einem guten Ausbildungsbetrieb erleichtern. Um die Ausbildungsqualität zu ermitteln, wurden bei der Seier Unternehmensgruppe 130 Beschäftigte befragt – zu insgesamt 71 Kriterien wie Betreuungsintensität oder Arbeitsklima. Erreicht ein Unternehmen nach Auswertung der Befragung eine Mindestanzahl an Punkten, darf es für drei Jahre das Gütesiegel verwenden.

Quellen:

  1. Merlin Hinkelmann Dorum: Sie arbeiten im "Best Place" (abgerufen am 14.10.2017)

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