Lieber Herr Grottke, wie kam es dazu, dass Sie die Studiengangsleitung für diesen Studiengang übernommen haben?

Markus Grottke: Tatsächlich habe ich schon lange davon geträumt, ein derartiges Studienangebot zu ermöglichen. So habe ich in meinem Werdegang alle hierfür notwendigen Bausteine erlernen dürfen. Zunächst war ich nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Revision und Unternehmensrechnung zur Promotion an einem Lehrstuhl für interne und externe Rechnungslegung, dann – in einer Art Frühform der Digitalisierung – im Bereich der automatisierten Textanalyse bei der Geschäftsberichterstattung aktiv und hernach während der Habilitation habe ich mich umfassend mit Controlling im Rahmen der Digitalisierung einerseits und Komplexität in der Besteuerung andererseits befasst. Hernach hatte ich eine Professur für Rechnungswesen inne, bevor ich dann an das Prorektorat der AKAD gewechselt war. Insofern – mein ganzer Lebensweg hat mich quasi für diese Rolle qualifiziert.

Spezialisierung und Digitalisierung

Wie hat sich denn das Controlling in den vergangenen Jahren in den Unternehmen entwickelt? Warum braucht es diesen Studiengang?

Markus Grottke: Sehr interessant würde ich sagen. Es hat sich immer mehr spezialisiert. Gleichzeitig digitalisiert es sich immer mehr. Entwicklungen wie eine Digitale Kanzlei, aber auch die zahlreichen Initiativen, Belegerfassung durch künstliche Intelligenz zu vollautomatisieren, sind hier immer weiter verbreitet. Dadurch fallen klassische Buchhaltungstätigkeiten, auch viele klassische Datenerhebungstätigkeiten weg. Andererseits kommen neue Tätigkeiten, insbesondere im Bereich der Datenanalyse hinzu. Auch hat der Controller immer mehr die Rolle auch des Kommunikators, Konfliktlösers, Change Agents oder auch eine dienende Funktion mit Blick auf die Demokratisierung von Entscheidungen, die zunehmend allein aus Gründen der Schnelligkeit eher an der Basis getroffen werden müssen. Gleichzeitig steigen damit die Herausforderungen für einen Controller, nicht allein den Zahlen zu glauben, sondern auch das Zustandekommen dieser möglichst gut zu verstehen. Zahlen lügen zwar nicht, aber ohne Kontext lassen sie sich immer weniger einfach hinnehmen oder interpretieren.

Und wie wird der Studiengang dem gerecht?

Markus Grottke: Tja, ich würde sagen, wir haben den Studiengang genau hierauf ausgerichtet. So bietet er insbesondere, aber natürlich nicht nur, klassischen Bilanzbuchhaltern, Controllern oder IHK-Betriebswirten unter Anrechnung umfassender Vorausbildungen die Möglichkeit, sich gezielt auf die künftige Schnittstelle zwischen Controlling und Data Science hinzuqualifizieren, die in ganz vielen Abteilungen im Moment als Unterstützung für die Abteilungsleitung entstehen. Und hier hat ein Controller nach dem Studium wahrscheinlich nicht das letzte Quäntchen Expertenwissen bei der letzten Analysetechnik, dafür aber ein umfassendes betriebswirtschaftliches Zusatzwissen und Wissen im Umgang mit den Daten, was häufig in der Praxis vom Mehrwert her sogar überwiegt.

Vorqualifikationen lassen sich anrechnen

Und wen haben Sie mit diesem Studienangebot im Auge? Für wen ist dieser Studiengang konzipiert?

Markus Grottke: Nun, vor allem für Personen, die bereits eine entsprechende kaufmännische Ausbildung absolviert haben, jetzt merken, dass klassische Aufgabenbereiche digitalisiert werden und die sich darum weiterqualifizieren wollen. Bedeutsam ist für uns in diesem Kontext insbesondere, dass eben viele der Vorqualifikationen im Sinne einer Durchlässigkeit nicht unerheblich (d.h. bisweilen bis zu 90 ECTS) auf das Studium angerechnet werden können. Und manchmal lassen sich auch bei der AKAD absolvierte Module schon anrechnen, so z. B. das kostenlos absolvierbare Nanodegree Digital Transformation.

Und wie ist der Studiengang aufgebaut?

Markus Grottke: Der Studiengang entfaltet sich sukzessive: Zunächst werden betriebswirtschaftliche Grundlagen gelegt, insbesondere solche, welche für das Controlling unabdingbar sind. Dann werden Inhalte thematisiert, welche einen IT-Schwerpunkt als Grundlage für Data Analytics ausprägen. Hierauf folgen dann Bezugswissenschaften des Controllings, also solche, mit welchen das Controlling tagtäglich zu tun hat. Hierauf dann werden dann Grundlagen für das spezialisierte Controlling einerseits und das Data Analytics andererseits gelegt. Dann kann man aus drei Vertiefungen wählen, nämlich Data Analytics, datengetriebene Wertschöpfung und dem klassischen Bereich Rechnungslegung und Erfolgskontrolle.

Wohin kann man mit dem Studiengang dann später gehen?

Markus Grottke: Einerseits ermöglicht der Studiengang Tätigkeiten in Stabsstellen des Controlling, insbesondere aber ermöglicht er die Besetzung von Stellen für die Dateninterpretation und -aufbereitung an der Schnittstelle zur Abteilungsleitung, vielleicht sogar die Einnahme ebendieser Abteilungsleitung.

… und dann vielleicht noch den Master machen?

Ist damit der Weg bereits zu Ende?

Markus Grottke: Nein, gerade nach dem Absolvieren des Studiengangs bieten sich auch einige Masterstudiengänge an der AKAD an, je nachdem, welchen Schwerpunkt man für sich selbst als passend herausgefunden hat. Will man hernach stärker in Richtung Management, so bieten sich Studiengänge wie der General Management (MBA), ggf. dessen Variante General Management – Digital Business (MBA) an oder der Studiengang Digital Management & Leadership (MBA). Will man das Data Analytics vertiefen, so ist es sinnvoll, dann in Richtung Data Science oder Künstliche Intelligenz weiterzumachen. Und es wird hier auch noch mehr sehr passende Masterstudiengänge geben.

Wo lassen sich denn weitere Informationen zu dem Studiengang finden?

Markus Grottke: Einfach auf unsere Homepage gehen. Der Studiengang ist brandneu – aber sehr bald bei uns verfügbar.

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