AUBI-plus: Wie bist du auf Kolumbien gekommen?
Chiara: 2011 habe ich an einem Schüleraustausch nach Brasilien teilgenommen. Schnell stand für mich fest, dass ich unbedingt noch einmal für längere Zeit nach Südamerika gehen wollte. Außerdem hatte ich in der Oberstufe Spanisch. Diese Fremdsprachenkenntnisse wollte ich gerne vertiefen. Brasilien schied daher aus, da man dort (brasilianisches) Portugiesisch spricht. Ich informierte mich über weitere Länder in Lateinamerika und fand insbesondere Ecuador, Venezuela und Kolumbien sehr ansprechend. Meine Wahl fiel schließlich auf Kolumbien.

AUBI-plus: Wie ging es dann weiter?
Chiara: Zunächst recherchierte ich im Internet nach Organisationen, über die man einen Freiwilligendienst im Ausland machen kann. Bei insgesamt drei Organisationen habe ich mich dann beworben und bin sogar von allen dreien zu einem Auswahlgespräch eingeladen worden! Die Auswahlgespräche waren alle sehr ähnlich: Die jeweilige Organisation hat sich vorgestellt und wir Bewerber mussten verschiedene Aufgaben einzeln oder in der Gruppe lösen. Natürlich gehörte zum Auswahlverfahren auch eine Art Vorstellungsgespräch. Überraschenderweise hatte ich dann die Wahl zwischen allen drei Organisationen und entschied mich für das Programm "Weltwärts" mit der Organisation AFS Interkulturelle Begegnungen e.V.

AUBI-plus: Wie lief die Vorbereitung auf den Freiwilligendienst ab?
Chiara: Vor der Abreise gab es zwei intensive Vorbereitungsseminare, die jeweils 5 Tage gedauert haben. In den Seminaren ging es um fremde Kulturen, Kommunikation, den Unterschied zwischen Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungshilfe und viele andere Themen. Was ist mit einem Gastgeschenk? Wie läuft das mit dem Visum? Braucht man spezielle Impfungen? Welche Medikamente sollte man vorsichtshalber mitnehmen? Alle unsere Fragen wurden beantwortet, die Sorgen genommen und die Vorfreude gesteigert. 
Ein weiteres Vorbereitungsseminar fand dann direkt nach unserer Ankunft in Bogotá statt. Wir lernten viel über die kolumbianische Kultur, den bewaffneten Konflikt, die momentane Sicherheitslage und andere Themen. Auf dem Programm stand auch die Besichtigung von Bogotá. Wir besuchten die Universität, das Regierungsviertel, das Botero-Museum, die Stierkampfarena und den Fruchtmarkt. Dann kam endlich der lang ersehnte Flug in die Stadt Cali, die für ein Jahr mein neues Zuhause werden sollte.


AUBI-plus: Worin bestand deine Arbeit in Cali?
Chiara: Ich habe an einer öffentlichen Schule als Teacher Assistant gearbeitet und beim Englisch-Unterricht geholfen. Zuerst fiel es mir ganz schön schwer, vor einer Klasse mit 30 bis 40 Schülern zu stehen und als deutsche Muttersprachlerin auf Spanisch Englisch zu unterrichten. Doch nach ca. 3 Monaten hatten sich meine Spanisch-Kenntnisse verbessert und das Unterrichten fiel mir wesentlich leichter. Eine Herausforderung war aber weiterhin, gleichaltrige oder sogar ältere Schüler zu unterrichten und vor diesen Autorität zu zeigen.

AUBI-plus: Wie sah ein typischer Tag aus?
Chiara: In Kolumbien ist es üblich, die Schüler in eine Früh– und eine Spätschicht einzuteilen. Für die Frühschicht beginnt der Unterricht bereits um 6:30 Uhr und endet um 12:30 Uhr! Ich musste also sehr früh aufstehen, da ich jeden Tag ca. 1 Stunde mit dem Bus zur Schule fahren musste. 

AUBI-plus: Was hast du in deiner Freizeit gemacht?
Chiara: Da ich in Deutschland lange Zeit getanzt habe, suchte ich mir ein ähnliches Hobby. Cali ist auch bekannt als die „Welthauptstadt des Salsa“ und daher war es für mich fast schon obligatorisch, Salsa-Unterricht zu nehmen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit hört man von irgendwo her laute Salsa-Musik und die Menschen tanzen einfach überall, z.B. auf der Straße, im Supermarkt und in der Schule.

AUBI-plus: Wie ist das mit der Kriminalität? 
Chiara: Natürlich kann man die Sicherheitslage nicht mit Deutschland vergleichen. Ich finde es aber schade, dass viele Menschen mit Kolumbien nur Gewalt und Kriminalität verbinden. Dabei ist Kolumbien ein wunderbares, interessantes Land, in das ich mich sehr verliebt habe!

AUBI-plus: Was empfiehlst du Jugendlichen, die sich für einen Freiwilligendient interessieren?
Chiara: Durch den Freiwilligendienst habe ich viele wunderbare Menschen kennengelernt, mich in eine komplett andere Kultur verliebt und diese verstehen gelernt, ich bin selbstständiger und selbstsicherer geworden und beherrsche nun eine weitere Sprache fließend. Ich konnte viel von meiner eigenen Kultur vermitteln und verstehe diese nun auch wesentlich besser. Zusammengefasst kann ich die Teilnahme an einem Freiwilligendienst nur empfehlen! Ich hoffe sehr, dass ich irgendwann nochmal die Möglichkeit habe, eine so unglaubliche, lebensprägende Erfahrung zu machen!

AUBI-plus: Hast du zum Schluss noch einen Tipp für ein gutes Gastgeschenk?
Chiara: Meiner Gastfamilie habe ich ein paar typisch deutsche Dinge mitgebracht, die sehr gut angekommen sind: Überraschungseier, Gummibärchen, ein deutsches Kochbuch in spanischer Sprache, ein Bildband über meine Heimatstadt, eine kleine Kuckucksuhr und ein Deutschland-Trikot.

 AUBI-plus: Vielen Dank für das Gespräch!

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