Wie werde ich Rechtsmediziner?

Der Beruf des Rechtsmediziners ist nichts für schwache Nerven. Eine gesunde und stabile Psyche ist gerade in der Arbeit mit dem Tod eine wichtige Eigenschaft, die du unbedingt besitzen solltest. Außerdem solltest du die folgenden Eigenschaften nicht außer Acht lassen:

  • Hohe Analysekompetenz
  • Belastbarkeit in Stresssituationen
  • Flexibilität
  • Teamfähigkeit
  • Fingerspitzengefühl und Genauigkeit
  • Umgang mit komplexen Sachverhalten
  • Resistenz gegen Ekel und Schocksituationen
  • Gutes Englisch in Wort und Schrift

Teamfähigkeit ist ebenso wie in anderen Jobs das A und O. Du hast in deiner Tätigkeit als Rechtsmediziner mit Menschen aus diversen Branchen zutun, seien es die Juristen, wenn es um die Aufklärung der zu untersuchenden Straftat geht, oder Kriminaltechniker aus diversen Branchen, welche sich ebenfalls an den Tatorten aufhalten, um mögliche Spuren zu untersuchen.

Daher musst du in der Lage sein, komplexe medizinische Sachverhalte so auszudrücken, dass auch Laien die Zusammenhänge verstehen und nachvollziehen können. Du benötigst natürlich ein abgeschlossenes Studium sowie die Facharztausbildung und musst dich besonders in den Bereichen angewandte Medizin, Toxikologie, Serologie und Spurenkunde auskennen.

Flexibilität wird in diesem Job, gerade was Wohnort und Arbeitszeiten betrifft, großgeschrieben. Aufgrund von auftretenden Notfällen musst du oft spontan in die Gerichtsmedizin sowie den Tatorten, was eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der Zeit mit deiner Familie unabdingbar macht.

Medizinstudium & Facharztausbildung 

Rechtsmediziner zu werden geht mit einem großen Zeitaufwand einher. Das Medizin-Studium und die abschließende Facharzt-Ausbildung dauern ziemlich lange und umfassen insgesamt ganze 11 Jahre. In Deutschland reicht nicht ausschließlich das Abitur, du benötigst für eine Aufnahme des Medizinstudiums einen besonders hohen Numerus Clausus, einfacher ausgedrückt: Einen hervorragenden Notendurchschnitt. Nicht nur das abgelegte Abitur berechtigt dich zur Aufnahme eines Studiums. Auch Bewerber mit Meistertitel oder einer ähnlichen Berufsausbildung können sich für die qualifizieren, sofern sie eine entsprechende Eignungsprüfung erfolgreich gestalten.

Hast du erstmal die Aufnahme an einer Uni geschafft, warten ganze 12 Semester Regelstudienzeit auf dich, in denen dir in Vorlesungen, Seminaren oder Kursen die Grundlagen vermittelt werden, welche dich zum späteren Beruf befähigen.

Die ersten 4 Semester werden als vorklinischer Teil bezeichnet, in denen du dein erlerntes Wissen über die theoretischen Grundlagen in sogenannten Präparierkursen anwendest. zu diesen zählt auch das Sezieren, gleichzeitig also deine ersten Kontakte mit menschlichen Leichen. Zusätzlich stehen während der ersten zwei Jahre eine Ausbildung in erster Hilfe sowie ein Pflichtpraktikum in der Krankenpflege auf dem Plan. Zum Ende der ersten Phase deines Medizinstudiums wartet die erste ärztliche Prüfung auf dich.

Der klinische, und damit zweite Abschnitt erstreckt sich über einen Zeitraum von 6 Semester und ist gleichzeitig der zeitintensivste Teil deines Medizinstudiums. Konkret behandelst du in den folgenden Semestern klinische Fächer wie Innere Medizin oder Chirurgie. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf Praxiserfahrungen, welche du in der Famulatur, einem viermonatigen Praktikum, sammeln kannst. Der klinische Teil wird mit dem zweiten Abschnitt der ärztlichen Prüfung abgeschlossen.

Die Semester 11 und 12, dein praktisches Jahr, absolvierst du in der Regel direkt in einer Klinik oder einem Krankenhaus. Deine Tätigkeiten liegen in den Gebieten der inneren Medizin, Chirurgie und in einem Bereich deiner Wahl. Nach Ende des Jahres schließt du dein Medizinstudium mit dem letzten Teil der ärztlichen Prüfung ab.

Der Abschluss des Medizinstudiums berechtigt dich zur Weiterbildung im Gebiet der Rechtsmedizin in Bereichen wie Pathologie, Psychiatrie oder Psychotherapie. Deine 5-jährige Facharztausbildung absolvierst du an Universitätskliniken oder rechtsmedizinischen Instituten und kannst dich nach erfolgreich abgelegter Facharztprüfung endlich als Rechtsmediziner bezeichnen.


Alternative Ausbildungen zum Beruf

Medizinischer Fachangestellter

Medizinische Fachangestellte arbeiten in Arztpraxen, Krankenhäusern, Reha-Zentren, Laboren und in Instituten des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Als medizinischer Fachangestellter bist du nicht nur „die rechte Hand“ der Ärzte, sondern auch wichtigster Ansprechpartner der Patienten und ein Meister der Organisation und Verwaltung. Wenn das Telefon klingelt, bist du schnell am Apparat und klärst Fragen der Patienten, vergibst Termine und nimmst Rezept-Bestellungen entgegen. Falls das Wartezimmer voll ist, behältst du den Überblick und hast ein besonderes Gespür für Notfälle. Der Behandlungsraum ist dein Revier, dort assistierst du dem Arzt und führst einige Untersuchungen und Messungen eigenständig durch.

Bestattungsfachkraft

Bestattungsfachkräfte begleiten Angehörige in ihrer ersten Trauerphase, organisieren die Bestattung und Trauerfeier, führen Verstorbene vom Trauerhaus zum Bestattungsinstitut über und versorgen sie für die Aufbahrung. Einem verstorbenen Menschen die letzte Würde zu erweisen und seine Angehörigen in den schweren Stunden des Abschieds sowohl psychisch als auch organisatorisch zu unterstützen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Als Bestattungsfachkraft nimmst du dich dieser Herausforderung an und bekommst im Laufe deines Berufslebens viel von dem zurück, was du in deiner beruflichen Tätigkeit investierst.

Operationstechnischer Assistent 

Operationstechnische Assistenten pflegen und warten Instrumente und technische Geräte, assistieren bei Operationen und bereiten Patienten auf anstehende Operationen vor. Ohne dich funktioniert im OP-Saal nichts: Das OP-Besteck würde nicht an der richtigen Stelle liegen, Hygienevorschriften würden missachtet werden. Du sorgst für Ordnung und die optimale Vorbereitung der Patienten auf die Operation und bist der Assistent des operierenden Arztes.

Notfallsanitäter

Platzwunde, Beinbruch, Bewusstlosigkeit, Herzinfarkt, Verkehrsunfall – es gibt viele Momente, in denen wir unverzüglich den Notruf wählen sollten. Manchmal sind es „kleinere“ Verletzungen wie eine Platzwunde und manchmal handelt es sich um lebensbedrohliche Situationen, in denen jede Sekunde zählt. Als Laie kann man in Unfall- und Akutsituationen schon mal überfordert sein, doch ausgebildete Notfallsanitäterwissen genau, was in solchen Situationen zu tun ist. Notfallsanitäter führen die medizinische Erstversorgung am Unfall- bzw. Einsatzort durch und assistieren dem Notarzt bei der Akutversorgung von Patienten. Sie kümmern sich um den Transport des Erkrankten oder Verletzten bis zum nächsten Krankenhaus und überwachen währenddessen seinen medizinischen Zustand.

Weitere interessante Ausbildungen stellen wir dir in unseren Texten Berufe im Labor und Medizinische Berufe vor. Wenn du ein Berufsbild gefunden hast, das dich anspricht, kannst du über unsere Suchmaschine direkt nach einem freien Ausbildungsplatz suchen.

Was macht ein Rechtsmediziner?

Tatort, CSI oder Body of Proof - wer sich für Krimi-Serien interessiert, kennt den Beruf des Rechtsmediziners. In jeder Folge spielen sie eine Hauptrolle und arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Ihr Arbeitsplatz ist der Tatort und die Gerichtsmedizin, wo sie bei der Aufdeckung von Kriminalfällen als rechte Hand der Justiz eingesetzt werden. Neben ihrer Arbeit am „Tisch“ verfügen Rechtsmediziner über eine große medizinische Expertise und erstellen zu jedem Opfer in der Regel ein umfangreiches Gutachten, welches nicht selten Informationen liefert und zur Aufklärung des Tathergangs führt.

Was macht eigentlich ein Rechtsmediziner?

Als Rechtsmediziner bist du mit deinem medizinischen Fachwissen ein wichtiger Bestandteil der Rechtsmedizin. Dein Job sind Obduktionen und Untersuchungen von Leichen sowie die Feststellung von Todesursachen. Bei Verbrechen wirst du sogar am Tatort eingesetzt und entnimmst den Leichen Blut-, Haar- und Speichelproben, welche du später in deinem Labor untersuchst. Da die Identität der Toten aufgrund diverser Ursachen, wie fehlender Dokumente, nicht immer bekannt ist, hilfst du unter anderem dabei, diese anhand verschiedener Techniken, wie einer DNA-Probe, festzustellen. Die Opfer einer Straftat leiden nicht selten an Gedächtnislücken, weshalb du neben der Arbeit mit Toten auch lebendige Menschen untersuchst, um beispielsweise den Tathergang einer schweren Körperverletzung rekonstruieren zu können. Neben den zahlreichen Untersuchungen warten in der Rechtsmedizin zusätzlich eine Menge administrativer Aufgaben, da von jedem Opfer ein ausführliches Gutachten erstellt wird. Und dann warten im Anschluss auch noch die Gerichtstermine auf dich, bei denen du in manchen Fällen mit schriftlich erstellten Gutachten Licht ins Dunkle bringst und den möglichen Tathergang erläuterst. Nicht selten trägst du also erheblich zum Urteil oder der Überführung von Tätern bei.

Gut zu wissen...
  • Die Arbeit von Rechtsmedizinern ist viel umfangreicher als es in bekannten TV-Serien dargestellt wird. Obduktionen machen beispielsweise nur knapp ein Viertel der Tätigkeiten aus.
  • In Deutschland werden weniger als drei Prozent aller Toten obduziert. In Österreich sind es in Kliniken hingegen bis zu 80 Prozent!
  • Die DNA wurde erst im Jahre 1953 entdeckt. Erst seit rund 70 Jahren kann die DNA in der Rechtsmedizin also zur Identifikation von Tätern genutzt werden.

Besonderheiten

Rechtsmediziner – Ein Beruf für Workaholics

Gerade weil der Beruf des Rechtsmediziners so vielseitig ist, unterscheidet er sich hinsichtlich der Arbeitszeiten grundlegend von anderen Berufen. Einen normalen Arbeitstag, beispielsweise von 8 bis16 Uhr, gibt es nicht. Kommt es zu einem Notfall, so kann dein Arbeitstag gut und gerne 12 Stunden und noch länger dauern. Da dies nicht selten der Fall ist, hast du als Rechtsmediziner im Schnitt 50 bis 60 Wochenstunden Arbeit vor dir und arbeitest somit mehr, als der Durchschnittsarbeitnehmer in Deutschland. Da dies oft an den Nerven zerren und eine Herausforderung für Familienmenschen darstellen kann, solltest du dir also gut überlegen, ob ein Beruf mit einem derartigen Zeitumfang der richtige für dich ist. Gerade in medizinischen Berufen musst du mit Herzblut und völliger Hingabe bei der Sache sein, selbst in Stresssituationen, welche in diesem Beruf garantiert vorkommen.

Deine vielfältigen Chancen & Möglichkeiten als Rechtsmediziner

Hast du deine umfangreiche Ausbildung erfolgreich gemeistert, stehen dir diverse Möglichkeiten offen, ins Berufsleben einzusteigen. Rechtsmediziner arbeiten im gerichtsärztlichen Dienst, in einem Landes- oder Bundeskriminalamt, an rechtsmedizinischen Instituten von Universitäten, Krankenhäusern oder in der Forschung und Lehre. Wie du siehst, werden 11 Jahre Mühe und Fleiß mit gut bezahlten, interessanten Stellen belohnt, von denen dir ganz sicher mehrere zusagen werden. Als Gerichtsmediziner hast du sogar die Chance auf eine Stelle in der Wirtschaft, welche gehaltstechnisch meist besonders reizvoll ist.

Als Rechtsmediziner liegen Fortbildungen an der Tagesordnung

Als Facharzt musst du dich weiterbilden und regelmäßig Fortbildungen besuchen, um mit deinem Wissen auf dem neuesten Stand zu bleiben. Nur so kannst du den Patienten mit deinem fachlichen Knowhow unterstützen und ihnen bei Fragen behilflich sein. So ähnlich ist es auch für Rechtsmediziner. Es bieten sich fachspezifische Lehrgänge im Bereich Gesundheitsmanagement, Toxikologie oder Kriminologie an. Außerdem sind Tagungen, Symposien oder Konferenzen sehr wichtig, da dort aktuelle Forschungsergebnisse der Rechtsmedizin präsentiert und diskutiert werden.

Rechtsmediziner-Quiz
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