Aus dem Fußballprofi ist also nichts geworden. Wie hat sich dein Berufswunsch dann über die Zeit entwickelt?

In der Oberstufe hatte ich Physik und Geschichte als Leistungskurse, sowie Deutsch und Religion als weitere Prüfungsfächer. Also eine ziemlich bunte Mischung. Eine Ausbildung war eigentlich nie eine Option für mich; ich wollte schon immer studieren oder ein duales Studium machen. Zuerst habe ich in Richtung Lehramt überlegt. Da mich aber auch der Bereich der erneuerbaren Energien sehr interessiert hat, entschied ich mich letztendlich dafür.


Dann hast du also direkt nach dem Abi ein Studium aufgenommen?

Nein, ich habe zuerst noch meinen Zivildienst gemacht und war 9 Monate lang in einem Seniorenzentrum. Meine Aufgaben dort waren der Fahrdienst, z. B. Personen für die Tagespflege abholen und abends wieder nach Hause bringen, Patienten zum Arzt fahren oder Medikamente aus der Apotheke abholen, sowie die Freizeitgestaltung. Ich bin mit den alten Menschen spazieren oder zum Einkaufen gegangen und habe Filmvorführungen im Aufenthaltsraum organisiert. Kurz gesagt ging es darum, einfach mal Zeit für die alten Menschen zu haben, die das Pflegepersonal in der Regel nicht hat. Das war schon eine gute Zeit! Pflegerische Aufgaben hatte ich keine.


Wenn es dir so gut gefallen hat, warum bist du dann nicht in der Pflege geblieben?

Ich habe einen großen Respekt vor den Menschen, die in der Pflege arbeiten. Leider wird ihre Arbeit schlecht bezahlt und die Arbeitszeiten sind auch nicht so berauschend, weshalb ich lieber etwas anderes machen wollte.


Wie ging es nach dem Zivi dann weiter?

Ich habe zunächst Wirtschaftsingenieurwesen in der Fachrichtung Elektrotechnik an der RWTH Aachen studiert. Bis das Studium begann, hatte ich noch zwei Monate Zeit. Ein Vorpraktikum wurde zwar nicht verlangt, aber ich habe dennoch die Gelegenheit genutzt und ein Praktikum bei einem Hersteller von Windenergieanlagen gemacht, um schon mal einen Einblick in den Bereich der erneuerbaren Energien zu bekommen.

Das anschließende Studium war jedoch nicht das richtige für mich und ich brach nach zwei Semestern ab. Irgendwie fehlte mir der Praxisbezug. Außerdem hatte ich so gut wie keine Ferien, da in der vorlesungsfreien Zeit alle zwei Wochen eine Klausur geschrieben wurde. Andere Prüfungsleistungen, wie z. B. Hausarbeiten oder Referate, gab es nicht.


Wie hast du nach dem Abbruch weitergemacht?

Ich bin an die FH Bielefeld gegangen und habe mich dort für regenerative Energien eingeschrieben. Das ist ein Bachelorstudiengang, der mit dem Bachelor of Engineering abschließt. Zulassungsvoraussetzung war ein 10-wöchiges Vorpraktikum. Ein erstes Praktikum hatte ich ja bereits absolviert; allerdings war dieses kürzer als 10 Wochen gewesen, so dass ich vor Studienbeginn noch ein weiteres Praktikum machen musste.


Was waren deine Studieninhalte?

Ich würde sagen, dass der Studiengang zu 80 Prozent aus Elektrotechnik besteht. In den ersten vier Semestern hatte ich viele Grundlagenfächer: Messtechnik, Regelungstechnik, Mathe und Physik. Die Klausuren hatten es schon in sich und viele sind auch durchgefallen. Organisiert waren die Prüfungsphasen so, dass wir am Anfang und am Ende der Semesterferien feste Klausurblöcke hatten; die Zeit dazwischen war frei, was sehr gut war!

Im 5. und 6. Semester konnten wir dann unsere Vertiefungsfächer aus einem Katalog auswählen; auch Fächer wie Rhetorik, technisches Englisch, BWL und Finanzierung konnten wir belegen. Insgesamt waren die Studieninhalte weniger theoretisch als in Aachen, sondern viel näher an der Wirtschaft orientiert.

Im 7. Semester macht man dann ein Praktikum und schreibt seine Bachelor-Arbeit. Entweder zeitversetzt, d. h. erst zwölf Wochen Praktikum und dann zwölf Wochen Bachelor-Arbeit, wie ich es gemacht habe, oder beides parallel über ein halbes Jahr.


Wie ging es nach dem Bachelor dann weiter?

Viele meiner Kommilitonen erhielten ein Angebot von ihrem Praktikumsbetrieb. Ich schätze, dass die Hälfte meines Semesters dies angenommen hat. Die andere Hälfte studierte weiter. Ich hatte zwar auch ein Angebot, aber irgendwie fühlte ich mich noch nicht bereit dazu, in die Industrie einzusteigen. Außerdem wollte ich auch noch ein wenig Uni-Luft schnuppern und habe deswegen an die Uni Kassel gewechselt. Mein Studiengang dort hieß Regenerative Energien und Energieeffizienz und schloss mit dem Master of Science ab.

Der Wechsel hat glücklicherweise problemlos geklappt und ich konnte aus über 250 Modulen meinen eigenen Studienplan zusammenstellen. Meinen Schwerpunkt legte ich dabei auf Windkraft, aber auch auf elektrotechnische Fächer.


Was machst du heute und wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Ich arbeite in der Projektierung neuer Windparks. Die Firma kenne ich noch aus meiner Praktikumszeit. Der Geschäftsführer hatte mich angesprochen, ob ich nach meinem Studienabschluss dort anfangen wolle. Ich musste also nicht eine einzige Bewerbung schreiben! [grinst]

Zu 80 Prozent arbeite ich am Schreibtisch am PC. Die übrige Zeit bin ich draußen unterwegs, fahre zu Windparks raus, spreche mit Landwirten und Flächeneigentümern, und schaue mir Gegebenheiten vor Ort an, wie beispielsweise mögliche Zuwege für die Anlieferung von Teilen für eine neues Windrad.


Welchen abschließenden Rat hast du für Jugendliche?

Bloß nichts überstürzen! Wenn man noch nicht weiß, was man beruflich machen möchte, kann man nach der Schule auch erstmal eine Weltreise unternehmen oder einen Freiwilligendienst ableisten. 

Wer wie ich ein Ingenieursstudium anstrebt, der braucht besonders in den ersten Semestern mit den ganzen Grundlagenfächern ein gutes Durchhaltevermögen, denn da wird schon gesiebt und die Klausuren sind entsprechend schwer.


Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für dich!

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