Erst wurde sie aufgrund ihrer Intelligenz und ihres sozialen Engagements aus rund 1.250 Jugendlichen für den Austausch ausgewählt, dann versuchten die Dorfnachbarn, sie für diese in ihren Augen ungerechtfertigte Bevorzugung zu erniedrigen. Im Dorf Belwaraipur, im Osten des indischen Bundesstaats Uttar Pradeshs fast an der Grenze zu Nepal gelegen, hat das Kastenwesen – obwohl 1949 offiziell abgeschafft – immer noch großen Einfluss auf den Alltag. Dalits („Unberührbare“) wie Goldy dürfen sich nicht auf öffentlichen Plätzen aufhalten, müssen abseits des Dorfes wohnen, der soziale Aufstieg ist so gut wie unmöglich. „Selbst wenn man in der Schule alle Aufgaben richtig löst, eine gute Prüfungsnote ist trotzdem kaum zu bekommen“, erzählt sie uns. In den terre des hommes-Jugendgruppen gibt es diese Unterscheidungen nicht, dort widmet sich Goldy jetzt ganz besonders dem Kampf gegen die Kastendiskriminierung.

Den Zirkel durchbrechen

Die indische Gesellschaft ist gut darin, Menschen auf ihren angestammten Platz zu verweisen, das haben auch die anderen jungen Erwachsenen der Reisegruppe erlebt.

 
In Deutschland besuchten die fünf jungen Erwachsenen zunächst das Hauptquartier der Kinderhilfsorganisation in Osnabrück und die DACHSER Niederlassung Bad Salzuflen ließ sie einen Tag lang Logistikluft schnuppern. Dann reisten sie weiter nach Kempten, wo sie das Wochenende bei Gastfamilien verbrachten. Dort trafen sie schließlich die fünf Dachser-Auszubildenden wieder, die bereits im März nach Indien gereist waren. Die Wiedersehensfreude war groß, zum Feiern blieb allerdings kaum Zeit. Denn auf die zehn Jugendlichen wartete ein straffes Programm: Sie spielten eine tragende Rolle bei der Aktionswoche „So geht Heimat“, die Dachser zusammen mit terre des hommes und der Stadt Kempten veranstaltete.

Sie kämpfen für das, was für uns selbstverständlich ist

Dazu gehörten Auftritte an Schulen, bei einem Azubi-Event im Head Office und einem Länderabend an der Hochschule Kempten. DACHSER CEO Bernhard Simon ließ es sich nicht nehmen, alle Termine zu begleiten und einführende Worte zum Jugendaustausch sowie zum gemeinsamen Engagement von DACHSER und terre des hommes zu sprechen. Während die deutschen Auszubildenden ihre Reiseerlebnisse und Eindrücke aus Indien erzählten, verknüpften die fünf indischen Jugendlichen ihre Vorstellung mit den sozialen Problemen, die sie selbst in Indien erlebt haben haben und gegen die sie jetzt kämpfen. Danach konnten die Schüler, Auszubildenden Studenten gut nachvollziehen, was auch die deutschen Azubis als wichtigste Erkenntnis ihres Indien-Trips mitbrachten: Wir müssen mehr schätzen, was für uns längst selbstverständlich ist. Jeder hat Zugang zu Bildung, kann gleichberechtigt und in Freiheit aufwachsen, einen Beruf erlernen oder studieren, selbstbestimmt sein Leben verfolgen. Während die deutschen Jugendlichen das als gegeben hinnehmen, müssen sich die indischen Jugendlichen diese Privilegien erst erkämpfen.

Aufmerksame und interessierte Beobachter

In den vielen Diskussionen erwiesen sich die indischen Gäste als aufmerksame und interessierte Beobachter. Was ihnen an Deutschland auffiel? Frische Luft, saubere Straßen, Mülltrennung, weniger Lärm, der geordnete Straßenverkehr, die vergleichsweise gut ausgestatteten öffentlichen Schulen, die Inklusion von Menschen mit Behinderung, die Gleichbehandlung von Mädchen und Jungen, die gute Behandlung von Tieren. Hier nahmen die Jugendlichen einige Ideen und Anregungen für ihre Projekte mit. Doch sie setzten sich auch durchaus kritisch mit der deutschen Gesellschaft auseinander: Die kleinen, getrennt lebenden Familien und die wenigen Menschen, die noch in der Landwirtschaft tätig sind. Auch das deutsche Essen war sicherlich mehr Herausforderung als Genuss, die Allgäuer Spätzle konnten den geliebten Reis nicht ersetzen. Nur wer sich mit dem Fremden auseinandersetzt, kann die eigene Heimat schätzen: Auch diese Erfahrung machten die Jugendlichen auf ihrer Reise.

In einem aber waren sich alle sicher: Entwicklung und Selbstbestimmung gründen auf dem Zugang zu Bildung und einer sauberen Umwelt – und zwar für alle und nicht nur für eine Elite. Dafür werden sich die indischen Jugendlichen weiter stark machen und auch mit Nachdruck ihre eigenen beruflichen Ziele weiterverfolgen: Richterin, Lehrer, Sozialarbeiterin oder „einfach ein selbstbestimmtes Leben führen“, wie Omika sagt. Mit ihrem Engagement kommen sie ihrem Ziel näher: Ihre Welt besser machen. Für sich selbst, und ganz sicher für die nächste Generation.

Quellen:

  1. www.dachser.com/de/ (abgerufen am 23.3.2018)

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