Gott und die Welt

Eigentlich geht es bei den Kirchen in vielen Bereichen genauso zu wie in ganz normalen Unternehmen oder Behörden, daher findet man dort auch zahlreiche ganz normale Jobs. Beschäftigt sind Krankenschwestern, Hausmeister und Fahrer, aber auch Juristen, PR-Referenten, Buchhalter und Marketing-Spezialisten. Doch auch denjenigenen, denen der Glaube an sich das Wichtigste ist, stehen vielerlei Berufe zur Auswahl.

Zu den pastoralen Berufen werden neben Pastor oder Pfarrerin auch Diakon, Religionslehrer, Gemeinde- und Pastoralreferent sowie Kirchenmusiker gezählt. Wer sich für einen dieser Berufe in der Kirche entscheidet, für den beginnt die Berufswahl meist nicht erst in der Berufsberatung: "Ich habe bereits als Schüler gespürt, dass in der Kirche und im Glauben mein berufliches Leben liegt", erzählt Theologiestudent Ludwig Waldmüller. "Immer wieder hatte ich recht eindeutige Berufungserlebnisse, ich habe auf ganz heftige Weise erfahren, dass da jemand ist, der mich in seinen Dienst ruft, der gerade mich braucht." Ob der 26-jährige, der derzeit bei Radio Vatikan arbeitet, einmal Priester werden wird, weiß er noch nicht so genau.

Nachwuchsmangel an den theologischen Fakultäten

Religion ist keinesfalls out. Im August 2006 werden rund 600.000 junge Menschen aus aller Welt zum katholischen Weltjugendtag in Köln erwartet – die wohl größte Versammlung von Christen, die es in Deutschland je gab. Mit dabei ist dann sogar der neue Papst, Benedikt XVI, der das spirituelle Mega-Event zum Ziel seiner ersten Auslandsreise macht. Einen Boom der theologischen Studiengänge hat Ratzingers Wahl zum Kirchenoberhaupt gleichwohl nicht ausgelöst. "Theo"-Studenten sind an deutschen Universitäten heute Mangelware, einigen theologischen Fakultäten droht bereits die Schließung. Seit rund zehn Jahren ist die Zahl der Priesterkandidaten und der Neupriester rückläufig, es herrscht Notstand. Viele Gemeinden sind geradezu "unterversorgt", die dortigen Geistlichen oft überlastet.

Nicht viel besser ergeht es ihren evangelischen Glaubensbrüdern. "Nach unseren Hochrechnungen werden wir beispielsweise in der Evangelischen Kirche im Rheinland ab 2009, spätestens ab 2012 viele unbesetzte Stellen haben", sagt Dr. Volker A. Lehnert, Dezernent für theologische Ausbildung im Landeskirchenamt der EkiR in Düsseldorf. "Wer sich wirklich für Gott und den Glauben interessiert, sollte jetzt mit dem Studium beginnen", ist sein Tipp.

Nicht jeder, der Theologie studiert, wird Pfarrerin oder Ordenspriester. Und nicht jeder, der einen pastoralen Beruf ergreifen will, muss Theologie studieren. Diakone, Gemeinde- und Pastoralreferenten, aber auch Religionslehrer leisten wichtige Aufgaben in Kirche und Gemeinde. Zukünftige Pastoralreferenten studieren zunächst Theologie und absolvieren dann eine mehrjährige Assistenzzeit, bevor sie ihre Gemeindeaufgaben in der Gemeindekatechese, Jugendarbeit, im Religionsunterricht oder in der Beratung wahrnehmen. Gemeindereferent oder -referentin wird, wer zunächst eine schulische Berufsausbildung an einer Fachschule oder Fachakademie bzw. ein theologisches FH-Studium wie etwa Praktische Theologie, Religionspädagogik oder Bildungsarbeit und danach eine Assistenzzeit absolviert. Ein Diakon steht dem Priester oder der Pfarrerin zur Seite, nimmt karitative, verwaltende und liturgische Funktionen wie Taufe oder Eheschließung wahr. Abiturienten, die sich hierfür interessieren, steht neben dem Weg über eine Fachschulausbildung oder eine Ausbildung zum Gemeinde- bzw. Pastoralreferenten das Hochschulstudium offen: Wer sich beispielsweise an der Evangelischen Fachhochschule Hannover ausbilden lässt, der studiert in den Bereichen Sozialwesen, Religionspädagogik und Diakonie und absolviert dann ein 18-monatiges Praktikum, um die staatliche und kirchliche Anerkennung zu erhalten.

Eine Berufung, verschiedene Berufe

Mehr als 300 Studiengänge spuckt der Hochschulkompass (www.hochschulkompass.de) aus, wenn man ihn mit dem Stichwort "Religion" füttert. Die meisten Studiengänge bilden zukünftige Religionslehrer der beiden christlichen Konfessionen aus. Und auch hier herrscht Mangel: An vielen Schulen fällt bereits der Religionsunterricht aus, weil kein entsprechend ausgebildetes Personal zu bekommen ist.

Religion, Religionslehre, Theologie, Religionspädagogik – wer Kindern und Jugendlichen den Glauben nahe bringen möchte, hat verschiedene Wege zur Auswahl. Nicht nur von der Kanzel oder im persönlichen Gespräch lässt sich die kirchliche Botschaft verbreiten: Die Bibel – das Buch der Bücher – wird jährlich millionenfach verkauft und ist der erfolgreichste Bestseller der Geschichte. Auch sonst zieht es viele, die nicht in den pastoralen Dienst gehen möchten, zur schreibenden Zunft. In den Medien waren die beiden christlichen Kirchen oft Vorreiter: Radio Vatikan wurde bereits im Jahr 1931 gegründet, damit gehört es zu den ältesten Rundfunkstationen der Erde. Seit 1910 existiert der Evangelische Pressedienst und ist damit die älteste der heute noch bestehenden deutschen Nachrichtenagenturen. Hier arbeiten derzeit 80 fest angestellte Redakteure.

Natürlich gibt es in Deutschland nicht nur die Römisch-Katholische und die Evangelische Kirche, doch sind sie mit zusammen über 50 Millionen Mitgliedern fraglos die dominierenden Glaubensgemeinschaften. Die Millionengrenze überschreitet in Deutschland nur noch die Gruppe der Muslime. Das Studium der Islamwissenschaften ist zwar an vielen Hochschulen möglich, wogegen eine offizielle Ausbildung zum Religionslehrer oder ein Studiengang "Islamische Theologie" die bürokratischen Hürden noch nicht genommen hat. Bis jetzt gibt es keine Einbeziehung eines Dachverbandes der Muslime in die Verantwortung für Planung und Durchführung von Studiengängen, da eine zentrale Organisation noch nicht als Körperschaft anerkannt ist. Doch es tut sich schon etwas: So will beispielsweise die Universität Osnabrück in Zukunft einen Studiengang zur Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern für das Fach "Islamische Religion" in Kooperation mit Hochschulen in Wien, Paris und der Türkei anbieten.

Rabbiner kann man in Deutschland werden, Imam nicht

Eine geregelte Ausbildung zum Imam gibt es in Deutschland nicht: "Fast alle tätigen Imame werden an den Universitäten in muslimischen Ländern ausgebildet", sagt Asim Mucan vom Dachverband Mannheimer Muslime. "Zu den wenigen Ausnahmen gehören beispielsweise die islamischen Universitäten in Holland oder Frankreich und die Möglichkeit des Fernstudiums."

Junge Männer, die Rabbiner werden wollen, können dies dagegen auch in Deutschland: Seit 2000 wird am Abraham-Geiger-Kolleg in Potsdam die Ausbildung zum jüdischen Geistlichen angeboten. Vier bis sechs Studenten pro Jahr absolvieren hier ihre Ausbildung, die in Kooperation mit der Universität Potsdam durchgeführt wird. Bereits seit 1979 gibt es die Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, die mit der dortigen Universität zusammenarbeitet. Der Magisterstudiengang "Jüdische Studien" kann auch als Grundlage für ein weiterführendes Rabbinatsstudium in den USA oder in Israel dienen. Seit dem Wintersemester 2001/02 wird hier auch das Fach "Jüdische Religionslehre" für das Lehramt an Gymnasien unterrichtet.

Linktipps: Kirchliche Arbeitgeber

www.katholisch.de - Katholische Kirche in Deutschland
www.ekd.de - Evangelische Kirche in Deutschland
www.berufenet.de - Job-Datenbank der Arbeitsagentur (Suchwort „Kirche“ oder „Religion“)
www.ekd.de/kirchenjobs/991.html - Stellenbörse der EKD
www.diakonie.de - Diakonisches Werk der EKD (mit Stellenbörse)
www.kirchliche-stellen.de - Evangelische Stellenbörse
www.glaube24.de - Infoportal mit Rubrik „Ausbildung & Beruf“
www.cbt-gmbh.de - Caritas
www.ageh.de - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe
www.eed.de - Evangelischer Entwicklungsdienst

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