AUBI-plus GmbH Donnerstag, 7. Juni 2018 4 Minuten Lesezeit

Praktikum: Gehalt oder kein Gehalt?

Egal ob Schulpraktikum, Pflichtpraktikum im Studium oder freiwilliges Praktikum, um erste Berufserfahrung für den späteren Einstieg in das Arbeitsleben zu sammeln: Ein Praktikum macht wohl jeder irgendwann einmal in seinem Leben. Nur, wie viel verdienen Praktikanten eigentlich? Haben Praktikanten überhaupt Anspruch auf eine Vergütung?

Für die verschiedenen Praktikumsarten gibt es auch unterschiedliche Regelungen bezüglich der Vergütung
Für die verschiedenen Praktikumsarten gibt es auch unterschiedliche Regelungen bezüglich der Vergütung© nattanan23 | Pixabay Public Domain

Bezahlung: Ja oder Nein?

Das Vorurteil des Praktikanten, der bis in die späten Stunden schuftet, Aufgaben übernimmt, die sonst niemand machen möchte und dafür nicht einmal bezahlt wird, hält sich immer noch wacker. Die Realität sieht hingegen anders aus, denn ein Praktikum bietet sowohl Schülern als auch Studenten wertvolle Einblicke in den Arbeitsalltag und bringt die Möglichkeit mit sich, die theoretisch behandelten Themen in die Praxis umzusetzen. Dass Praktikanten nur Kaffee kochen und unliebsame Fleißarbeiten übernehmen, ist also schon einmal nicht richtig. Aber wie sieht es mit der Bezahlung aus?

Bei der Vergütung kommt es darauf an, was du genau für ein Praktikum machst, denn für die verschiedenen Praktikumsarten gibt es auch unterschiedliche Regelungen bezüglich der Vergütung.

Freiwilliges Praktikum

Strebst du ein Praktikum freiwillig an, beispielsweise um einen Beruf kennenzulernen, Wartezeiten auf Ausbildungs- oder Studienplätze zu überbrücken oder einfach, um mit der gewonnenen Erfahrung nach dem Abschluss bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz zu haben, kannst du dich freuen. Seitdem im Januar 2015 der Mindestlohn eingeführt wurde, müssen nicht nur Arbeitnehmer in Voll- oder Teilzeit, sondern auch freiwillige Praktikanten mindestens mit diesem bezahlt werden. Mit dieser Regelung möchte der Gesetzgeber dem Ruf der billigen Arbeitskraft entgegenwirken, denn durch das Mindestlohngesetz ist der Arbeitgeber verpflichtet, dir ein Gehalt von mindestens 8,84 Euro brutto die Stunde zu zahlen, was einem Monatsgehalt von mehr als 1.400 Euro entspricht. Davon geht ein kleiner Beitrag an die Kranken- und Sozialversicherung - es ist also nicht die Summe, die am Ende auf deinem Kontoauszug steht. Um den Mindestlohn zu erhalten, musst du allerdings ein paar Voraussetzungen mitbringen, denn es gibt Ausnahmen. Der Arbeitgeber muss dem Praktikanten nämlich nur den Mindestlohn bezahlen, wenn dieser über drei Monate im Betrieb arbeitet. Ist dein Praktikum also auf eine kürzere Zeit, beispielsweise drei Wochen oder zwei Monate, angesetzt, gilt der Anspruch auf ein Entgelt nicht. 

Gerade bei kleineren Unternehmen, die den Mindestlohn für Praktikanten nicht bezahlen können, führt das leider häufig dazu, dass Praktikumsplätze nur für einen kürzeren Zeitraum als drei Monate angeboten werden und so der Mindestlohn umgangen wird. Wenn du während deines freiwilligen Praktikums also Geld verdienen möchtest, solltest du darauf achten, mindestens drei Monate in einem Unternehmen zu arbeiten.

Schul- und Pflichtpraktikum

Handelt es sich bei deinem Praktikum nicht um ein freiwilliges Praktikum, sondern wird dies von der Schule oder Hochschule vorgeschrieben, hast du leider nicht so viel Glück. Für diese Art von Praktika gelten die gesetzlichen Regelungen des Mindestlohns nämlich nicht, egal wie lange die Dauer ist. Unternehmen stehen damit nicht in der Pflicht, ihren Praktikanten Gehalt zu zahlen, wenn es sich um ein Pflichtpraktikum handelt.

Kein Anspruch auf Praktikumsvergütung - was nun?

Doch keine Sorge: Nur, weil bei deinem Praktikum eine Bezahlung nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, bedeutet das nicht grundsätzlich, dass du gar keine Entlohnung bekommst. Es heißt lediglich, dass sie nicht so hoch sein muss wie der Mindestlohn, aber natürlich sein kann. Dass du für deine Arbeit gar nicht bezahlt wirst, ist vor allem bei Studentenpraktika relativ selten. Die meisten Unternehmen zahlen eine kleine Vergütung. Diese liegt bei freiwilligen Praktika unter drei Monaten und Pflichtpraktika durchschnittlich um die 940 Euro monatlich. Allerdings hängt das Entgelt zum einen von deinen Qualifizierungen - ein Student in der Mitte seines Studiums wird sicherlich mehr Geld bekommen als ein Schüler der 8. Klasse - und zum anderen von der Größe des Praktikumsbetriebs ab. Top-Unternehmen werden auch hier mehr zahlen als kleinere und mittelständische Betriebe. Um sicherzugehen, ob und wie viel du bekommst, solltest du dir den Praktikumsvertrag genau anschauen, denn dort sind alle Regelungen bezüglich des Verdiensts, der Arbeitszeit oder auch des Urlaubs festgehalten.

Und selbst wenn es so sein sollte, dass der Arbeitgeber dir keinen Lohn zahlt: Als Praktikant sollte es dir nicht darum gehen, das große Geld zu verdienen, sondern wertvolle Berufserfahrung zu sammeln, die dir im Berufsleben weiterhilft und dich auf der Karriereleiter ein Stückchen voran bringt.

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